Was heißt das eigentlich?
Der Glaube bleibt immer das Wagnis tiefsten Vertrauens auf
eine liebende Macht, die uns unendlich übersteigt. Das will das Wort Vater
ausdrücken. Natürlich bleibt dieser Ausdruck nur ein Bild, was viele Christen
vergessen haben. Zudem kann der ausschließliche Gebrauch des Vaterbildes für
Gott weitreichende psychologische und soziologische Verzerrungen bewirken. Da
werden zu viele männliche Züge in die Gottesvorstellung hineinprojiziert und zu
viele mütterliche Vorstellungen werden übersehen. Das unterstützt den
männlichen Chauvinismus in Kirche und Gesellschaft und kann dazu führen, dass
man die Erfahrungen mit dem eigenen Vater, die ja nicht immer gut gewesen sein
müssen, auf Gott überträgt. So ist es oft besser, sich Gott als liebende Mutter
vorzustellen.
Der Glaube an den persönlichen Gott bedeutet nicht, das Gott
im herkömmlichen Sinn Person sei. Dieses Bild sagt nur, dass die letzte
Wirklichkeit persönlich mit uns verbunden ist. Wenn ich Person bin, kann Gott
nicht weniger sein. Gott kann aber unvorstellbar mehr sein. Letztlich weist Vater
auf ein Du hin, durch das ich überhaupt erst „Ich“ sagen kann, ein Du, mit dem
ich vom Wesen her verbunden bin.
Woher wissen wir das?
In unseren lebendigsten Augenblicken, in unseren
Gipfelerlebnissen, erleben wir grenzenlose Zugehörigkeit. Diese Zugehörigkeit
ist immer gegenseitig. Was uns gehört, dem gehören auch wir irgendwie an. Diese
Gegenseitigkeit wird um so intensiver, je persönlicher die Beziehung ist. Das
betrifft auch Dinge, Pflanzen, Tiere und Mitmenschen. Dabei vertieft sich
gegenseitige Zugehörigkeit fortschreitend, wenn wir der Reihe nach sagen: „mein
Fahrrad, meine Pflanzen, mein Hund, mein Kind“ und schließlich „mein Gott“ als
Ausdruck unserer tiefsten Zugehörigkeit.
Weil ich Person bin und mein Verhältnis zur letzten
Wirklichkeit zutiefst persönlich ist, drücke ich es in persönlichen Bildern
aus, wie eben dem des Vaters. Damit schreibe ich Gott die Vollkommenheit des
Personseins zu, aber keine der Begrenzungen dieses Begriffes. Ich erfahre mich
als Person. Kann dann die letzte Wirklichkeit unpersönlich sein? Wir können
unsere Beziehung zum Quellgrund des Seins nur in Bildern ausdrücken.
Warum ist das so wichtig?
Wir können unsere Lebensfreude erheblich steigern, wenn wir
unsere persönliche Beziehung zur letzten Wirklichkeit bewusst pflegen. Wir
können lernen, dankbar zu sein und gespürte Dankbarkeit erhöht immer unsere
Lebensfreude, sie macht unser Herz warm. Dankbarkeit wird am intensivsten, wenn
sie persönlich ist.
Das, was wir als gegeben hinnehmen, lässt uns kalt.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Wenn wir im Credo Gott Schöpfer nennen, meinen wir damit:
Quelle und Ursprung von allem, was es gibt. Der Begriff Vater bedeutet eher
Gottes fürsorgliches Nahesein und unsere Zugehörigkeit zu Gott, unsere
Gottähnlichkeit. Darin kommt allerdings Gottes Mütterlichkeit nicht zum
Ausdruck. Wer persönlich keine so guten Erinnerungen mit den Begriffen Vater
und Mutter verbindet, sollte bei besser bei dem Wort Schöpfer bleiben.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Wir wissen nicht, wie die letzte Wirklichkeit, der Urgrund
des Seins beschaffen ist. Und wir benötigen Bilder, um uns davon eine
Vorstellung zu machen. Wir dürfen nur nicht vergessen, dass die Bilder nicht
die „Realität“ sind, ebenso wenig wie wir eine Speisekarte mit dem Essen selbst
verwechseln dürfen. Wir brauchen Vorstellungen für diese unvorstellbare
Realität. Zur einem vorgestellten personalen Gott kann ich leichter eine
Beziehung aufbauen und Dankbarkeit empfinden als zu einem abstrakten
„intelligentem Universum“. Und wenn ich ihn mir dabei als alten Mann mit Bart
vorstelle – so what? Zumal diese Vorstellung das archetypische Bild des Vaters
in uns anspricht.
Wer andererseits in seiner Kindheit sehr einschränkende und
missbräuchliche Erfahrungen mit dem Begriff Gott gemacht hat, ist eventuell mit
der Vorstellung eines intelligenten Universums besser bedient.
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