Mittwoch, 27. Januar 2016

"Ich glaube an Gott, DEN VATER"

Was heißt das eigentlich?


Der Glaube bleibt immer das Wagnis tiefsten Vertrauens auf eine liebende Macht, die uns unendlich übersteigt. Das will das Wort Vater ausdrücken. Natürlich bleibt dieser Ausdruck nur ein Bild, was viele Christen vergessen haben. Zudem kann der ausschließliche Gebrauch des Vaterbildes für Gott weitreichende psychologische und soziologische Verzerrungen bewirken. Da werden zu viele männliche Züge in die Gottesvorstellung hineinprojiziert und zu viele mütterliche Vorstellungen werden übersehen. Das unterstützt den männlichen Chauvinismus in Kirche und Gesellschaft und kann dazu führen, dass man die Erfahrungen mit dem eigenen Vater, die ja nicht immer gut gewesen sein müssen, auf Gott überträgt. So ist es oft besser, sich Gott als liebende Mutter vorzustellen.

Der Glaube an den persönlichen Gott bedeutet nicht, das Gott im herkömmlichen Sinn Person sei. Dieses Bild sagt nur, dass die letzte Wirklichkeit persönlich mit uns verbunden ist. Wenn ich Person bin, kann Gott nicht weniger sein. Gott kann aber unvorstellbar mehr sein. Letztlich weist Vater auf ein Du hin, durch das ich überhaupt erst „Ich“ sagen kann, ein Du, mit dem ich vom Wesen her verbunden bin.

Woher wissen wir das?


In unseren lebendigsten Augenblicken, in unseren Gipfelerlebnissen, erleben wir grenzenlose Zugehörigkeit. Diese Zugehörigkeit ist immer gegenseitig. Was uns gehört, dem gehören auch wir irgendwie an. Diese Gegenseitigkeit wird um so intensiver, je persönlicher die Beziehung ist. Das betrifft auch Dinge, Pflanzen, Tiere und Mitmenschen. Dabei vertieft sich gegenseitige Zugehörigkeit fortschreitend, wenn wir der Reihe nach sagen: „mein Fahrrad, meine Pflanzen, mein Hund, mein Kind“ und schließlich „mein Gott“ als Ausdruck unserer tiefsten Zugehörigkeit.

Weil ich Person bin und mein Verhältnis zur letzten Wirklichkeit zutiefst persönlich ist, drücke ich es in persönlichen Bildern aus, wie eben dem des Vaters. Damit schreibe ich Gott die Vollkommenheit des Personseins zu, aber keine der Begrenzungen dieses Begriffes. Ich erfahre mich als Person. Kann dann die letzte Wirklichkeit unpersönlich sein? Wir können unsere Beziehung zum Quellgrund des Seins nur in Bildern ausdrücken.

Warum ist das so wichtig?


Wir können unsere Lebensfreude erheblich steigern, wenn wir unsere persönliche Beziehung zur letzten Wirklichkeit bewusst pflegen. Wir können lernen, dankbar zu sein und gespürte Dankbarkeit erhöht immer unsere Lebensfreude, sie macht unser Herz warm. Dankbarkeit wird am intensivsten, wenn sie persönlich ist.
Das, was wir als gegeben hinnehmen, lässt uns kalt.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Wenn wir im Credo Gott Schöpfer nennen, meinen wir damit: Quelle und Ursprung von allem, was es gibt. Der Begriff Vater bedeutet eher Gottes fürsorgliches Nahesein und unsere Zugehörigkeit zu Gott, unsere Gottähnlichkeit. Darin kommt allerdings Gottes Mütterlichkeit nicht zum Ausdruck. Wer persönlich keine so guten Erinnerungen mit den Begriffen Vater und Mutter verbindet, sollte bei besser bei dem Wort Schöpfer bleiben.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Wir wissen nicht, wie die letzte Wirklichkeit, der Urgrund des Seins beschaffen ist. Und wir benötigen Bilder, um uns davon eine Vorstellung zu machen. Wir dürfen nur nicht vergessen, dass die Bilder nicht die „Realität“ sind, ebenso wenig wie wir eine Speisekarte mit dem Essen selbst verwechseln dürfen. Wir brauchen Vorstellungen für diese unvorstellbare Realität. Zur einem vorgestellten personalen Gott kann ich leichter eine Beziehung aufbauen und Dankbarkeit empfinden als zu einem abstrakten „intelligentem Universum“. Und wenn ich ihn mir dabei als alten Mann mit Bart vorstelle – so what? Zumal diese Vorstellung das archetypische Bild des Vaters in uns anspricht.
Wer andererseits in seiner Kindheit sehr einschränkende und missbräuchliche Erfahrungen mit dem Begriff Gott gemacht hat, ist eventuell mit der Vorstellung eines intelligenten Universums besser bedient.


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