Was heißt das eigentlich?
Geist bedeutet Lebensatem. Im biblischen Schöpfungsmythos
atmet Gott einem Lehmfigürchen Leben ein. Der Mensch wurde zu einem lebendigen
Wesen. Im Zusammenhang mit diesem Schöpfungsmythos können wir verstehen, was es
heißt,, das Jesus durch den Heiligen Geist EMPFANGEN wurde. In ihm leuchtet der
Funke göttlichen Lebens auf, der in uns allen ist, der in ihm aber besonders
hell lodert. Mit Jesus durchbricht der Lebensatem Gottes die toten
Verkrustungen der Weltgeschichte.
EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST ist eine Aussage, die
sich auf den erwachsenen Jesus bezieht, die hier bildhaft auf seine Empfängnis
im Mutterschoß zurückprojiziert wird. Es geht darum, dass Jesus von Grund auf
mit der Liebe Gottes – dem Heiligen Geist – durchdrungen war.
Woher wissen wir das?
Was hier HEILIGER GEIST genannt wird, ist als Lebenskraft
und als Macht der Liebe eine Wirklichkeit, die jeder Mensch aus Erfahrung
kennt. Es geht um die spirituelle Energie, die unser Leben vom Innersten her
lebendig macht. Sie ist uns allen geschenkt. Nur geben wir uns nicht alle mit
der gleichen Bereitschaft diesem Lebensstrom hin. Furcht und Engherzigkeit
können seinen Lauf in uns hemmen.
Leben bleibt ein unergründliches Geheimnis. Und es gibt
verschiedene Grade der Lebendigkeit. Leben entfaltet sich uns Schritt für
Schritt. In dem Maß, wie unser Denken, Fühlen und Wollen lebendig werden und
reifen, wird uns der HEILIGE GEIST innerlich bewusst, egal, welche Bezeichnung
wir dem geben. Zugleich werden uns die inneren und äußeren Widerstände bewusst,
die unserer vollen Lebensentfaltung entgegentreten.
Auch Jesus kannte diese inneren Widerstände und verstand mit
ihnen umzugehen. An seinem Beispiel können wir sehen, welche Möglichkeit in uns
schlummert, die durch Jesus Christus verwirklicht wurde.
Warum ist das so wichtig?
Die Selbstverständlichkeit, mit der hier vom Heiligen Geist
die Rede ist – ohne diesen Begriff zu erläutern – setzt die Überzeugung voraus,
dass wir in unserem Denken, Fühlen und Wollen den Lebensatem Gottes in uns
selbst erfahren können. Das ist Mystik. Dies verankert den christlichen Glauben
in einer überzeitlichen mystischen Erfahrung.
Dieser Glaubenssatz verweist auf die Dreifaltigkeitslehre,
dem wichtigsten Kernstück der christlichen Tradition. Sie darf als im
allgemeinen menschlichen Bewusstsein angelegt verstanden werden. Das
Menschenherz ahnt von Anfang an den Vater als die geheimnisvolle Wirklichkeit,
aus der wir stammen und zu der wir zurückkehren, den Sohn, als unser wahres
Selbst, und den Heiligen Geist, als unser innerstes Lebensprinzip.
Das mythische Bild von der Zeugung Jesu DURCH DEN HEILIGEN
GEIST weist auf die göttliche Initiative hin. Ihr entspricht im nächsten Satz
des Credo die Jungfrauengeburt als die menschliche Antwort. Beide sind am erwachsenen
Jesus abgelesen und zurückprojziert, beide sind von zentraler Wichtigkeit. Als
göttliche Initiative wird das Neue verstanden, das mit Jesus Christus
geschichtliche Wirklichkeit wird: Er legt den Unberührbaren liebend die Hände
auf; er lädt jene zu Tisch, die als Abschaum der Gesellschaft gelten, er bringt
Frauen und Kindern die gleiche Ehrfurcht entgegen wie Männern.
Wer an EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST im vollen Sinne
des Wortes glaubt, der hält den Durchbruch neuen göttlichen Lebens in
Jesu Werk und Lehre nicht nur für wahr, sondern bekennt sich dazu. Er
verpflichtet sich, das, was sich da geschichtlich ereignete, selber in der
Geschichte weiterzutragen. Was sonst nur eine nicht verifizierbare genetische
Aussage über Jesus wäre, erweist sich so auch für uns selber zentral wichtig.
Es führt uns an den Schnittpunkt von mystischer Erfahrung und zielbewusstem
Einsatz.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast.
Vernetzung ist ein Begriff, der hilft, dem Wirken des
Heiligen Geistes in der Welt näher zu kommen. Er kann uns zu intellektueller
Klarheit verhelfen. Wahre Einsicht allerdings muss auf persönlicher Erfahrung
gründen. Wir sind in jedem Augenblick vernetzt, daher fällt sie uns gar nicht
mehr auf. Es sei denn, wir erleben besonders erstaunliche Vernetzungen, nämlich
Synchronizitäten. Wir erleben gewisse Ereignisse als bedeutungsvoll miteinander
vernetzt, ohne dass sie wir Ursache und Wirkung verbunden wären.
Anmerkungen von Heinz Hilten
„Geschwängert durch den Heiligen Geist“ bietet natürlich für
allerlei Witze eine gute Vorlage. Wie überhaupt der Heilige Geist eine gute
Vorlage für Witze bietet. Er nimmt dies sicher nicht übel. Dies liegt auch
daran liegt, dass die oben beschriebenen Zusammenhänge niemandem erklärt
werden. Oder erinnern Sie sich daran, davon Im Religionsunterricht gehört zu
haben?
Interessant ist, wie David Steindl-Rast hier auf den Begriff
Vernetzung eingeht. „Alles ist mit allem verbunden“, dieser Begriff vereinigt
Quantenphysiker und Esoteriker. Und der Heilige Geist ist das verbindende
Element. Auch dies ist eine universelle Erfahrung, die alle Religionen und
spirituellen Richtungen miteinander verbindet.
Vielleicht können wir uns den Heiligen Geist so vorstellen
wie die Software, die uns im Internet alle miteinander verbindet. Wobei der
Heilige Geist um ein vielfaches genialer ist.
Haben sie es schon erlebt, dass Sie an eine Person denken,
die Sie lange nicht gesehen haben und plötzlich findet – natürlich rein
zufällig - ein Kontakt statt? Ich empfehle, mal ein wenig zum Thema Synchronizität
zu forschen. Die ist ein hochspannendes Thema, das ich allerdings an dieser
Stelle nicht weiter vertiefen möchte.
Beim nächsten Satz des Credo wird es für den kritischen,
aufgeklärten Intellektuellen richtig spannend!
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