Mittwoch, 27. Januar 2016

"DAS EWIGE LEBEN"

Was heißt das eigentlich?

Mit diesem Glaubenssatz kommt der dritte und letzte Teil des Credos zum Abschluss. Er hat Schritt für Schritt entfaltet, was es bedeutet, an Gott als den Heiligen Geist zu glauben, an den Lebensspender.
"Ewig" bedeutet nicht endlose Zeit. Unser Sprachgebrauch ist da irreführend. Richtig verstanden ist Ewigkeit nicht nicht immerwährende Zeit, sondern gerade das Gegenteil von Zeit - das Jetzt, das Vergangenheit und Zukunft aufhebt. Wir wissen um die unzerstörbare Lebendigkeit, an der wir Anteil haben - hier und jetzt, nicht später einmal.
Das EWIGE LEBEN kommt nicht nach dem Tod, sondern ist ein Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Diese Sicht leugnet natürlich nicht, was im landläufigen Sinne  mit "Leben nach dem Tod" gemeint ist. Es berichtigt es aber an einem entscheidenden Punkt, weil es das "nach" leugnet. Wir brauchen auf das EWIGE LEBEN nicht bis zu unserer Todesstunde zu warten. Heute schon können wir über die Zeit - und so über den Tod - hinausgehen, in dem Ausmaß, in dem wir im Jetzt leben.
Wer bekennt, ICH GLAUBE AN DAS EWIGE LEBEN, der verlegt das Schwergewicht seines Lebens auf das Jetzt, in dem die Zeit aufgehoben ist. Von dieser Mitte her können wir "in Fülle" leben. Wir brauchen uns nicht länger darüber Sorgen machen, dass unsere Zeit unaufhaltsam abläuft. Die so ablaufende Zeit ist für uns schon jetzt abgeschafft. Gerade deshalb dürfen wir jeden Augenblick als Gabe und Aufgabe voll ausschöpfen.

Woher wissen wir das?

In unseren besten Momenten, wenn wir bis in die tiefsten Schichten unseres Seins wach und lebendig sind, können wir eine Art Zeitlosigkeit erfahren. Minuten oder Stunden können uns wie ein einziger Augenblick erscheinen. Das liefert uns den Erfahrungsinhalt für den Begriff Ewigkeit. Das Jetzt, das nicht vergeht, weil es jenseits aller Zeit steht. Danach sehnt sich das menschliche Herz. Was wir als Ewigkeit erahnen ist jene von Zeit befreite Lebendigkeit, nach der sich alles in uns sehnt - EWIGES LEBEN also. Weil die uns hier und da flüchtig geschenkte Erfahrung davon weit über unsere jetzige Begrenztheit hinausgeht, schreiben wir sie dem göttlichen Leben zu, dem Heiligen Geist.
Je besser wir lernen im Jetzt zu leben, umso lebendiger werden wir.

Warum ist das so wichtig?

Was immer uns im Leben wichtig ist, es ist uns deshalb wichtig, weil es unser Lebensgefühl erhöht. Hier im letzten Glaubenssatz liegt die Betonung auf jenem göttlichen Leben, zu dem wir uns in jedem Satz des Credo gläubig bekennen. Hier klingt alles noch einmal an: Unser Vertrauen auf Gott als Vater, als Quelle und Ursprung allen Lebens; unser Vertrauen auf Gott als Sohn, als Menschenkind, in dem dieses Leben stärker ist als der Tod; unser Vertrauen auf Gott als den Heiligen Geist, die ewig junge Lebenskraft Gottes in uns.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Die Wirklichkeit, die im Credo EWIGES LEBEN heißt ist unserer Erfahrung zugänglich. Sie kann uns hier und jetzt einsichtig werden, nicht erst "im Jenseits". Wenn es uns gelingt, völlig hier zu sein, völlig im Jetzt, dann sind wir schon jenseits des Todes. Denn "alles ist immer Jetzt", wie es T.S. Eliot (1888-1965) sagte. Jederzeit im Jetzt zu leben ist für diese Menschen die große Aufgabe. Wenn aber alles immer jetzt ist, dann bedeutet das Im-Jetzt-leben EWIGES LEBEN.
Im Jetzt leben bedeutet, sich auf ein Liebesspiel einzulassen mit der göttlichen Wirklichkeit, die uns mit jedem Atemzug neu begegnet. Dieses letzte Wort im Credo hält uns das EWIGE LEBEN als größtes Versprechen vor Augen UND ZUGLEICH als höchste Herausforderung für unser Leben hier und jetzt.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Eigentlich weisen uns alle religiösen oder spirituellen Lehrer oder Gurus auf die Wichtigkeit hin, im Hier und Jetzt zu leben. Manchmal sehr umständlich. Doch wie geht das überhaupt? Wie macht man das? Soll man nicht mehr planen, nicht mehr für die Zukunft sorgen? Einige missverstehen das auf diese Weise.
Jemand, der es sehr klar und deutlich auf den Punkt bringt, ist Eckhart Tolle. In seinem Buch "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart" beschreibt er etwas, wozu andere Autoren zehn Bücher benötigen. Eine Zusammenfassung dieses Buches findet sich hier:
https://glueckundfreude.wordpress.com/2012/03/19/eckhart-tolle-jetzt-die-kraft-der-gegenwart-zusammenfasung/


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