Mittwoch, 27. Januar 2016

"EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST"

Was heißt das eigentlich?


Geist bedeutet Lebensatem. Im biblischen Schöpfungsmythos atmet Gott einem Lehmfigürchen Leben ein. Der Mensch wurde zu einem lebendigen Wesen. Im Zusammenhang mit diesem Schöpfungsmythos können wir verstehen, was es heißt,, das Jesus durch den Heiligen Geist EMPFANGEN wurde. In ihm leuchtet der Funke göttlichen Lebens auf, der in uns allen ist, der in ihm aber besonders hell lodert. Mit Jesus durchbricht der Lebensatem Gottes die toten Verkrustungen der Weltgeschichte.

EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST ist eine Aussage, die sich auf den erwachsenen Jesus bezieht, die hier bildhaft auf seine Empfängnis im Mutterschoß zurückprojiziert wird. Es geht darum, dass Jesus von Grund auf mit der Liebe Gottes – dem Heiligen Geist – durchdrungen war.

Woher wissen wir das?


Was hier HEILIGER GEIST genannt wird, ist als Lebenskraft und als Macht der Liebe eine Wirklichkeit, die jeder Mensch aus Erfahrung kennt. Es geht um die spirituelle Energie, die unser Leben vom Innersten her lebendig macht. Sie ist uns allen geschenkt. Nur geben wir uns nicht alle mit der gleichen Bereitschaft diesem Lebensstrom hin. Furcht und Engherzigkeit können seinen Lauf in uns hemmen.

Leben bleibt ein unergründliches Geheimnis. Und es gibt verschiedene Grade der Lebendigkeit. Leben entfaltet sich uns Schritt für Schritt. In dem Maß, wie unser Denken, Fühlen und Wollen lebendig werden und reifen, wird uns der HEILIGE GEIST innerlich bewusst, egal, welche Bezeichnung wir dem geben. Zugleich werden uns die inneren und äußeren Widerstände bewusst, die unserer vollen Lebensentfaltung entgegentreten.

Auch Jesus kannte diese inneren Widerstände und verstand mit ihnen umzugehen. An seinem Beispiel können wir sehen, welche Möglichkeit in uns schlummert, die durch Jesus Christus verwirklicht wurde.

Warum ist das so wichtig?


Die Selbstverständlichkeit, mit der hier vom Heiligen Geist die Rede ist – ohne diesen Begriff zu erläutern – setzt die Überzeugung voraus, dass wir in unserem Denken, Fühlen und Wollen den Lebensatem Gottes in uns selbst erfahren können. Das ist Mystik. Dies verankert den christlichen Glauben in einer überzeitlichen mystischen Erfahrung.

Dieser Glaubenssatz verweist auf die Dreifaltigkeitslehre, dem wichtigsten Kernstück der christlichen Tradition. Sie darf als im allgemeinen menschlichen Bewusstsein angelegt verstanden werden. Das Menschenherz ahnt von Anfang an den Vater als die geheimnisvolle Wirklichkeit, aus der wir stammen und zu der wir zurückkehren, den Sohn, als unser wahres Selbst, und den Heiligen Geist, als unser innerstes Lebensprinzip.

Das mythische Bild von der Zeugung Jesu DURCH DEN HEILIGEN GEIST weist auf die göttliche Initiative hin. Ihr entspricht im nächsten Satz des Credo die Jungfrauengeburt als die menschliche Antwort. Beide sind am erwachsenen Jesus abgelesen und zurückprojziert, beide sind von zentraler Wichtigkeit. Als göttliche Initiative wird das Neue verstanden, das mit Jesus Christus geschichtliche Wirklichkeit wird: Er legt den Unberührbaren liebend die Hände auf; er lädt jene zu Tisch, die als Abschaum der Gesellschaft gelten, er bringt Frauen und Kindern die gleiche Ehrfurcht entgegen wie Männern.

Wer an EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST im vollen Sinne des Wortes glaubt, der hält den Durchbruch neuen göttlichen Lebens in Jesu Werk und Lehre nicht nur für wahr, sondern bekennt sich dazu. Er verpflichtet sich, das, was sich da geschichtlich ereignete, selber in der Geschichte weiterzutragen. Was sonst nur eine nicht verifizierbare genetische Aussage über Jesus wäre, erweist sich so auch für uns selber zentral wichtig. Es führt uns an den Schnittpunkt von mystischer Erfahrung und zielbewusstem Einsatz.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast.


Vernetzung ist ein Begriff, der hilft, dem Wirken des Heiligen Geistes in der Welt näher zu kommen. Er kann uns zu intellektueller Klarheit verhelfen. Wahre Einsicht allerdings muss auf persönlicher Erfahrung gründen. Wir sind in jedem Augenblick vernetzt, daher fällt sie uns gar nicht mehr auf. Es sei denn, wir erleben besonders erstaunliche Vernetzungen, nämlich Synchronizitäten. Wir erleben gewisse Ereignisse als bedeutungsvoll miteinander vernetzt, ohne dass sie wir Ursache und Wirkung verbunden wären.

Anmerkungen von Heinz Hilten


„Geschwängert durch den Heiligen Geist“ bietet natürlich für allerlei Witze eine gute Vorlage. Wie überhaupt der Heilige Geist eine gute Vorlage für Witze bietet. Er nimmt dies sicher nicht übel. Dies liegt auch daran liegt, dass die oben beschriebenen Zusammenhänge niemandem erklärt werden. Oder erinnern Sie sich daran, davon Im Religionsunterricht gehört zu haben?

Interessant ist, wie David Steindl-Rast hier auf den Begriff Vernetzung eingeht. „Alles ist mit allem verbunden“, dieser Begriff vereinigt Quantenphysiker und Esoteriker. Und der Heilige Geist ist das verbindende Element. Auch dies ist eine universelle Erfahrung, die alle Religionen und spirituellen Richtungen miteinander verbindet.

Vielleicht können wir uns den Heiligen Geist so vorstellen wie die Software, die uns im Internet alle miteinander verbindet. Wobei der Heilige Geist um ein vielfaches genialer ist.

Haben sie es schon erlebt, dass Sie an eine Person denken, die Sie lange nicht gesehen haben und plötzlich findet – natürlich rein zufällig - ein Kontakt statt? Ich empfehle, mal ein wenig zum Thema Synchronizität zu forschen. Die ist ein hochspannendes Thema, das ich allerdings an dieser Stelle nicht weiter vertiefen möchte.


Beim nächsten Satz des Credo wird es für den kritischen, aufgeklärten Intellektuellen richtig spannend!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen