Mittwoch, 27. Januar 2016

"VON DORT WIRD ER KOMMEN ZU RICHTEN DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN"

Was heißt das eigentlich?

Das "DORT" in diesem Glaubenssatz bezeichnet keinen Ort. Es ist das positive Spiegelbild der negativen Reihe von Tod, Begräbnis und Abstieg in das Totenreich. Dort wurde die Erniedrigung entfaltet, später die Erhöhung in der Auferstehung. Zunächst verurteilt menschliche Macht, später rechtfertigt Gott. Die hier angesprochene Übertragung von Rechtsgewalt ist der Höhepunkt im Auferstehungsglauben.
Zum Begriff RICHTEN existieren weit verbreitete Missverständnisse des göttlichen Weltgerichts. Der Mythos wird missverstanden, als ob er Geschichte wäre - Zukunftsgeschichte. Die Wiederkunft Jesu Christi wird zum geschichtlichen Ereignis am Ende der Zeit, wenn er als Weltrichter kommen wird.
Gerechtigkeit lässt sich nicht immer und auf Dauer unterdrücken. So verstanden, richtet der Auferstandene gar nicht im landläufigen Sinn, er wird vielmehr seinen Widersachern zu Gericht. In dem Sinne wie ein fachmännisch geschreinerter Stuhl den eines Pfuschers richtet. Das hohe Maß der Lebendigkeit Jesu Christi "richtet" die halbherzig und lau dahin lebenden.
Solches Richten ist nicht Rache sondern Gnade. So richten ist nicht strafen, es stellt eher den rechten Stand der Dinge wieder her. Gerechtigkeit ist kein Aburteilen mehr, sondern verwandelt sich in eine Richtschnur. Es geht um die Aufrichtung einer Weltordnung nach dem Richtmaß von Weisheit und Barmherzigkeit. Statt Gier, Hass und Wahn herrschen Teilen, Zugehörigkeitsbewusstsein und Verstehen - Haltungen, die der Kreativität und Tatkraft der Liebe entsprechen.
Was bedeutet LEBENDE und TOTE in diesem Zusammenhang? Was unterscheidet die wahrhaft LEBENDEN von den spirituell TOTEN? Menschen, die wie Jesus alles auf die göttliche Gerechtigkeit der Liebe setzen, sind im Vollsinn LEBENDE; die anderen sind im Vergleich dazu die TOTEN.

Woher wissen wir das?

Wenn dieser Glaubenssatz sich auf ein zukünftiges Ereignis bezöge, wäre er unbeweisbar. Wir müssten abwarten, ob er sich je bewahrheiten würde. Es geht hier aber um eine in der Gegenwart zugängliche Einsicht in Gerechtigkeit und Gericht. "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu." (Volksmund über Gerechtigkeit). "Alle Schuld rächt sich auf Erden" (Goethe über Gerechtigkeit). Beides ist jedem reifen Menschen intuitiv einsichtig.
Gerechtigkeit kann nicht durch äußere Gesetze aufgezwungen werden. Sie ist das innere Gesetz echter Ordnung. Sie muss von innen wirken. Wie der Sauerteig, der die ganze Teigmasse gären lässt und von innen her zum Aufgehen bringt. Gerechtigkeit ist ein Aspekt der Wirklichkeit. Selbst wenn wir selber ungerecht handeln, wissen wir, was gerecht ist. Selbst unsere Wut, die sich gegen das auflehnt, was uns als Gottes Ungerechtigkeit erscheint, hat ihre Wurzel in der unzerstörbaren Überzeugung, dass Gerechtigkeit vor dem Gericht des Seins Recht behalten muss.

Weshalb ist das so wichtig?

Das mythische Bild von Jesus Christus als Weltenrichter kann uns helfen, unseren Alltag und unser Leben in Ordnung zu bringen.
Ordnung ist nie statisch, sie lässt immer neue Muster entstehen. Doch das innerste Gesetz wahrer Ordnung heißt Liebe. Die ganze Natur lebt danach. Auch die Entwicklung zweier Liebender zu einer Familie folgt diesem Prozess einer inneren Gesetzmäßigkeit.
Unser Gerechtigkeitssinn entstammt diesem Grundprinzip der Liebe. Der vietnamesische Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh sagt: "Gerechtigkeit ist nicht auf Rechtsansprüche gegründet, sondern auf dankbare Liebe".
Natürlich bleibt die praktische Verwirklichung von Gerechtigkeit im Einzelnen immer fragwürdig, weil die Komplexität des Lebens sie erschwert. Wir brauchen nur an Entscheidungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Umwelt zu denken. Wir mögen sie aus einer bestimmten Perspektive für ungerecht halten. Und doch sind wir alle an diesen Entscheidungen irgendwie mitbeteiligt.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Wer würde sich nicht spontan einen donnernden Weltenrichter wünschen, wenn mal wieder ein Staatsoberhaupt und seine Wirtschaftsberater mit Hilfe von Propagandalügen einen Angriffskrieg vom Zaun brechen? Und doch ist es so, dass Gottes Geduld mehr erreicht durch "liebenswürdig zurückhaltende Geschicklichkeit", als durch ein Gericht, dass Gerechtigkeit erzwingt.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Das Bild des Weltenrichters nutzt so mancher "strenggläubige Christ" gerne als Drohkulisse. Für sich und gerne auch für andere. Es ist erschreckend, was solche Missverständnisse anrichten können und wie viel spiritueller Missbrauch damit getrieben wurde und immer noch getrieben wird. Ich befürchte, dass auch die Erklärungen von David Steindl-Rast an solchen Menschen nicht viel ändern werden. Was nicht in eigene Weltbild oder Religionsverständnis passt, wird gerne ignoriert oder als Irrtum abgetan. In der Einteilung LEBENDE und TOTE gehören sie wohl eher zu den spirituell TOTEN.

