Mittwoch, 27. Januar 2016

"BEGRABEN"

Was heißt das eigentlich?


Zunächst liegt hier die historische Aussage vor, der Leichnam Jesu sei von Zeugen identifizier und in ein Grab gelegt worden. Das war für Opfer von Kreuzigungen eher ungewöhnlich. Ob dies so stimmt, ist eine Frage für Historiker und keine Glaubensfrage.

Vom Standpunkt des Glaubens aus drückt sich im BEGRABEN das gläubige Vertrauen aus, dass selbst in unserer äußersten Passivität die Gegenwart Gottes uns hält und trägt.

Woher wissen wir das?


Zunächst die historische Frage – die keine Glaubensfrage ist – ob Jesus begraben wurde. Unter Wissenschaftlern ist diese Frage sehr umstritten. Die Leichen der meisten Gekreuzigten wurden wohl von Raben und Hunden gefressen.

Der Historiker Jan Wilson zieht die Befunde der Sindononolgie (der Wissenschaft vom Grabtusch) heran und sagt „ja“, Jesus wurde BEGRABEN. Das Sindon, das „Leichentuch von Turin“ ist ein so gründlich untersuchtes archäologisches Relikt, dass sich im 20. Jh. Ein neuer Zweig der Archäologie, die Sindonologie, entwickelte. Daran beteiligten auch viele Forscher der NASA mit modernsten Laborgeräten und Untersuchungsmethoden. Für die geschichtlichen Aspekte dessem, worauf BEGRABEN hinweist, sind diese Befunde sehr wichtig.

Hier nur in Kürze: Das Tuch zeigt ein Ganzkörperbildnis eines Mannes. Das Bild wirkt wie ein Negativ, erscheint daher auf dem Negativ einer fotographischen Aufnahme als Positiv. Spuren von Geißelung und Annagelung stammen mit den Passionsberichten der Evangelien überein. Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Erklärung dafür, wie dieses Bild entstanden ist. Wer mehr über dieses interessante Thema wissen will, sieh hier oder forsche selbst nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Turiner_Grabtuch

Handelt es sich tatsächlich um das Leichentuch Jesu? Da stehen sich zwei Parteien in einem unerbittlichen Stellungskrieg gegenüber. Die einem meinen, dass das, was sie im Credo über Begräbnis und Auferstehung Jesu bekennen, durch das Sindon bewiesen werden können. Die anderen meinen, den Glauben als Irrtum hinstellen zu können, wenn es ihnen gelingt, das Sindon als Fälschung zu entlarven.
Beide Parteien irren. Sie meinen, der Glaube hängt von der Meinung ab, die man sich über etwas bilde. Sie verwechseln also das An-etwas-Glauben mit dem Etwas-Glauben. Beides hat mit dem Glauben, den das Credo bekennt, nichts zu tun. Für die geschichtliche Verlässlichkeit dessen, was die Evangelien berichten, ist dies dennoch eine wichtige Frage.

Warum ist das so wichtig?


BEGRABEN unterstreicht die äußerste Passivität, die zur menschlichen Existenz gehört, und weist damit auf zwei Weisen hin, wie wir mit dieser Hilflosigkeit positiv umgehen können: mit unserer eigenen durch vertrauensvolles Hinnehmen, mit der Hilflosigkeit Anderer durch hilfreichen Dienst. Die Bestattung der Toten gilt der christlichen Tradition von Anfang an als ein wichtiges Werk der Barmherzigkeit.

Und nicht nur dort. Begräbnisriten reichen bis in die Morgendämmerung der Menschheit zurück. Es weist von Anfang an auf ein Urvertrauen, eine Hoffnung und eine Liebe hin, die im Tod nicht das Letzte sehen.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Unser ganzes Leben ist mit Sterben und BEGRABEN-werden verwoben. Schon den Kindern sterben die Haustiere und der Verlust lässt Narben zurück in unserem Gemüt. Später kommen Tod von Großeltern und Eltern hinzu. Ich kann mir kaum vorstellen. Dass die Freunde Jesu sich nicht um seinen Leichnam gekümmert und ihn BEGRABEN hätten.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Die Geschichte rund um das Turiner Grabtuch und das unerklärbare fotographische Abbild darauf hat mich früher fasziniert. Sollte dies wirklich das Grabtuch Jesu Christi sein? Wäre damit seine Existenz bewiesen und zugleich Gott?
Doch selbst wenn es eindeutige Beweise dafür gäbe, das dies Jesu Grabtuch ist, was wäre damit zweifelsfrei bewiesen? Nur die Existenz der historischen Person Jesus. Die aber haben Historiker bereits ganz gut bewiesen. Über die Existenz Gottes würde das nichts aussagen. Ebenso wenig ließe sich eine Existenz Gottes widerlegen, wenn das Grabtuch als Fälschung entlarvt würde.

Glauben bleibt letztlich, trotz aller Indizien für oder gegen Gott, immer eine Entscheidung.

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