Was heißt das eigentlich?
Dieser Abschnitt des Glaubensbekenntnisses
entfaltet immer noch weiter, was an den Heiligen Geist zu glauben beinhaltet.
Leben spielt sich auf all seinen Stufen als Gegenseitigkeit ab, als
Wechselwirkung zwischen Du und Ich und Wir. Der Heilige Geist "hält alle
Dinge zusammen" (Weish 1,7).
Bisher sahen wir dieses Zusammenhalten unter
dem Blickwinkel von Gemeinschaft. Nun kommt noch ein weiterer Blickwinkel
hinzu, nämlich die kosmische Bedeutung. Doch kommen wir zuerst auf persönliche Anliegen zu sprechen,
die in vielen Menschen wach werden, wenn von AUFERSTEHUNG DER TOTEN die Rede
ist.
Auch hier ist "Verbundenheit" im
Heiligen Geist, der alles zusammenhält, bedeutsam für tieferes Verständnis.
Mein Leib ist ja nicht ein beliebiges Anhängsel an mein Bewusstsein, sondern
seine Verkörperung - im Vollsinn dieses Wortes. Er gehört zu mir, so wie die
Melodien zu einem Lied gehört. Und doch war jedes Atom dieses Körpers vor nicht
langer Zeit Teil eines anderen Lebewesens oder Dinges und in absehbarer Zeit
wird es das wieder sein. Selbst jetzt erneuern sich Millionen meiner
Körperzellen. Fast alle physischen Bestandteile sollen sich spätestens ca. alle sieben Jahre
auswechseln. Was sich nicht verändert, hat man den "Inneren Leib"
genannt oder die Seele. Sie ist meine Identität, die sich in meinem Leib
verkörpert, mein ganz eigener und einzigartiger Ausdruck der allgemeinen
Lebenskraft, die auch in mir fließt. Und ich bin mit einem unerschöpflichen
"Stromnetz" verbunden - dem Heiligen Geist, der das Universum füllt.
Formen entstehen und vergehen wie
Seifenblasen. Auf der tiefsten Ebene ist das Leben - als ein Aspekt des Seins -
unberührt vom Entstehen und Vergehen seiner Formen.
Jesus atmete den unvergänglichen Lebensatem
Gottes und solches Leben kann nichts auslöschen, auch nicht der Tod. Paulus
versichert uns, dass dies auch für unser eigentliches Leben gilt:
"Ist der Geist Gottes in euch, so
wird Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib
wieder lebendig machen; sein Geist wohnt ja in euch" (Röm 8,11).
Weil Leiblichkeit zu unserem geisterfüllten
Leben dazugehört, hat sie auch Anteil am unzerstörbaren Leben im Heiligen
Geist. Dennoch müssen wir uns das nicht so wie auf den mittelalterlichen
Bildern vorstellen, auf denen die wiederbelebten Leiber der Toten aus ihren
Gräbern kriechen. Wir müssen bei diesem
Satz des Credo die Grenzen unserer Vorstellungskraft zur Kentiss nehmen und
unser Vertrauen auf Lebensdimensionen bekennen, die über das Vorstellbare
hinausgehen.
Unser Blickwinkel weiter sich von einer
persönlichen zu einer kosmischen Perspektive. Durch unseren Körper sind wir ja
untrennbar mit allen anderen Lebewesen und darüber hinaus mit dem ganzen
Universum verbunden. Jedes Atom un uns war einmal in einer Super-Nova.
Wir können diesen Satz des Credo auch ändern
in AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES. Hiermit ist alles Vergängliche gemeint. Der
Gegenpol von Geist heißt in der Sprache der Bibel Fleisch. Fleisch bedeutet hier
Vergängliches - im Gegensatz zu Geist, was hier unvergängliches Leben bedeutet.
Wer AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES bekennt, der drückt seinen Glauben aus, dass
alles Vergängliche doch letztlich am unvergänglichen Leben des Heiligen Geistes
Anteil hat, der ja in allem vergänglichen Leben atmet.
Wir dürfen diese Polarität zwischen Geist
(spiritus) und Fleisch nicht verwechseln mit der zwischen Geist (mens) und Leib. Die
Geist-Fleisch-Polarität stellt dem unzerstörbar lebendigen Geist (spiritus als Lebenshauch
Gottes) alles Vergängliche unter dem Bild von verweslichem Fleisch gegenüber.
Dem heutigen Sprachgebrauch entsprechend
können wir unter Geist (im biblischen Sinn) alles Lebensbejahende sehen, unter Fleisch alles
Lebensverneinende. Für die Bibel kann auch Materielles Geist sein. Sie sieht
einen von heiliger Lebendigkeit durchatmeten Leib nicht als Fleisch an, weil er ja am
Geist Anteil hat, am Heiligen Geist.
Wenn der lateinische Urtext unseres Credo
von der AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES spricht , wo die neuere deutsche Übersetzung
AUFERSTEHUNG DER TOTEN sagt, dann sollten wir beachten, dass es in beiden
Fällen um mehr geht als um philosophische Spekulationen über
"Unsterblichkeit der Seele". Es geht um Leben im Heiligen Geist.
Alles, was es gibt, und sein es noch so kurzlebig und flüchtig, wird vom
Heiligen Geist - dem Creator Spiritus - hervorgebracht und von Gott mit
unvorstellbarer Zartheit und Leidenschaft geliebt.
Woher wissen wir das?