Sehr wichtig ist hier der Hinweis auf das innere Gesetz der Liebe. Wir erkennen immer wieder, dass Gerechtigkeit sich trotz aller Gesetze und Gerichte nicht erzwingen lässt. Manchmal erreichen wir mit "Gottes Geduld" mehr. Bisher ist jedes Unrechtssystem irgendwann in sich zusammengebrochen. Doch dies braucht nunmal Zeit.

"ER SITZT ZUR RECHTEN GOTTES; DES ALLMÄCHTIGEN VATERS"

Was heißt das eigentlich?

Die Inthronisierung Jesu Christi ist ein weiteres dichterisches Bild. Seine Rechtfertigung durch die Auferstehung und seine Erhöhung durch die Himmelfahrt gipfelt hier in seiner Bevollmächtigung.
Jesus Christus besitzt höchste Autorität. Freilich immer im Sinne der einzig wirklichen Autorität, der Allmacht der Liebe. Alle, die sich vom göttlichen Licht leiten lassen, dürfen auf diese höchste Autorität vertrauen. Gerade auch jene,die sich für eine gerechte Gesellschaftsordnung einsetzen und dafür Verfolgung erleiden.

Woher wissen wir das?

Dieser Glaubenssatz enthält keine "zusätzlichen Informationen". Das Credo stellt seinen Inhalt hier mal wieder mytho-poetisch dar. Ein gewisses Maß an Sensibilität für Poesie gehört zur Allgemeinbildung und lässt uns vieles vom Besten,was das Leben zu bieten hat, würdigen und genießen. Von Gothe und Schiller bis zur Bhagavad Gita und zum letzen Liebesbrief. Jedes Kind wird mit Augen, Ohren und Herz eiens Dichters geboren und braucht ein Mindestmaß an Förderung dieser Fähigkeiten. Nur mit einem gesunden Sinn für dichterische Sprache können wir verstehen, was das Credo uns sagen will.
So ist die Allmacht Gottes eben nicht die eines autoritären Machthabers, sondern die eines liebenden Vaters. Die göttliche Liebe ist allmächtig, weil alle, die wie Jesus Christuns grauenvolles Unrecht, Leiden und selbst den Tod liebend erleiden, all diesem Widersinn Sinn geben können. Und Sinn ist das Einzige, worauf es letztlich ankommt. Die Macht der Ungerechtigkeit mag weit reichen, sie kann aber niemals die Autorität de Liebe außer Kraft setzen.

Warum ist das so wichtig?

Die Bilderreihe "Auferstehung, Himmelfahrt, Thronbesteigung und Richtergewalt" wendet sich Schritt für Schritt, von Jesus ausgehend, uns selbst zu. In ihr kristallisiert sich immer klarer heraus, was die Auferstehung Jesu Christi für uns bedeutet.
Wir verpflichten uns für Frieden, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Menschenwürde und für alles, wofür Jesus einstandm selber einzustehen und auch Gleichgültigkeit in tatkräftige Hilfsbereitschaft umzuwandeln.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Selbst für den verachtetesten, verworfensten, vergessensten Menschen gilt: Der Mensch geht unendlich über den Menschen hinaus, in jedem Menschen ist die Christuswirklichkeit, das heißt nichts anderes als Gottes Gegenwart. Jesus Christuns ist durchaus als Archetypus des Menschen zu verstehen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Die Fähigkeit, mytho-poetische oder einfach dichterische Sprache zu lesen und zu verstehen, was sie uns sagen will, ist bei vielen modernen Menschen verkümmert. Kein Wunder, in meiner Schulzeit haben wir zwar Gedichte auswendig gelernt, doch wirklich in der Tiefe zu verstehen,was sie uns sagen wollen, wurde nicht vermittelt. Ohne diese Kulturtechnik aber lässt sich das Credo - und auch die Bibel - nicht lesen.
Daher ist der erklärende Ansatz, den David Steindl-Rast hier hat, heute sehr wertvoll. Viele Christen können heute das Credo, bzw. Teile davon, nicht mehr beten. Liegt dies vielleicht auch daran, dass sie den tieferen Sinn nicht verstehen und auch nie verstanden haben?
Ganz wichtig ist hier der erneute Hinweis darauf, was die Allmacht Gottes bedeutet. Viele Menschen wenden sich von Gott ab, weil sie sich im Fall  eines tiefen Leids, das sie oder andere trifft, fragen: "Wie konnte Gott dies zulassen?"
Die Sache mit der Christuswirklichkeit in jedem Menschen ist sicher schwer zu verstehen, wenn man sich Menschen wie Hitler, Stalin, Pol Pot und viele andere Masenmörder der Weltgeschichte vor Augen hält. Doch letztlich ist sie auch in ihnen. Natürlich gehören sie dennoch nach juristischen Kriterien verurteilt.

Für den praktischen Umgang mit unangenehmen Zeitgenossen oder auch Menschen, die uns oder anderen Leid angetan haben, bedeutet dies: Wir können das Verhalten eines Menschen durchaus veurteilen und dennoch seinen Wesenskern, die Christuswirklichkeit (oder auch Buddhanatur) in ihm achten.  Wenn wir dies wirklich tun, ändert sich eventuell auch etwas im äußeren Verhalten dieses Menschen.

"AUFGEFAHREN IN DEN HIMMEL"

Was heißt das eigentlich?

