Mittwoch, 27. Januar 2016

"HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES"

Was heißt das eigentlich?


Dieser Satz betont, dass Jesus Christus wirklich tot war, nicht nur scheintot. Jesus ist einer von unzähligen in diesem weiten Reich derer, die vor und nach ihm starben. Was bedeutet es für ein rechtes Verständnis der Todes, dass Jesus Christus und ungezählte andere Opfer vor und nach ihm sterben mussten? Auf diese Frage gibt HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES eine klare Antwort: Der Tod ist nicht das Ende; Tod ist kein Kerker, Tod ist Durchgang, Transitus, Übergang.

Woher wissen wir das?


Jesus starb und wurde begraben. Bei dem Satz HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES handelt es sich einfach um die Wiederholung einer geschichtlichen Aussage, jetzt in ein mythische Bild gekleidet – in dichterische Sprache.

Warum ist das so wichtig?


Dieser Satz kann uns an Gottes Gegenwart in jedem Bereich unserer Psyche erinnern. Selbst in den höllischsten Zonen unserer Gegenwart ist Gott uns nicht fern. Nicht kann uns von der Liebe Gottes trennen.

Tod ist Durchgang, Übergang, Transitus für die Christuswirklichkeit in uns. Dies gilt auch für die vielen vorläufigen Tode, die wir im Laufe unseres Lebens durchstehen müssen. Und wenn der Repräsentant von Gottes Liebe das allgemeine Los der Sterblichen teilt, dann dürfen diese hoffen, auch an seiner Auferstehung Anteil zu haben. Beides gehört zu der Christuswirklichkeit, die unser innerstes Wesen als Mensch ist.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Unterwelten, Höllen und Totenreich sind uns näher, als wir wahrhaben möchten. Und was soll uns die Höllenfahrt Jesu Christi sagen, wenn wir nicht bereit sind, mit ihm auch dorthin zu gehen? Im Credo bekennen wir gläubig, dass Gottes liebende Gegenwart auch im Reich des Todes gefunden werden kann.

Und wie hältst du es? In welchem REICH DES TODES kannst du Botschafter werden für Gottes Liebe? Heruntergekommenen Ehrfurcht erweisen und ihnen so Würde und Selbstvertrauen zurückgeben ist einer von vielen Wegen. Welcher kurze Besuch oder Telefonanruf könnte für dich zur Höllenfahrt werden, für ein Kind Gottes aber ein Sonnenstrahl in der Finsternis.
Sobald wir eine gewisse soziale Berührungsangst überwinden und unsere Scheu vor Tod und Leiden ablegen, fließt eine Flut von Freude in unser Herz.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Der Tod ist in unserer Kultur mehr oder weniger tabuisiert. Dies ist vielleicht auch der Grund dafür, dass wir die vielen kleinen Tode, die wir oder andere im Leben erleiden, tabuisieren.
Wie schnell ist ein schwerkranker Kollege im Betrieb vergessen, oder wird ein schwerkranker Verwandter eher pro Forma besucht? Wie oft verheimlichen wir unsere kleinen und großen Niederlagen im Leben vor unserem persönlichen Umfeld? Indem wir lernen, mit unseren kleinen Toden umzugehen, bereiten wir uns auch auf den „großen“, endgültigen Tod vor.

Doch ist dieser Tod wirklich so endgültig? Beim nächsten Satz wird es richtig spannend.

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