Mittwoch, 27. Januar 2016

"ER SITZT ZUR RECHTEN GOTTES; DES ALLMÄCHTIGEN VATERS"

Was heißt das eigentlich?

Die Inthronisierung Jesu Christi ist ein weiteres dichterisches Bild. Seine Rechtfertigung durch die Auferstehung und seine Erhöhung durch die Himmelfahrt gipfelt hier in seiner Bevollmächtigung.
Jesus Christus besitzt höchste Autorität. Freilich immer im Sinne der einzig wirklichen Autorität, der Allmacht der Liebe. Alle, die sich vom göttlichen Licht leiten lassen, dürfen auf diese höchste Autorität vertrauen. Gerade auch jene,die sich für eine gerechte Gesellschaftsordnung einsetzen und dafür Verfolgung erleiden.

Woher wissen wir das?

Dieser Glaubenssatz enthält keine "zusätzlichen Informationen". Das Credo stellt seinen Inhalt hier mal wieder mytho-poetisch dar. Ein gewisses Maß an Sensibilität für Poesie gehört zur Allgemeinbildung und lässt uns vieles vom Besten,was das Leben zu bieten hat, würdigen und genießen. Von Gothe und Schiller bis zur Bhagavad Gita und zum letzen Liebesbrief. Jedes Kind wird mit Augen, Ohren und Herz eiens Dichters geboren und braucht ein Mindestmaß an Förderung dieser Fähigkeiten. Nur mit einem gesunden Sinn für dichterische Sprache können wir verstehen, was das Credo uns sagen will.
So ist die Allmacht Gottes eben nicht die eines autoritären Machthabers, sondern die eines liebenden Vaters. Die göttliche Liebe ist allmächtig, weil alle, die wie Jesus Christuns grauenvolles Unrecht, Leiden und selbst den Tod liebend erleiden, all diesem Widersinn Sinn geben können. Und Sinn ist das Einzige, worauf es letztlich ankommt. Die Macht der Ungerechtigkeit mag weit reichen, sie kann aber niemals die Autorität de Liebe außer Kraft setzen.

Warum ist das so wichtig?

Die Bilderreihe "Auferstehung, Himmelfahrt, Thronbesteigung und Richtergewalt" wendet sich Schritt für Schritt, von Jesus ausgehend, uns selbst zu. In ihr kristallisiert sich immer klarer heraus, was die Auferstehung Jesu Christi für uns bedeutet.
Wir verpflichten uns für Frieden, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Menschenwürde und für alles, wofür Jesus einstandm selber einzustehen und auch Gleichgültigkeit in tatkräftige Hilfsbereitschaft umzuwandeln.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Selbst für den verachtetesten, verworfensten, vergessensten Menschen gilt: Der Mensch geht unendlich über den Menschen hinaus, in jedem Menschen ist die Christuswirklichkeit, das heißt nichts anderes als Gottes Gegenwart. Jesus Christuns ist durchaus als Archetypus des Menschen zu verstehen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Die Fähigkeit, mytho-poetische oder einfach dichterische Sprache zu lesen und zu verstehen, was sie uns sagen will, ist bei vielen modernen Menschen verkümmert. Kein Wunder, in meiner Schulzeit haben wir zwar Gedichte auswendig gelernt, doch wirklich in der Tiefe zu verstehen,was sie uns sagen wollen, wurde nicht vermittelt. Ohne diese Kulturtechnik aber lässt sich das Credo - und auch die Bibel - nicht lesen.
Daher ist der erklärende Ansatz, den David Steindl-Rast hier hat, heute sehr wertvoll. Viele Christen können heute das Credo, bzw. Teile davon, nicht mehr beten. Liegt dies vielleicht auch daran, dass sie den tieferen Sinn nicht verstehen und auch nie verstanden haben?
Ganz wichtig ist hier der erneute Hinweis darauf, was die Allmacht Gottes bedeutet. Viele Menschen wenden sich von Gott ab, weil sie sich im Fall  eines tiefen Leids, das sie oder andere trifft, fragen: "Wie konnte Gott dies zulassen?"
Die Sache mit der Christuswirklichkeit in jedem Menschen ist sicher schwer zu verstehen, wenn man sich Menschen wie Hitler, Stalin, Pol Pot und viele andere Masenmörder der Weltgeschichte vor Augen hält. Doch letztlich ist sie auch in ihnen. Natürlich gehören sie dennoch nach juristischen Kriterien verurteilt.

Für den praktischen Umgang mit unangenehmen Zeitgenossen oder auch Menschen, die uns oder anderen Leid angetan haben, bedeutet dies: Wir können das Verhalten eines Menschen durchaus veurteilen und dennoch seinen Wesenskern, die Christuswirklichkeit (oder auch Buddhanatur) in ihm achten.  Wenn wir dies wirklich tun, ändert sich eventuell auch etwas im äußeren Verhalten dieses Menschen.

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