Das Hinuntersteigen in das Totenreich ist ein mythisch-dichterisches Bild für das Sterben und das Aufsteigen ist Bild dafür, dass er trotzdem lebt. Dichtung ist ja nicht Lüge. Dichtung ist vielmehr verdichtete Wahrheit. Hier will gesagt werden, dass der Auferstandene auf einer höheren Ebene lebt, in höherem Grade lebendig ist.
Auch HIMMEL ist ein dichterisches Bild für eine Wirklichkeit, die nicht weniger wirklich ist, weil sie unvorstellbar bleibt. Um herauszufinden,was das Credo mit AUFGEFAHREN IN DEN HIMMEL meint, müssen wir fragen, was der Text in biblischer Sprache sagen will.  Da lernen wir: Himmel bedeutet hier keinen Ort, auch keinen Zustand. Sprachwissenschaftler sagen, das HIMMEL als "der dynamische Ausgangspunkt" verstanden wurde, von wo Gottes Kraft in die Welt einbricht. Der auferstandene Christus ist zur Quelle zurückgekehrt, von wo Gottes Liebe mit Macht in die Welt strömt. So ist auch "himmlische Seligkeit" zu verstehen.
Wenn wir Gott auch nicht sehen können, so können wir in uns doch seine Kraft spüren, die im ganzen Universum wirkt. Die Himmelfahrt ist Bild dafür, dass Jesus Christus - in Gott geborgen und, so wie Gott, verborgen - auch Anteil hat an Gottes Wirkkraft, Menschenherzen zu bewegen - zu Mitgefühl, zu Hilfsbereitschaft, zu Selbstachtung, zu Wertschätzung aller anderen Menschen, zu allem, was das Gottesreich zur Wirklichkeit werden lässt - und so durchwirkt er diese Welt. Dieses Wirken werden die nächsten beiden Sätze des Credo noch ausdrücklicher betonen.

Woher wissen wir das?


Wir können in uns selbst das göttliche Leben erfahren, aber als verborgen. Es ist die Lebendigkeit im Innersten alles Lebendigen, die Quelle, die ihm Strom verborgen ist. Uns wird diese Lebenskraft als zielstrebig bewusst, als zu Entfaltung und Lebensfreude hinziehend. Sie pulsiert segenspendend durch das Universum und durch unser eigenes Sein. Alles Lebendige entsteht und vergeht. Es leuchtet dem menschlichen Herzen aber irgendwie ein, dass die Lebenskraft selbst unzerstörbar ist und zurückfließt zu ihrer Quelle in Gott.

Warum ist das so wichtig?

AUFGEFAHREN IN DEN HIMMEL ist ein Vertrauensvotum für die Christuswirklichkeit in uns selbst, die so schwach erscheint, dass wir zweifeln könnten, ob sie Wirklichkeit sei oder nur Selbsttäuschung. Hier kommen wir wieder voll Vertrauen auf den Satz zurück: "Euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen" (Kol 3,3). Das ist von großer Wichtigkeit für alle Menschen, nicht nur für Christen. Unser wahres Leben - das Christus-Selbst in uns - ist ein verborgenes, aber auch ein geborgenes: verborgen in Schwäche, geborgen in Gott, dessen Schwachheit machtvoller ist als menschliche Stärke (1 Kor 1,25).
Jesus schickte seine Jünger aus, um das Reich Gottes zu verkünden. Dies gehört untrennbar zum AUFGEFAHREN. Mit diesem Glaubenssatz nimmt,wer ihn ernst nimmt, eine Verpflichtung auf sich: "Geht hin in alle Welt und verkündet die Frohbotschaft aller Kreatur" (Mk 16,15). Wenn der aufgefahrene Jesus Christus in Gott verborgen ist, und Gott im Kosmos - in jedem kleinsten Teilchen des Kosmos - , dann schließt die Verkündung der Frohbotschaft auch Verantwortung ein für Wasser und Erde, für den Regenwald und die Eisbären; sie muss Verkündung durch unser Tun sein, mehr als durch Worte.
Man kann auch sagen: "Es führt kein Weg zum Reich Gottes; das Reich Gottes ist der Weg". Katharina von Siena (1347 - 1380) sagte dazu: "Der ganze Weg zum Himmel - ist der Himmel" - selbst der Kreuzweg.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Erst allmählich geht uns ein neues Verständnis der Himmelfahrt auf und wir ahnen, dass der ganze Weg zum Himmel Himmel ist. Wir können einsehen, dass der Himmel, in den Christus auffuhr, mich ganz umgibt.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

 Wichtig ist, das es sich wieder um dichterische Sprache, um verdichtete Wahrheit handelt. Und noch wichtiger ist, dass wir durch unsere Lebendigkeit göttliches Leben in uns erfahren können. Dies sit insofern von besonderer Wichtigkeit, als der (post)moderne Mensch sich nicht mit Erzählungen von Gott zufrieden gibt, sondern Gott "erfahren" will. Unsere innere Lebendigkeit ist ein Indiz für eine göttliche Quelle, für etwas, das größer ist als wir und was uns durchströmt.

"AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN"

Was heißt das eigentlich?


Die Grundaussage ist: Obwohl er wirklich tot war – drei Tage lang -, lebt er. Er war verurteilt hingerichtet und vernichtet. Aber trotzdem gab Gott ihm Recht und schenkte ihm Leben, Kraft und Autorität. Dieser Glaubenssatz verkündet Jesus Christus als lebendige Wirklichkeit, von Gott gerechtfertigt und ermächtigt.

Sein leeres Grab, sein Auferstehungsleib und seine Erscheinungen vor den Jüngern, das sind für viele Menschen Hilfen zum Verständnis, für viele sind es aber auch Hindernisse im Verstehen der wesentlichen Aussage.
Das Glaubensbekenntnis beschränkt sich auf das Wesentliche. Der Totgewesene lebt und herrscht. Und das gilt auch für den Christus in uns.

Jesus Christus lebt wieder, aber doch ganz anders als vorher. AUFERSTANDEN heiß nicht wiederbelebt. Die Berichte von den Erscheinungen Jesu versuchen sein neues Leben irgendwie darzutun. Er bleibt seinen Jüngern erkennbar, er trägt noch die Male seiner Wunden. Aber es ist doch alles anders. Sein Leben ist jetzt „verborgen in Gott“ (Kol 3,3) – und unser eigentliches Leben mit dem Seinen.

