Was heißt das eigentlich?
Die Inthronisierung Jesu Christi ist
ein weiteres dichterisches Bild. Seine Rechtfertigung durch die
Auferstehung und seine Erhöhung durch die Himmelfahrt gipfelt hier in seiner
Bevollmächtigung.
Jesus Christus besitzt höchste Autorität.
Freilich immer im Sinne der einzig wirklichen Autorität, der Allmacht der
Liebe. Alle, die sich vom göttlichen Licht leiten lassen, dürfen auf diese
höchste Autorität vertrauen. Gerade auch jene,die sich für eine gerechte Gesellschaftsordnung
einsetzen und dafür Verfolgung erleiden.
Woher wissen wir das?
Dieser Glaubenssatz enthält keine
"zusätzlichen Informationen". Das Credo stellt seinen Inhalt hier mal
wieder mytho-poetisch dar. Ein gewisses Maß an Sensibilität für Poesie gehört
zur Allgemeinbildung und lässt uns vieles vom Besten,was das Leben zu bieten
hat, würdigen und genießen. Von Gothe und Schiller bis zur Bhagavad Gita und
zum letzen Liebesbrief. Jedes Kind wird mit Augen, Ohren und Herz eiens
Dichters geboren und braucht ein Mindestmaß an Förderung dieser Fähigkeiten.
Nur mit einem gesunden Sinn für dichterische Sprache können wir verstehen, was
das Credo uns sagen will.
So ist die Allmacht Gottes eben nicht die
eines autoritären Machthabers, sondern die eines liebenden Vaters. Die
göttliche Liebe ist allmächtig, weil alle, die wie Jesus Christuns grauenvolles
Unrecht, Leiden und selbst den Tod liebend erleiden, all diesem Widersinn Sinn geben
können. Und Sinn ist das Einzige, worauf es letztlich ankommt. Die Macht der
Ungerechtigkeit mag weit reichen, sie kann aber niemals die Autorität de Liebe
außer Kraft setzen.
Warum ist das so wichtig?
Die Bilderreihe "Auferstehung,
Himmelfahrt, Thronbesteigung und Richtergewalt" wendet sich Schritt für
Schritt, von Jesus ausgehend, uns selbst zu. In ihr kristallisiert sich immer
klarer heraus, was die Auferstehung Jesu Christi für uns bedeutet.
Wir verpflichten uns für Frieden,
Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Menschenwürde und für alles, wofür Jesus
einstandm selber einzustehen und auch Gleichgültigkeit in tatkräftige
Hilfsbereitschaft umzuwandeln.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Selbst für den verachtetesten,
verworfensten, vergessensten Menschen gilt: Der Mensch geht unendlich über den
Menschen hinaus, in jedem Menschen ist die Christuswirklichkeit, das heißt
nichts anderes als Gottes Gegenwart. Jesus Christuns ist durchaus als
Archetypus des Menschen zu verstehen.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Die Fähigkeit, mytho-poetische oder einfach
dichterische Sprache zu lesen und zu verstehen, was sie uns sagen will, ist bei
vielen modernen Menschen verkümmert. Kein Wunder, in meiner Schulzeit haben wir
zwar Gedichte auswendig gelernt, doch wirklich in der Tiefe zu verstehen,was
sie uns sagen wollen, wurde nicht vermittelt. Ohne diese Kulturtechnik aber
lässt sich das Credo - und auch die Bibel - nicht lesen.
Daher ist der erklärende Ansatz, den David
Steindl-Rast hier hat, heute sehr wertvoll. Viele Christen können heute das
Credo, bzw. Teile davon, nicht mehr beten. Liegt dies vielleicht auch daran,
dass sie den tieferen Sinn nicht verstehen und auch nie verstanden haben?
Ganz wichtig ist hier der erneute Hinweis
darauf, was die Allmacht Gottes bedeutet. Viele Menschen wenden sich von Gott
ab, weil sie sich im Fall eines tiefen
Leids, das sie oder andere trifft, fragen: "Wie konnte Gott dies
zulassen?"
Die Sache mit der Christuswirklichkeit in
jedem Menschen ist sicher schwer zu verstehen, wenn man sich Menschen wie
Hitler, Stalin, Pol Pot und viele andere Masenmörder der Weltgeschichte vor
Augen hält. Doch letztlich ist sie auch in ihnen. Natürlich gehören sie dennoch
nach juristischen Kriterien verurteilt.
Für den praktischen Umgang mit unangenehmen
Zeitgenossen oder auch Menschen, die uns oder anderen Leid angetan haben,
bedeutet dies: Wir können das Verhalten eines Menschen durchaus veurteilen und
dennoch seinen Wesenskern, die Christuswirklichkeit (oder auch Buddhanatur) in
ihm achten. Wenn wir dies wirklich tun,
ändert sich eventuell auch etwas im äußeren Verhalten dieses Menschen.
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