Was heißt das eigentlich?
Mit diesem Glaubenssatz kommt der dritte und
letzte Teil des Credos zum Abschluss. Er hat Schritt für Schritt entfaltet, was
es bedeutet, an Gott als den Heiligen Geist zu glauben, an den Lebensspender.
"Ewig" bedeutet nicht endlose
Zeit. Unser Sprachgebrauch ist da irreführend. Richtig verstanden ist Ewigkeit
nicht nicht immerwährende Zeit, sondern gerade das Gegenteil von Zeit - das
Jetzt, das Vergangenheit und Zukunft aufhebt. Wir wissen um die unzerstörbare
Lebendigkeit, an der wir Anteil haben - hier und jetzt, nicht später einmal.
Das EWIGE LEBEN kommt nicht nach dem Tod,
sondern ist ein Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Diese Sicht leugnet
natürlich nicht, was im landläufigen Sinne
mit "Leben nach dem Tod" gemeint ist. Es berichtigt es aber an
einem entscheidenden Punkt, weil es das "nach" leugnet. Wir brauchen
auf das EWIGE LEBEN nicht bis zu unserer Todesstunde zu warten. Heute schon
können wir über die Zeit - und so über den Tod - hinausgehen, in dem Ausmaß, in
dem wir im Jetzt leben.
Wer bekennt, ICH GLAUBE AN DAS EWIGE LEBEN,
der verlegt das Schwergewicht seines Lebens auf das Jetzt, in dem die Zeit
aufgehoben ist. Von dieser Mitte her können wir "in Fülle" leben. Wir
brauchen uns nicht länger darüber Sorgen machen, dass unsere Zeit unaufhaltsam
abläuft. Die so ablaufende Zeit ist für uns schon jetzt abgeschafft. Gerade
deshalb dürfen wir jeden Augenblick als Gabe und Aufgabe voll ausschöpfen.
Woher wissen wir das?
In unseren besten Momenten, wenn wir bis in
die tiefsten Schichten unseres Seins wach und lebendig sind, können wir eine
Art Zeitlosigkeit erfahren. Minuten oder Stunden können uns wie ein einziger
Augenblick erscheinen. Das liefert uns den Erfahrungsinhalt für den Begriff
Ewigkeit. Das Jetzt, das nicht vergeht, weil es jenseits aller Zeit steht.
Danach sehnt sich das menschliche Herz. Was wir als Ewigkeit erahnen ist jene
von Zeit befreite Lebendigkeit, nach der sich alles in uns sehnt - EWIGES LEBEN
also. Weil die uns hier und da flüchtig geschenkte Erfahrung davon weit über
unsere jetzige Begrenztheit hinausgeht, schreiben wir sie dem göttlichen Leben
zu, dem Heiligen Geist.
Je besser wir lernen im Jetzt zu leben, umso
lebendiger werden wir.
Warum ist das so wichtig?
Was immer uns im Leben wichtig ist, es ist
uns deshalb wichtig, weil es unser Lebensgefühl erhöht. Hier im letzten
Glaubenssatz liegt die Betonung auf jenem göttlichen Leben, zu dem wir uns in
jedem Satz des Credo gläubig bekennen. Hier klingt alles noch einmal an: Unser
Vertrauen auf Gott als Vater, als Quelle und Ursprung allen Lebens;
unser Vertrauen auf Gott als Sohn, als Menschenkind, in dem dieses Leben
stärker ist als der Tod; unser Vertrauen auf Gott als den Heiligen Geist, die ewig junge
Lebenskraft Gottes in uns.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Die Wirklichkeit, die im Credo EWIGES LEBEN
heißt ist unserer Erfahrung zugänglich. Sie kann uns hier und jetzt einsichtig
werden, nicht erst "im Jenseits". Wenn es uns gelingt, völlig hier zu
sein, völlig im Jetzt, dann sind wir schon jenseits des Todes. Denn "alles
ist immer Jetzt", wie es T.S. Eliot (1888-1965) sagte. Jederzeit im Jetzt
zu leben ist für diese Menschen die große Aufgabe. Wenn aber alles immer jetzt
ist, dann bedeutet das Im-Jetzt-leben EWIGES LEBEN.
Im Jetzt leben bedeutet, sich auf ein
Liebesspiel einzulassen mit der göttlichen Wirklichkeit, die uns mit jedem
Atemzug neu begegnet. Dieses letzte Wort im Credo hält uns das EWIGE LEBEN als
größtes Versprechen vor Augen UND ZUGLEICH als höchste Herausforderung für
unser Leben hier und jetzt.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Eigentlich weisen uns alle religiösen oder
spirituellen Lehrer oder Gurus auf die Wichtigkeit hin, im Hier und Jetzt zu
leben. Manchmal sehr umständlich. Doch wie geht das überhaupt? Wie macht man
das? Soll man nicht mehr planen, nicht mehr für die Zukunft sorgen? Einige
missverstehen das auf diese Weise.
Jemand, der es sehr klar und deutlich auf
den Punkt bringt, ist Eckhart Tolle. In seinem Buch "Jetzt! Die Kraft der
Gegenwart" beschreibt er etwas, wozu andere Autoren zehn Bücher benötigen.
Eine Zusammenfassung dieses Buches findet sich hier:
https://glueckundfreude.wordpress.com/2012/03/19/eckhart-tolle-jetzt-die-kraft-der-gegenwart-zusammenfasung/
https://glueckundfreude.wordpress.com/2012/03/19/eckhart-tolle-jetzt-die-kraft-der-gegenwart-zusammenfasung/
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