AM DRITTEN TAGE ist eine biblische Redewendung und will soviel sagen wie „nach kurzer Zeit“. So ist. z.B. in vielen Kulturen das Gastrecht auf drei Tage beschränkt.

Der Ausdruck VON DEN TOTEN weist zurück auf das Hinabsteigen zu den TOTEN im vorigen Glaubenssatz. Es handelt sich um alle Toten. Die Auferstehung ist also nicht Privatangelegenheit Jesu. Mit AUFERSTANDEN wird im Credo ein Triumph über den Tod schlechthin kundgegeben. Dieses Ereignis hat für das los aller Toten Folgen.

Woher wissen wir das?


Es gibt keine äußeren Beweise für die Auferstehung. Für ein Ereignis, dass sich am Grat zwischen Zeit und Ewigkeit abspielt, kann es nur innere Beweise geben: Zu wissen, wofür Jesus lebte und sein Leben hingab, bedeutet, Gottes Weisheit und Macht darin zu erkennen. Es ist die Autorität der Liebe, um die es hier geht, und wir wissen im Innersten, dass dies die letztgültige Autorität ist. Früher oder später - AM DRITTEN TAG - muss es sich erweisen. Liebe ist stärker als der Tod. Wir wissen das in unserem Herzen, schon bevor das Zeugnis der Jünger von der Auferstehung es uns von außen her bestätigt.
Wie weit die Auferstehungstexte der Evangelien geschichtliche Berichte sein mögen, wie weit Bildersprache für etwas völlig Unbegreifliches, ist diskutabel. Eines wissen wir jedenfalls: Die Jünger erlebten das, was sie Auferstehung nannten, als ein Ereignis, das ihr Leben von Grundauf veränderte. Durch den Tod Jesu zerschmettert und mutlos gemacht, setzen sie sich kurze Zeit später unbeirrt für die Ideale Jesu ein. Ein psychologisch nur schwer erklärbarer Umschwung, es muss also etwas Bedeutendes passiert sein.
Das innere Auferstehungserlebnis der Jünger Jesu ist durch das Lauffeuer ihrer Begeisterung bezeugt und wir wissen davon aus der Geschichte. Was aber war der äußere Anlass, der zum zündenden Funken für diese Begeisterung wurde? Die Antwort kann nur von Historikern gegeben werden, deren Meinungen allerdings weit auseinandergehen. Für die am einen Ende des Spektrums stehenden enthalten die neutestamentlichen Auferstehungsberichte ein gewissen Maß an historisch ernstzunehmenden Daten; für die Gegenpartei sind biblische Texte von vorne herein diskreditiert. Damit präjudizieren sie allerdings, welche Daten in Erwägung gezogen werden.
Es sollten alle relevanten Belege herangezogen werden. Dazu zählt das bereits erwähnte Sindon, das ja auch in den Berichten vom leeren Grab eine wichtige Rolle spielt. Und es kommt das Sudarium (Schweißtuch) von Oviedo hinzu, benannt nach dem spanischen Ort, wo es seit dem frühen Mittelalter aufbewahrt wird. Es stimmt in wichtigen Punkten mit dem Sindon überein. Zwingende Beweise werden sich dafür kaum erbringen lassen.
Wenn wir die gesicherten wissenschaftlichen Befunde mit den Berichten in den Evangelien vergleichen, ergeben sich naheliegende Hinweise darauf, welche äußeren Ereignisse den Auferstehungsglauben der Jünger ausgelöst - nicht bewirkt! - haben könnten. "Nicht bewirkt" deshalb, weil auch das Sehen bestenfalls ein Etwas-glauben bewirken kann, es hier aber um den inneren Mut zum An-Gott Glauben geht. Beim Sehen geht es um äußere Evidenz, beim Glauben um inneres Vertrauen.
Ein weiteres Gebiet verdient die Aufmerksamkeit des Wissenschaft: die sogenannten Regenbogen-Körper. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das in Tibet seit Jahrhunderten beschrieben wurde, auch heute noch vorkommt und gut bezeugt ist. In einem typischen Fall bittet ein Lehrer vor seinem Tod, seine Leiche für einige Zeit ungestört zu lassen. In diesem Zeitraum - etwa ein bis zwei Wochen - schrumpft dann der von einem Tuch bedeckte Leichnam nach und nach zusammen, oder er verschwindet auch ganz, wobei manchmal Haare undNägel zurückbleiben. Häufig erscheint der Vertorbene noch eine Zeitlang seine Jüngern, nicht aber der Öffentlichkeit. Lichterscheinungen wie Regenbogen spielen dabei eine Rolle, daher der Name. Es handelt sich hier offensichtlich um Phänomene, die an die Auferstehungsbericht erinnern und wissenschaftlich überprüft werden müssten.  Immerhin leben wir heute in einer Zeit, in dem wir erheblich mehr Material und Forschungsmethoden zur Verfügung haben als frühere Generationen.
Doch so interessant dies auch alles sein mag - und darüber hinaus intellektuell zwingend - sich damit zu befassen - von letzter Bedeutung für den Glauben ist es nicht. Diese Fragen führen durchaus zu einem besseren geschichtlichen Verständnis der Auferstehungsberichte. Um sie von den Fragen zu unterscheiden, die relevant sind  für das Bekenntnis AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN, empfiehlt sich folgendes Gedankenexperiment:
Stellen wir uns einmal vor, dass ein Wissen um die äußeren Umstände, die den Glauben der Jünger an die Auferstehung und ihre darauf gründende Begeisterung auslösten, uns grundsätzlich versagt wäre. Würde uns das die Möglichkeit nehmen zu leben, wie Jesus lebte, ermächtigt von demselben Geist, der ihm Macht gab? Wenn wir so lebten - aus unserem Christus-Selbst heraus, dann könnte unser eigenes Lebenszeugnis ja als eine Art Beweis für sein Leben gelten - hier und jetzt - seinem Tod zum Trotz.