In Augenblicken glühendster Lebendigkeit
erkennen wir in uns etwas sehr Beständiges: Wir haben Anteil am Sein. In
solchen Augenblicken wird uns klar, dass unser eigenes Sein Anteil hat am
Einen, Schönen, Guten und Wahren und daher unzerstörbar ist. Dieses Heilsein
umfasst unser ganzes Wesen.
Aus dieser Perspektive können wir etwas über
die AUFERSTEHUNG DER TOTEN wissen, obwohl der Inhalt dieses Glaubenssatzes auf
den ersten Blick jenseits des Horizontes unserer jetzigen Erfahrung zu liegen
scheint. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach Innen lenken, kann uns bewusst
werden, dass unser "ich bin" - Descartes zum Trotz - doch nicht vom
"Ich denke" abhängt. In den Pausen zwischen unseren Gedanken können
wir uns - bei höchster Aufmerksamkeit - unseres Seins bewusst werden und von
dieser Warte aus unser Denken beobachten. Unsere innerste Wirklichkeit ist das
Sein selbst, der bleibende Grund all der unbeständigen Formen.
Diese innere Erfahrung unzerstörbaren Seins
ist grundsätzlich jedem Menschen zugänglich. Unser innerstes Sein ist
unverwelklich. Nur können wir uns nicht vorstellen, was das für uns bedeuten
wird, wenn unsere zeitgebundene Form sich auflöst. Wenn es um überzeitliche
Aussagen geht, dann lässt uns unsere Vorstellungskraft im Stich.
Manchmal überwältigt uns das Bewusstsein
dieser Zugehörigkeit ganz überraschend. Z.B. wenn wir sogenannte Gipfel-Erlebnisse haben. Bei solchen
Erlebnissen fühlen wir uns nicht nur außerordentlich lebendig, wir können uns
dabei auch einer Lebenskraft bewusst werden, die über Vernichtung erhaben ist.
In diesen Augenblicken werden uns Werte wie Schönheit, Gutheit oder Wahrheit
eindrücklich bewusst.
"Stirb und werde!" sagte Goethe.
Wir müssen den jetzigen Augenblick loslassen und so für das Alte sterben, um
für das Neue, das uns entgegenkommt, empfänglich zu sein. Unsere vielen kleinen
Tode bereiten uns für den letzten, großen vor. Im Vertrauen auf die innere
Dynamik der Lebendigkeit - im Glauben an den Heiligen Geist - dürfen wir sicher
sein, dass auch im letzten Augenblick unseres Lebens das Loslassen des Alten
Voraussetzung sein wird für den Empfang des unvorstellbaren Neuen.
Warum ist das so wichtig?
Die volle Würdigung unserer Leiblichkeit
setzt spirituelle Reife voraus. In der ersten Begeisterung der Entdeckung
dessen, was über alles Körperliche und Dinghafte hinausgeht, neigen wir dazu,
alles andere als grobstofflich und vergänglich zu verachten. Doch wir können
beide Bereiche zwar unterscheiden, aber nicht trennen. Sie sind von ihrem
Ursprung her eins. Sie von einander zu trennen hat schwerwiegende Folgen für
den Geist und auch für den Leib. Geist, der die Verleiblichung verschmäht, wird
impotent. Und wo Leiblichkeit als dem Geist entgegengesetzt verstanden wird,
sinkt sie zum bloß Körperlichen herab und wird nicht mehr hochgeschätzt. Das
zeigt sich besonders erschreckend an unserer Verletzung der Umwelt, die ja zu
unserer Leiblichkeit untrennbar dazugehört.
Die Asketen verschiedener Traditionen haben
oft vergessen, dass Askese Training bedeutet, nicht Selbstschädigung. Sie
misshandeln den Leib, anstatt ihn als "Tempel des Heiligen Geistes"
anzuerkennen. Sie versuchen den Geist zu stärken, indem sie den Leib schwächen,
als ob der Leib ein Feind wäre.
Wir beginnen unseren Leib zu missbrauchen,
wenn wir ihn nicht als Verleiblichung des Geistes hochhalten. Wobei unsere
leiblichen Gelüste oft nicht so leicht im Zaum zu halten sind.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Es geht hier nicht um Tod, sondern um Leben
- ewiges Leben. Es geht hier nicht um ein Ereignis "nach dem Tod",
sondern um etwas, das hier und jetzt stattfinden kann. Die AUFERSTEHUNG DES
FLEISCHES ist nicht Umkehrung des Tot seins, sondern Überhöhung des Lebendig seins.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Machen Sie jetzt mal ein kleines Experiment:
Machen Sie aus dem Substantiv das Sein das Verb sein. Nun sprechen Sie es in der ersten Person
aus: ich bin. Vielleicht bekommen Sie nun eine Ahnung, wer sie wirklich sind: Ein
unzerstörbarer Teil des Seins, der Existenz, ja ewiges Leben. Nicht ihr
Körper, auch nicht Ihre Psyche, sondern Ihr innerster Wesenskern.
Man muss sich das einmal klar machen: Unsere
sämtlichen Körperzellen erneuern sich ständig, spätestens alle sieben Jahre
sind wir komplett "runderneuert". Warum bekommen wir dann eigentlich
Falten und graue Haare? Nun, das ist wohl ein anderes Thema. Viel wichtiger ist
an dieser Stelle die Erkenntnis, dass wir einen "Inneren Leib" oder
eine Seele haben, eine unzerstörbare Identität. Ich finde, angesichts der
Vergänglichkeit aller Dinge und auch unseres eigenen Körpers ist dies eine sehr
beruhigende Nachricht.
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