Was heißt das eigentlich?
Zunächst liegt hier die historische Aussage vor, der
Leichnam Jesu sei von Zeugen identifizier und in ein Grab gelegt worden. Das
war für Opfer von Kreuzigungen eher ungewöhnlich. Ob dies so stimmt, ist eine
Frage für Historiker und keine Glaubensfrage.
Vom Standpunkt des Glaubens aus drückt sich im BEGRABEN das
gläubige Vertrauen aus, dass selbst in unserer äußersten Passivität die
Gegenwart Gottes uns hält und trägt.
Woher wissen wir das?
Zunächst die historische Frage – die keine Glaubensfrage ist
– ob Jesus begraben wurde. Unter Wissenschaftlern ist diese Frage sehr
umstritten. Die Leichen der meisten Gekreuzigten wurden wohl von Raben und
Hunden gefressen.
Der Historiker Jan Wilson zieht die Befunde der
Sindononolgie (der Wissenschaft vom Grabtusch) heran und sagt „ja“, Jesus wurde
BEGRABEN. Das Sindon, das „Leichentuch von Turin“ ist ein so gründlich
untersuchtes archäologisches Relikt, dass sich im 20. Jh. Ein neuer Zweig der
Archäologie, die Sindonologie, entwickelte. Daran beteiligten auch viele
Forscher der NASA mit modernsten Laborgeräten und Untersuchungsmethoden. Für
die geschichtlichen Aspekte dessem, worauf BEGRABEN hinweist, sind diese
Befunde sehr wichtig.
Hier nur in Kürze: Das Tuch zeigt ein Ganzkörperbildnis
eines Mannes. Das Bild wirkt wie ein Negativ, erscheint daher auf dem Negativ
einer fotographischen Aufnahme als Positiv. Spuren von Geißelung und Annagelung
stammen mit den Passionsberichten der Evangelien überein. Bis heute gibt es
keine wissenschaftliche Erklärung dafür, wie dieses Bild entstanden ist. Wer
mehr über dieses interessante Thema wissen will, sieh hier oder forsche selbst
nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Turiner_Grabtuch
Handelt es sich tatsächlich um das Leichentuch Jesu? Da
stehen sich zwei Parteien in einem unerbittlichen Stellungskrieg gegenüber. Die
einem meinen, dass das, was sie im Credo über Begräbnis und Auferstehung Jesu
bekennen, durch das Sindon bewiesen werden können. Die anderen meinen, den
Glauben als Irrtum hinstellen zu können, wenn es ihnen gelingt, das Sindon als
Fälschung zu entlarven.
Beide Parteien irren. Sie meinen, der Glaube hängt von der
Meinung ab, die man sich über etwas bilde. Sie verwechseln also das An-etwas-Glauben
mit dem Etwas-Glauben. Beides hat mit dem Glauben, den das Credo
bekennt, nichts zu tun. Für die geschichtliche Verlässlichkeit dessen, was die
Evangelien berichten, ist dies dennoch eine wichtige Frage.
Warum ist das so wichtig?
BEGRABEN unterstreicht die äußerste Passivität, die zur
menschlichen Existenz gehört, und weist damit auf zwei Weisen hin, wie wir mit
dieser Hilflosigkeit positiv umgehen können: mit unserer eigenen durch vertrauensvolles
Hinnehmen, mit der Hilflosigkeit Anderer durch hilfreichen Dienst. Die
Bestattung der Toten gilt der christlichen Tradition von Anfang an als ein
wichtiges Werk der Barmherzigkeit.
Und nicht nur dort. Begräbnisriten reichen bis in die Morgendämmerung
der Menschheit zurück. Es weist von Anfang an auf ein Urvertrauen, eine
Hoffnung und eine Liebe hin, die im Tod nicht das Letzte sehen.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Unser ganzes Leben ist mit Sterben und BEGRABEN-werden verwoben.
Schon den Kindern sterben die Haustiere und der Verlust lässt Narben zurück in
unserem Gemüt. Später kommen Tod von Großeltern und Eltern hinzu. Ich kann mir
kaum vorstellen. Dass die Freunde Jesu sich nicht um seinen Leichnam gekümmert
und ihn BEGRABEN hätten.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Die Geschichte rund um das Turiner Grabtuch und das
unerklärbare fotographische Abbild darauf hat mich früher fasziniert. Sollte
dies wirklich das Grabtuch Jesu Christi sein? Wäre damit seine Existenz bewiesen
und zugleich Gott?
Doch selbst wenn es eindeutige Beweise dafür gäbe, das dies
Jesu Grabtuch ist, was wäre damit zweifelsfrei bewiesen? Nur die Existenz der
historischen Person Jesus. Die aber haben Historiker bereits ganz gut bewiesen.
Über die Existenz Gottes würde das nichts aussagen. Ebenso wenig ließe sich
eine Existenz Gottes widerlegen, wenn das Grabtuch als Fälschung entlarvt
würde.
Glauben bleibt letztlich, trotz aller Indizien für oder
gegen Gott, immer eine Entscheidung.
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