Mittwoch, 27. Januar 2016

"DIE HEILIGE KATHOLISCHE KIRCHE"

Was heißt das eigentlich?

Dieser Satz leitet sich aus dem vorhergehenden ab. Was wir jetzt gläubig bekennen, ist schon im Glauben an den Heiligen Geist enthalten. Es handelt sich um eine Erläuterung des schon Gesagten. Wie will nun aber Kirche hier verstanden werden?
DeR Heilige Geist ist Leben in Fülle; und Leben ist nicht Privatsache. Wir können nur in Wechselwirkung mit Gemeinschaft überleben. Dies anzuerkennen und danach zu handeln ist ein entscheidender Schritt. Er besteht darin, jedes einzelne Mitglied unserer Mit- und Umwelt so zu behandeln, dass unsere Zugehörigkeit dadurch gewürdigt wird.
Wo immer der Heilige Geist Leben spendet und sich entfalten darf, da entsteht Gemeinschaft - und so KIRCHE: Gemeinschaft im Heiligen Geist.
"Heilig" bedeutet nicht moralische Vollkommenheit, sondern Transzendenz im Gegensatz zum nur Innerweltlichen. Die in diesem Sinne HEILIGE KIRCHE ist eine Gemeinschaft, die alle Begrenzungen durch Raum und Zeit überschreitet. "Alle die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne und Töchter Gottes" (Röm 8,14). Das heißt, alle, die sich beleben lassen von Gottes Lebensatem, der Natur und Geschichte durchströmt, stellen im weitesten Sinne KIRCHE dar - innerhalb und außerhalb kirchlicher Institutionen.
Dieser Satz im Credo bekennt nicht den Glauben, dass Heiligkeit - göttliches Leben - sich in einer geschichtlichen Institution manifestiert, die sich KIRCHE nennt. Wir müssen es anders ausdrücken: Wo immer göttliches Leben, also Heiligkeit, sich in Gemeinschaft manifestiert, da ist KIRCHE.
Der allumfassende Heilige Geist schafft die allumfassende Gemeinschaft, die allein im vollen Sinn KATHOLISCHE KIRCHE genannt zu werden verdient. KATHOLISCH ist nicht das Markenzeichen einer bestimmten Gruppe von Christen, sondern kennzeichnet die Gemeinschaft aller, die mit dem uns Menschen angeborenen Ur-Glauben dem Leben vertrauen. Auch wenn dieser Glaube manchmal einem Menschen selber nicht bewusst ist, im tiefsten Herzen bleibt er immer lebendig.
Auch wenn die römische Kirche nur sich selbst katholisch nennt - als wahrhaft katholisch darf nur jener Glaube gelten, der "allzeit und überall" gläubigen Menschen gemeinsam war, ist und sein wird, ganz gleich, welcher religiösen Tradition sie angehören. So gesehen ist der christliche Glaube eine Unterart des katholischen (d.h. der ganzen Menschheit gemeinsamen) Glaubens.
Jeder größere Gemeinschaft braucht ein institutionelles Gerüst. Bezüglich einer solchen geschichtlichen Institution kann man dieses oder jenes glauben (d.h. für wahr halten), aber an sie glauben (im vollen Sinn von "glauben") kann man nicht. An eine innerweltliche Einrichtung in diesem Sinne glauben darf man gar nicht. Glauben kann man nur an Gott.

Woher wissen wir das?

Im Heiligen Geist zu leben bedeutet, in Gemeinschaft zu leben. Eine Gemeinschaft, die vom Heiligen Geist inspiriert ist, wird, wie der Geist selbst, HEILIG sein, d.h., sie wird als Begegnung mit dem göttlichen Leben über diese Welt von Raum und Zeit hinausgehen. Sie wird auch im Vollsinn KATHOLISCH sein, also wirklich allumfassend.
Kirche wird sich als Geistgesteuert erweisen in dem Maß, in dem sie uns Freiheit erfahren lässt - sowohl im Halt, den sie uns bietet, als auch in den Wahlmöglichkeiten, die sie uns eröffnet.

Warum ist das so wichtig?

Jede Gemeinschaft, der wir angehören, prägt unser Leben. Es ist von größter Wichtigkeit zu wissen, wie die Gemeinschaft aussehen soll, der wir unsere innerste Treue schenken wollen. Wo sie ihre Aufgaben erfüllen, werden Glaubensgemeinschaft zu Fenstern, durch die wir Kirche sehen. Die christliche Kirche repräsentiert trotz all ihrer Fehler und Verbrechen zu allen Zeiten durch heiligmäßige Menschen, die zu ihr gehören, tatkräftige Liebe in der Welt. Unzufriedenheit mit der Kirche, wie sie ist, kann der heiligen Sehnsucht nach dem, was sie sein sollte, entspringen. Kritik an der geschichtlichen Form der Kirche kann also vom Heiligen Geist inspiriert sein. Die Frage ist, was wir über die Kritik hinaus tun, um mitzuhelfen, die HEILIGE KATHOLISCHE KIRCHE zu verwirklichen. In welcher Gemeinschaft auch immer.

Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast

Mein christlicher Glaube ist nicht eine Meinung. Er ist das Erdreich, in dem mein Leben Wurzeln geschlagen hat - eine Grundfeste, die weit tiefer hinabreicht als das Denken. Mein Glaube ist eingebettet in ein Gemeinschaftsleben, in das ich von Kindheit an hineinwuchs, das mit zur Familie wurde und durch das ich Kirche erlebe.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Ganz wichtig: KATHOLISCH ist nicht zu verwechseln mit der Organisation Römisch-Katholische Kirche. Sie ist als eine Untergruppe der HEILIGEN KATHOLISCHEN KIRCHE zu verstehen und steht für eine Menge Verbrechen, die sie in der Vergangenheit begangen hat und z.T. auch heute noch begeht. Doch Vorsicht: Welche von Menschen gelenkte Großorganisation könnte es schaffen, in einer über zweitausendjährigen Geschichte sauber zu bleiben? Außerdem werden ihr meist mehr Verbrechen angedichtet, als sie begangen hat.
David Steindl-Rast wurde in die katholische Kirche hineingeboren und sie wurde ihm zu einer Familie. Schließlich wurde er Benediktiner-Mönch. Nicht allen Menschen wurde die Religion oder spirituelle Tradition, in die sie hineingeboren wurden, zu einer Familie und sie haben sie aus guten Gründen verlassen. Viele Menschen werden heute in keinerlei religiöse Tradition hineingeboren.
Die Unzufriedenheit mit der Kirche oder spirituellen Gemeinschaft, der wir angehören oder vielleicht angehören möchten, wenn  sie den "besser" wäre, entspricht der Sehnsucht danach, wie sie sein sollte. Wie gehen wir damit um. Die Suche nach einer perfekten Gemeinschaft führt ins Nichts - wir werden sie nie finden. Wir sollten also überlegen,was wir innerhalb der Gemeinschaft, in der wir sind, tun können, um den Wind des Heiligen Geistes besser wehen zu lassen.

Manchmal kann es auch besser sein, eine zu einengende Gemeinschaft zu verlassen. Irgendwo finden wir immer ein paar "Gläubige", gleich welcher Richtung. Und es kann gut sein, eine Zeit lang in Glaubensfragen alleine zu sein. Schließlich haben wir heute, anders als in früheren Zeiten, einen nahezu unbegrenzten Zugang zu Informationen, auch über spirituelle Fragen.

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