Was heißt das eigentlich?
Dieser Satz betont, dass Jesus Christus wirklich tot war,
nicht nur scheintot. Jesus ist einer von unzähligen in diesem weiten Reich
derer, die vor und nach ihm starben. Was bedeutet es für ein rechtes
Verständnis der Todes, dass Jesus Christus und ungezählte andere Opfer vor und
nach ihm sterben mussten? Auf diese Frage gibt HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES
TODES eine klare Antwort: Der Tod ist nicht das Ende; Tod ist kein Kerker, Tod
ist Durchgang, Transitus, Übergang.
Woher wissen wir das?
Jesus starb und wurde begraben. Bei dem Satz HINABGESTIEGEN
IN DAS REICH DES TODES handelt es sich einfach um die Wiederholung einer
geschichtlichen Aussage, jetzt in ein mythische Bild gekleidet – in
dichterische Sprache.
Warum ist das so wichtig?
Dieser Satz kann uns an Gottes Gegenwart in jedem Bereich
unserer Psyche erinnern. Selbst in den höllischsten Zonen unserer Gegenwart ist
Gott uns nicht fern. Nicht kann uns von der Liebe Gottes trennen.
Tod ist Durchgang, Übergang, Transitus für die
Christuswirklichkeit in uns. Dies gilt auch für die vielen vorläufigen Tode,
die wir im Laufe unseres Lebens durchstehen müssen. Und wenn der Repräsentant
von Gottes Liebe das allgemeine Los der Sterblichen teilt, dann dürfen diese
hoffen, auch an seiner Auferstehung Anteil zu haben. Beides gehört zu der
Christuswirklichkeit, die unser innerstes Wesen als Mensch ist.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Unterwelten, Höllen und Totenreich sind uns näher, als wir wahrhaben
möchten. Und was soll uns die Höllenfahrt Jesu Christi sagen, wenn wir nicht
bereit sind, mit ihm auch dorthin zu gehen? Im Credo bekennen wir gläubig, dass
Gottes liebende Gegenwart auch im Reich des Todes gefunden werden kann.
Und wie hältst du es? In welchem REICH DES TODES kannst du
Botschafter werden für Gottes Liebe? Heruntergekommenen Ehrfurcht erweisen und
ihnen so Würde und Selbstvertrauen zurückgeben ist einer von vielen Wegen.
Welcher kurze Besuch oder Telefonanruf könnte für dich zur Höllenfahrt werden,
für ein Kind Gottes aber ein Sonnenstrahl in der Finsternis.
Sobald wir eine gewisse soziale Berührungsangst überwinden
und unsere Scheu vor Tod und Leiden ablegen, fließt eine Flut von Freude in
unser Herz.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Der Tod ist in unserer Kultur mehr oder weniger tabuisiert.
Dies ist vielleicht auch der Grund dafür, dass wir die vielen kleinen Tode, die
wir oder andere im Leben erleiden, tabuisieren.
Wie schnell ist ein schwerkranker Kollege im Betrieb vergessen,
oder wird ein schwerkranker Verwandter eher pro Forma besucht? Wie oft
verheimlichen wir unsere kleinen und großen Niederlagen im Leben vor unserem
persönlichen Umfeld? Indem wir lernen, mit unseren kleinen Toden umzugehen,
bereiten wir uns auch auf den „großen“, endgültigen Tod vor.
Doch ist dieser Tod wirklich so endgültig? Beim nächsten
Satz wird es richtig spannend.
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