Was heißt das eigentlich?
Dieser Satz leitet sich aus dem
vorhergehenden ab. Was wir jetzt gläubig bekennen, ist schon im Glauben an den
Heiligen Geist enthalten. Es handelt sich um eine Erläuterung des schon
Gesagten. Wie will nun aber Kirche hier verstanden werden?
DeR Heilige Geist ist Leben in Fülle; und
Leben ist nicht Privatsache. Wir können nur in Wechselwirkung mit Gemeinschaft
überleben. Dies anzuerkennen und danach zu handeln ist ein entscheidender
Schritt. Er besteht darin, jedes einzelne Mitglied unserer Mit- und Umwelt so
zu behandeln, dass unsere Zugehörigkeit dadurch gewürdigt wird.
Wo immer der Heilige Geist Leben spendet und
sich entfalten darf, da entsteht Gemeinschaft - und so KIRCHE: Gemeinschaft im
Heiligen Geist.
"Heilig" bedeutet nicht moralische
Vollkommenheit, sondern Transzendenz im Gegensatz zum nur Innerweltlichen. Die
in diesem Sinne HEILIGE KIRCHE ist eine Gemeinschaft, die alle Begrenzungen
durch Raum und Zeit überschreitet. "Alle die sich vom Geist Gottes leiten
lassen, sind Söhne und Töchter Gottes" (Röm 8,14). Das heißt, alle, die
sich beleben lassen von Gottes Lebensatem, der Natur und Geschichte
durchströmt, stellen im weitesten Sinne KIRCHE dar - innerhalb und außerhalb
kirchlicher Institutionen.
Dieser Satz im Credo bekennt nicht den
Glauben, dass Heiligkeit - göttliches Leben - sich in einer geschichtlichen
Institution manifestiert, die sich KIRCHE nennt. Wir müssen es anders
ausdrücken: Wo immer göttliches Leben, also Heiligkeit, sich in Gemeinschaft
manifestiert, da ist KIRCHE.
Der allumfassende Heilige Geist schafft die
allumfassende Gemeinschaft, die allein im vollen Sinn KATHOLISCHE KIRCHE
genannt zu werden verdient. KATHOLISCH ist nicht das Markenzeichen einer
bestimmten Gruppe von Christen, sondern kennzeichnet die Gemeinschaft aller,
die mit dem uns Menschen angeborenen Ur-Glauben dem Leben vertrauen. Auch wenn
dieser Glaube manchmal einem Menschen selber nicht bewusst ist, im tiefsten
Herzen bleibt er immer lebendig.
Auch wenn die römische Kirche nur sich
selbst katholisch nennt - als wahrhaft katholisch darf nur jener Glaube gelten,
der "allzeit und überall" gläubigen Menschen gemeinsam war, ist und
sein wird, ganz gleich, welcher religiösen Tradition sie angehören. So gesehen
ist der christliche Glaube eine Unterart des katholischen (d.h. der ganzen
Menschheit gemeinsamen) Glaubens.
Jeder größere Gemeinschaft braucht ein
institutionelles Gerüst. Bezüglich einer solchen geschichtlichen Institution
kann man dieses oder jenes glauben (d.h. für wahr halten), aber an sie glauben (im
vollen Sinn von "glauben") kann man nicht. An eine innerweltliche
Einrichtung in diesem Sinne glauben darf man gar nicht. Glauben kann man nur an
Gott.
Woher wissen wir das?
Im Heiligen Geist zu leben bedeutet, in
Gemeinschaft zu leben. Eine Gemeinschaft, die vom Heiligen Geist inspiriert
ist, wird, wie der Geist selbst, HEILIG sein, d.h., sie wird als Begegnung mit
dem göttlichen Leben über diese Welt von Raum und Zeit hinausgehen. Sie wird
auch im Vollsinn KATHOLISCH sein, also wirklich allumfassend.
Kirche wird sich als Geistgesteuert erweisen
in dem Maß, in dem sie uns Freiheit erfahren lässt - sowohl im Halt, den sie
uns bietet, als auch in den Wahlmöglichkeiten, die sie uns eröffnet.
Warum ist das so wichtig?
Jede Gemeinschaft, der wir angehören, prägt
unser Leben. Es ist von größter Wichtigkeit zu wissen, wie die Gemeinschaft
aussehen soll, der wir unsere innerste Treue schenken wollen. Wo sie ihre Aufgaben
erfüllen, werden Glaubensgemeinschaft zu Fenstern, durch die wir Kirche sehen.
Die christliche Kirche repräsentiert trotz all ihrer Fehler und Verbrechen zu
allen Zeiten durch heiligmäßige Menschen, die zu ihr gehören, tatkräftige Liebe
in der Welt. Unzufriedenheit mit der Kirche, wie sie ist, kann der
heiligen Sehnsucht nach dem, was sie sein sollte, entspringen. Kritik an der geschichtlichen
Form der Kirche kann also vom Heiligen Geist inspiriert sein. Die Frage ist,
was wir über die Kritik hinaus tun, um mitzuhelfen, die HEILIGE KATHOLISCHE
KIRCHE zu verwirklichen. In welcher Gemeinschaft auch immer.
Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast
Mein christlicher Glaube ist nicht eine
Meinung. Er ist das Erdreich, in dem mein Leben Wurzeln geschlagen hat - eine
Grundfeste, die weit tiefer hinabreicht als das Denken. Mein Glaube ist
eingebettet in ein Gemeinschaftsleben, in das ich von Kindheit an hineinwuchs,
das mit zur Familie wurde und durch das ich Kirche erlebe.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Ganz wichtig: KATHOLISCH ist nicht zu
verwechseln mit der Organisation Römisch-Katholische Kirche. Sie ist als eine
Untergruppe der HEILIGEN KATHOLISCHEN KIRCHE zu verstehen und steht für eine
Menge Verbrechen, die sie in der Vergangenheit begangen hat und z.T. auch heute
noch begeht. Doch Vorsicht: Welche von Menschen gelenkte Großorganisation
könnte es schaffen, in einer über zweitausendjährigen Geschichte sauber zu
bleiben? Außerdem werden ihr meist mehr Verbrechen angedichtet, als sie
begangen hat.
David Steindl-Rast wurde in die katholische
Kirche hineingeboren und sie wurde ihm zu einer Familie. Schließlich wurde er
Benediktiner-Mönch. Nicht allen Menschen wurde die Religion oder spirituelle
Tradition, in die sie hineingeboren wurden, zu einer Familie und sie haben sie
aus guten Gründen verlassen. Viele Menschen werden heute in keinerlei religiöse
Tradition hineingeboren.
Die Unzufriedenheit mit der Kirche oder
spirituellen Gemeinschaft, der wir angehören oder vielleicht angehören möchten,
wenn sie den "besser" wäre,
entspricht der Sehnsucht danach, wie sie sein sollte. Wie gehen wir damit um.
Die Suche nach einer perfekten Gemeinschaft führt ins Nichts - wir werden sie
nie finden. Wir sollten also überlegen,was wir innerhalb der Gemeinschaft, in
der wir sind, tun können, um den Wind des Heiligen Geistes besser wehen zu
lassen.
Manchmal kann es auch besser sein, eine zu
einengende Gemeinschaft zu verlassen. Irgendwo finden wir immer ein paar
"Gläubige", gleich welcher Richtung. Und es kann gut sein, eine Zeit
lang in Glaubensfragen alleine zu sein. Schließlich haben wir heute, anders als
in früheren Zeiten, einen nahezu unbegrenzten Zugang zu Informationen, auch
über spirituelle Fragen.
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