Warum ist das so wichtig?


Im Credo geht es um den Glauen an Gott. Dahinter steht die Frage: Auf was für einen Gott verlässt sich hier der Glaube?
Wenn Gott Jesus gerechtfertigt hat, dann auch seine Forderungen. Was bedeutet das für uns? In der Weltordnung, die heute an der Macht ist, findet sich kein Platz für gerechte Verteilung materieller und kultureller Güter, für Gewaltfreiheit, für Ehrfurcht vor der Würde jedes einzelnen Menschen. Für diese Worte aber setzte Jesus sein Leben aufs Spiel.

Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast

Was sind die Konsequenzen der Auferstehung Jesu Christi in meinem eigenen Leben? Wie - wenn überhaupt - beeinflusst seine Auferstehung mein Gottesverständnis, meine Beziehung zu Gott? Gehe ich im Leben lieber den bequemeren Weg, oder wähle ich Gottes - Jesu - Weg, um mir, meinem wahren Selbst, der Christuswirklichkeit in mir, treu zu bleiben? Nur im Hinblick auf die Auferstehung kann ich das wagen, nur im Vertrauen darauf , dass ein letztes, endgüötiges "Ja!" auch den Tod überwindet.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Neben der Jungfrauengeburt ist die Auferstehung einer der Stolpersteine des christlichen Glaubens. "So etwas kann nicht sein!" sagen viele aufgeklärte und moderne Menschen heute. Allerdings kann dies auch ein sehr einfacher Weg sein, sich die Gottesfrage vom Hals zu halten.
David Steindl-Rast hat duchaus Recht damit, wenn er sagt, das die historische Wahrheit über die Auferstehung letztlich keine wirkliche Relevanz für den Glauben an Gott hat. Wir könnten auch so aus unserem Christus-Selbst nach Jesu Vorbild leben. Können wir - doch wie unterscheidet sich das dann von einem rein humanistischen Ansatz ohne Glauben an und Vertrauen auf eine wie auch immer geartete göttliche Wirklichkeit?
Auch unser Verstand möchte "glauben" und benötigt dafür Futter. Für die Existenz einer göttlichen Wirklichkeit gibt es keine klaren Beweise. Doch es gibt eine Reihe von Indizien, die darauf hinweisen. Und Wissen über etwas setzt sich ja immer aus vielen Details zusammen. Hat man genügend Indizien gesammelt, bleibt es letztlich eine Frage der Entscheidung, ob man an eine göttliche Wirklichkeit oder wie auch immer man das für sich persönlich nenne will, glaubt und sein Vertrauen darauf setzt. Wenn man dies tut, erlebt man möglicherweise "innere Beweise" für eine göttliche Existenz.

"HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES"

Was heißt das eigentlich?


Dieser Satz betont, dass Jesus Christus wirklich tot war, nicht nur scheintot. Jesus ist einer von unzähligen in diesem weiten Reich derer, die vor und nach ihm starben. Was bedeutet es für ein rechtes Verständnis der Todes, dass Jesus Christus und ungezählte andere Opfer vor und nach ihm sterben mussten? Auf diese Frage gibt HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES eine klare Antwort: Der Tod ist nicht das Ende; Tod ist kein Kerker, Tod ist Durchgang, Transitus, Übergang.

Woher wissen wir das?


Jesus starb und wurde begraben. Bei dem Satz HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES handelt es sich einfach um die Wiederholung einer geschichtlichen Aussage, jetzt in ein mythische Bild gekleidet – in dichterische Sprache.

Warum ist das so wichtig?


Dieser Satz kann uns an Gottes Gegenwart in jedem Bereich unserer Psyche erinnern. Selbst in den höllischsten Zonen unserer Gegenwart ist Gott uns nicht fern. Nicht kann uns von der Liebe Gottes trennen.

Tod ist Durchgang, Übergang, Transitus für die Christuswirklichkeit in uns. Dies gilt auch für die vielen vorläufigen Tode, die wir im Laufe unseres Lebens durchstehen müssen. Und wenn der Repräsentant von Gottes Liebe das allgemeine Los der Sterblichen teilt, dann dürfen diese hoffen, auch an seiner Auferstehung Anteil zu haben. Beides gehört zu der Christuswirklichkeit, die unser innerstes Wesen als Mensch ist.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Unterwelten, Höllen und Totenreich sind uns näher, als wir wahrhaben möchten. Und was soll uns die Höllenfahrt Jesu Christi sagen, wenn wir nicht bereit sind, mit ihm auch dorthin zu gehen? Im Credo bekennen wir gläubig, dass Gottes liebende Gegenwart auch im Reich des Todes gefunden werden kann.

Und wie hältst du es? In welchem REICH DES TODES kannst du Botschafter werden für Gottes Liebe? Heruntergekommenen Ehrfurcht erweisen und ihnen so Würde und Selbstvertrauen zurückgeben ist einer von vielen Wegen. Welcher kurze Besuch oder Telefonanruf könnte für dich zur Höllenfahrt werden, für ein Kind Gottes aber ein Sonnenstrahl in der Finsternis.
Sobald wir eine gewisse soziale Berührungsangst überwinden und unsere Scheu vor Tod und Leiden ablegen, fließt eine Flut von Freude in unser Herz.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Der Tod ist in unserer Kultur mehr oder weniger tabuisiert. Dies ist vielleicht auch der Grund dafür, dass wir die vielen kleinen Tode, die wir oder andere im Leben erleiden, tabuisieren.
Wie schnell ist ein schwerkranker Kollege im Betrieb vergessen, oder wird ein schwerkranker Verwandter eher pro Forma besucht? Wie oft verheimlichen wir unsere kleinen und großen Niederlagen im Leben vor unserem persönlichen Umfeld? Indem wir lernen, mit unseren kleinen Toden umzugehen, bereiten wir uns auch auf den „großen“, endgültigen Tod vor.

Doch ist dieser Tod wirklich so endgültig? Beim nächsten Satz wird es richtig spannend.

"BEGRABEN"

Was heißt das eigentlich?


Zunächst liegt hier die historische Aussage vor, der Leichnam Jesu sei von Zeugen identifizier und in ein Grab gelegt worden. Das war für Opfer von Kreuzigungen eher ungewöhnlich. Ob dies so stimmt, ist eine Frage für Historiker und keine Glaubensfrage.

Vom Standpunkt des Glaubens aus drückt sich im BEGRABEN das gläubige Vertrauen aus, dass selbst in unserer äußersten Passivität die Gegenwart Gottes uns hält und trägt.

Woher wissen wir das?


Zunächst die historische Frage – die keine Glaubensfrage ist – ob Jesus begraben wurde. Unter Wissenschaftlern ist diese Frage sehr umstritten. Die Leichen der meisten Gekreuzigten wurden wohl von Raben und Hunden gefressen.

Der Historiker Jan Wilson zieht die Befunde der Sindononolgie (der Wissenschaft vom Grabtusch) heran und sagt „ja“, Jesus wurde BEGRABEN. Das Sindon, das „Leichentuch von Turin“ ist ein so gründlich untersuchtes archäologisches Relikt, dass sich im 20. Jh. Ein neuer Zweig der Archäologie, die Sindonologie, entwickelte. Daran beteiligten auch viele Forscher der NASA mit modernsten Laborgeräten und Untersuchungsmethoden. Für die geschichtlichen Aspekte dessem, worauf BEGRABEN hinweist, sind diese Befunde sehr wichtig.

Hier nur in Kürze: Das Tuch zeigt ein Ganzkörperbildnis eines Mannes. Das Bild wirkt wie ein Negativ, erscheint daher auf dem Negativ einer fotographischen Aufnahme als Positiv. Spuren von Geißelung und Annagelung stammen mit den Passionsberichten der Evangelien überein. Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Erklärung dafür, wie dieses Bild entstanden ist. Wer mehr über dieses interessante Thema wissen will, sieh hier oder forsche selbst nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Turiner_Grabtuch

Handelt es sich tatsächlich um das Leichentuch Jesu? Da stehen sich zwei Parteien in einem unerbittlichen Stellungskrieg gegenüber. Die einem meinen, dass das, was sie im Credo über Begräbnis und Auferstehung Jesu bekennen, durch das Sindon bewiesen werden können. Die anderen meinen, den Glauben als Irrtum hinstellen zu können, wenn es ihnen gelingt, das Sindon als Fälschung zu entlarven.
Beide Parteien irren. Sie meinen, der Glaube hängt von der Meinung ab, die man sich über etwas bilde. Sie verwechseln also das An-etwas-Glauben mit dem Etwas-Glauben. Beides hat mit dem Glauben, den das Credo bekennt, nichts zu tun. Für die geschichtliche Verlässlichkeit dessen, was die Evangelien berichten, ist dies dennoch eine wichtige Frage.

Warum ist das so wichtig?


BEGRABEN unterstreicht die äußerste Passivität, die zur menschlichen Existenz gehört, und weist damit auf zwei Weisen hin, wie wir mit dieser Hilflosigkeit positiv umgehen können: mit unserer eigenen durch vertrauensvolles Hinnehmen, mit der Hilflosigkeit Anderer durch hilfreichen Dienst. Die Bestattung der Toten gilt der christlichen Tradition von Anfang an als ein wichtiges Werk der Barmherzigkeit.

Und nicht nur dort. Begräbnisriten reichen bis in die Morgendämmerung der Menschheit zurück. Es weist von Anfang an auf ein Urvertrauen, eine Hoffnung und eine Liebe hin, die im Tod nicht das Letzte sehen.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Unser ganzes Leben ist mit Sterben und BEGRABEN-werden verwoben. Schon den Kindern sterben die Haustiere und der Verlust lässt Narben zurück in unserem Gemüt. Später kommen Tod von Großeltern und Eltern hinzu. Ich kann mir kaum vorstellen. Dass die Freunde Jesu sich nicht um seinen Leichnam gekümmert und ihn BEGRABEN hätten.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Die Geschichte rund um das Turiner Grabtuch und das unerklärbare fotographische Abbild darauf hat mich früher fasziniert. Sollte dies wirklich das Grabtuch Jesu Christi sein? Wäre damit seine Existenz bewiesen und zugleich Gott?
Doch selbst wenn es eindeutige Beweise dafür gäbe, das dies Jesu Grabtuch ist, was wäre damit zweifelsfrei bewiesen? Nur die Existenz der historischen Person Jesus. Die aber haben Historiker bereits ganz gut bewiesen. Über die Existenz Gottes würde das nichts aussagen. Ebenso wenig ließe sich eine Existenz Gottes widerlegen, wenn das Grabtuch als Fälschung entlarvt würde.

Glauben bleibt letztlich, trotz aller Indizien für oder gegen Gott, immer eine Entscheidung.

"GESTORBEN"

Was heißt das eigentlich?


Dieses GESTORBEN im Credo wird sehr leidenschaftlich diskutiert. Das überrascht, denn die Meinung ist weit verbreitet, dass es nur eine einzige undiskutable christliche Interpretation für den Tod Jesu gäbe: Jesus starb für unsere Sünden – als „Lösegeld“. Wie das so oft ausgedrückt wird. Ist das wirklich so?

Wie konnte es überhaupt zu der Vorstellung kommen, das Jesu Tod das Lösegeld für unsere Sünden sei? Diese Vorstellung finden wir zuerst bei Paulus: „Christus ist für unsere Sünden gestorben.“ (1 Kor 15,3). Später gab Anselm von Canterbury (1011-1109) diese Interpretation ihre klassische Form.
Die größte Herausforderung der christlichen Urgemeinde bestand darin, im Lichte der Auferstehung zu begreifen, warum Gott den Tod Jesu am Kreuz zugelassen hatte. Dafür kamen ihnen Schriftstellen beim Propheten Jesaja zu Hilfe: „…Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,4 f).
Das musste für die Jünger Jesu klingen, als wäre es ihnen aus dem Herzen gesprochen. Durch sein Leben und seine Lehre hatte Jesus sie innerlich und äußerlich geheilt. Jesaja gab diesem schändlichen Tod Sinn. Die ersten Christen waren überzeugt, dass er aufgrund prophetischer Schau von Jesus Christus gesprochen hatte.

Diese Interpretation des Kreuzestodes stellt zum Teil eine Fehlentwicklung dar, von der wir uns befreien können. Schauen wir, wie es dazu kam:

  1. Der Bericht vom Kreuzestod Jesu hatte von Anfang an mit Sündenvergebung zu tun. Er hatte seinen Jüngern durch sein Leben und seine Lehre das gläubige Vertrauen vermittelt, dass Gott ihre Sünden vergeben hatte. Deshalb kam er mit dem offiziellen priesterlichen Sündenvergebungsapparat in Konflikt und wurde hingerichtet. In seiner Auferstehung sahen seine Jünger aber seine Rechtfertigung durch Gott.
  2. Das „Für unsere Sünden“ wird im Markusevangelium als „Lösegeld“ angedeutet. Dieser Begriff stammt aus der Rechtssprache und ist mit dem Geist Jesu schwer vereinbar.
  3. Das metaphorisch zu verstehende Bild vom Lösegeld wird wörtlich genommen.
  4. Das ursprünglich dichterische Bild wird verwendet, als ob es ein theologischer Begriff wäre.
  5. Die übrigen neutestamentlichen Bilder für das Heilswerk Jesu werden vom Bild des stellvertretenden Todes völlig überschattet, und warten darauf, in ihrer Bedeutung wiederentdeckt zu werden.

Das Ergebnis dieser Entwicklung engt die Bedeutung von Jesu Tod ein. Daher fällt vielen Menschen das Verständnis vom GEKREUZIGT im Credo schwer.

Schauen wir uns die einzelnen Punkte erneut an:

  1. Jesus stellt Gott im Bild seines Vaters dar, der seinem Sohn überschwänglich vergibt. Und er sagt mit voller Gewissheit schuldgedrückten Menschen Gottes Vergebung zu. Das war gefährlich, denn Sündenvergebung war der Priesterschaft vorbehalten. Dies brachte Jesus die Anklage der Gotteslästerung ein, und darauf stand die Todesstrafe.
    Als Mystiker wusste Jesus aber, das Gott all-verzeihend ist. Er wusste auch, wie schwer es uns fällt, die verzeihende Liebe Gottes anzunehmen, weil das ja von uns verlangen würde, nun selber anderen jede Schuld zu vergeben. Damit bräche unser kunstvoll errichtetes Gebäude von Schuld und Rache zusammen.
    Alle, die das durch Jesus einsehen lernten, atmeten jetzt freier; sie lebten von nun an mitten in dieser Welt in einer anderen Wirklichkeit, eben im „Reich Gottes“. Sündenvergebung ist das Herzstück Jesu heilenden Wirkens.
    Für die Jünger Jesu war das völlig klar, denn sie waren von ihrem Schuldbewusstsein befreit. Für sie war Jesus gemäß der Schrift – nämlich gemäß Jesaja 53,5 – gestorben.
  2. Zur Zeit des Markusevangeliums heißt es für die Christen: Jesus hat das Lösegeld für ihre Freiheit bezahlt. Das macht es sehr einfach, über die Erlösung zu sprechen. Für den Unterricht und für die Katechese sind solche Vereinfachungen wichtig. Allerdings bahnt sich hier auch der Übergang vom Bericht zur Auslegung an.
    Der Bericht lautete: „Durch die Begegnung mit Jesus und durch seine Lehre wissen wir, das Gott unsere Schuld vergeben und uns ein ganz neues, freudiges Bewusstsein von Freiheit geschenkt hat. Jesus aber hat es das Leben gekostet.“
    Die Auslegung ist zunächst nur eine bildliche Redewendung, wenn wir etwa sagen, dass eine Leistung uns „viel gekostet“ hat, dass wir einen „hohen Preis“ dafür bezahlen mussten. Paulus argumentierte so: „Ihr wurdet um einen teuren Preis erkauft“ (1 Kor 7,23).

    Jesu Tod wird so als stellvertretender Tod für Sünder verstanden. Das hat sich so eingefahren, dass es für viele Christen heute schwer ist, über diesen legalistischen Denkrahmen hinauszublicken. Dieses Bild überwuchert bis heute alle anderen frühchristlichen Bilder für die Erlösung. Dabei stellt es einen Rückfall in eine legalistische Denkweise dar, der Jesus sich mit seiner Lehre vom all-vergebenden Gott entgegenstemmte.
  3. Die unglückliche Wortwahl entwickelte sich von einer Sprachmetapher in eine mythologische Allegorie. Eine solche kann aber nicht wörtlich genommen werden. Sie ist vergleichbar mit Redewendungen wie „Vater des Vaterlandes“, „eine Erfolgswelle nützen“, „einen Krieg entfesseln“ – oder eben „Sein Leben als Lösegeld geben“.
  4. Solange das mythische Weltbild vorherrschte, zerbrachen sich die größten Geister ihrer Zeit die Köpfe darüber, ob Gott oder der Teufel Anspruch hatte auf dieses Lösegeld, dass Jesus durch seinen Tod für Sünder bezahlen musste. Viele meinten, der Teufel sei der rechtmäßige Gläubiger gewesen. Erst Anselm von Canterbury (1011-1109) sah dies anders. Für ihn war Sünde eine Beleidigung Gottes, und zwar eine so große, dass nur ein Gott ebenbürtiger Mensch – nämlich Jesus Christus – sie mit seinem Tod sühnen konnte.
    Nun war zwar der Teufel aus dem Spiel, aber mit was für einem Gottesbild standen die Theologen jetzt da? Ein Gott, der als Sühne für eine Ehrenbeleidigung den Tod seines eigenen Sohnes verlangt? Der Gegensatz zum Gottesbild, das Jesus lehrte, könnte krasser nicht sein. Und doch wird Anselm bis heute von den Kanzeln gepredigt. Kein Wunder, dass unter diesen Kanzeln viel Platz auf den Kirchenbänken ist.
  5. Ein heute zeitgemäßes Verständnis des GESTORBEN im Credo verlangt von uns zweierlei: Wir müssen uns von den Missverständnissen befreien, die dem Satz „Jesus ist gestorben als Lösegeld für unsere Sünden“ anhaften. Und wir müssen uns neu besinnen auf andere urchristliche Verständnismodelle für den Tod Jesu. Drei Beispiele:

    1) Jesus ist gestorben, um Frieden zu stiften.
    Das Kreuz gilt in vielen spirituellen Traditionen als Friedenszeichen. Das Lebenswerk Jesu war es, Menschen zu helfen, untereinander, mit sich selbst und mit Gott Frieden zu finden. Er betet bis zuletzt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,24).
    Das Kreuz wird zum Pluszeichen, das schon bald nach seiner Auferstehung Menschen verschiedenartiger Herkunft in der einen Kirche verbindet.

    2) Jesus ist gestorben, um den Tod zu überwinden.
    Die frühe Kirche sah Jesus Christus am Kreuz als Sieger: „Das Leben hat den Tod überwunden! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo bleibt deine Macht? Der Tod hat Macht durch die Sünde, und die Sünde hat ihre Kraft durch das Gesetz. Aber gelobt sei Gott, der uns den Sieg schenkt durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (1 Kor 15,54-57). Der Tod Jesu ist für den Glauben untrennbar eins mit seiner Auferstehung.

    3) Jesus ist gestorben, um eine Bahn zu brechen zur wahren Freude.
    Dieses Vorstellungsmodell spricht von Jesus als Pionier und Vollender unseres Glaubens, „der um der Freude willen, die vor ihm lag, der Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete“ (Heb 12,2). „Pionier“ des Glaubens ist Jesus, weil er im Vertrauen auf Gott einen noch völlig unerforschten Weg geht. „Vollender“ ist er, weil er auf diesem Weg bis in den Tod standhaft bleibt und so zum Bahnbrecher wird. Jesus ist Wegbereiter für alle, die ihm nachfolgen. Er geht ihnen voran.

Woher wissen wir das?


GESTORBEN schließt an ein früher im Credo erwähntes GEBOREN an. Wir haben es also mit der vollen menschlichen Wirklichkeit zu tun, von der Geburt bis zum Tod. Um diese Wirklichkeit wissen wir aus Erfahrung. Gottesbegegnung findet in der geschichtlichen Wirklichkeit statt, in die unser eigenes Leben und Sterben uns hineinstellt. Nicht im Bereich philosophischer oder theologischer Spekulationen, sondern im täglichen Leben – also auch in unserer Todeserfahrung – begegnen wir der lebendigen Gegenwart Gottes. Die Augen des Glaubens sehen das ganze Leben als Geschenk Gottes – auch den Tod.

Die gläubige Haltung, die wir nur aus persönlicher Erfahrung kennen können, gibt unserem Leben Sinn und so auch unserem Tod – die beiden sind ja untrennbar eins.

Warum ist das so wichtig?


Geboren werden und Sterben gehören zum vollen Menschsein Jesu Christi. Beides gehört zu dem Wort Gottes, das aus jedem Menschenleben spricht – von Anfang bis Ende. Es gibt mir Mut, gläubig zu vertrauen, dass Gott mir im Sterben so nahe ist wie im Leben.

In diesem Mittelteil des Glaubensbekenntnisses geht es um Abstieg (in den Tod) und Aufstieg (Auferstehung). Es geht um transitus – Durchgang durch den Tod in unzerstörbares Leben.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Dazu ist anzumerken, das David Steindl-Rast, geboren 1926, in jungen Jahren in Wien kriegsbedingt in Todesnähe heranwuchs. Aus Respekt zitiere ich ihn hier, leicht gekürzt, im Original:

…Mir ist meine Jugend als eine Zeit strahlender Lebensfreude in Erinnerungen. Bombenangriffe töteten täglich Unzählige, unsere älteren Freunde fielen, wir selber konnten an keine Zukunft denken. Dann war der Krieg plötzlich zu Ende, und mir wurde bewusst, dass ein Leben vor mir lag. Das kam wie ein Schock. Das erinnerte mich an eine Mahnung aus der Regel des hl. Benedikt: „Den Tod allzeit vor Augen haben!“ und es war mir auf einmal klar: Mit diesem Bewusstsein sind wir ja aufgewachsen! Zugleich sah ich aber ein, dass wir gerade deshalb so intensiv gelebt hatten. Wir mussten immer im Augenblick leben, und das ist ja der Schlüssel zur Lebensffreude.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Es ist bedauerlich, dass das „Jesus starb für unsere Sünden“ heute von vielen Christen noch so verstanden wird. Und das es aus Machtgründen für vielfältigen spirituellen Missbrauch verwendet wird.
Die Auslegung, dass das Leben den Tod durchbrochen und Jesus den Weg zur wahren Freude durchbrochen hat, ist eine viel erfreulichere.

Ist das wirklich so? Nun, bis zur Auferstehung brauchen wir noch einige Credo-Sätze.