Mittwoch, 27. Januar 2016

"ICH GLAUBE AN DEN HEILIGEN GEIST"

Was heißt das eigentlich?

Die Wiederholung des feierlichen ICH GLAUBE zeigt an, dass hier der dritte Abschnitt des Glaubensbekenntnisses beginnt. Es weist keineswegs auf etwas Drittes hin, an das wir glauben. Der Glaube, den wir im Credo beginnen ist immer ein Sich-verlassen auf ein einziges Ziel hin: auf Gott.
Wir können aber unsere Beziehung zu dem einen Gott auf drei ganz verschiedene Weisen erleben: (1) Wir können uns bewusst werden, dass wir in unserem ganzen Wesen auf einen nie erreichbaren Horizont hin offen sind, nämlich auf Gott. (2) Wir entdecken ohne Ende mehr und mehr von dem Geheimnis, das wir selber sind, das ist letztlich die Christuswirklichkeit in uns. (3) Und wir erleben in uns, dass unser begrenztes Leben an einer unbegrenzten Lebendigkeit Anteil hat, die reines Geschenk ist. Im Hinblick auf diese dritte Beziehung zur göttlichen Wirklichkeit sprechen wir von Gott als dem HEILIGEN GEIST.
Der Heilige Geist ist der göttliche Lebensatem in uns. Geist und Fleisch stehen einander im biblischen Sprachgebrauch als Pole gegenüber. Fleisch ist unvermeidlich dem Tod verfallen, wenn es nicht mehr vom Lebensatem lebendig erhalten wird. Geist ist dieser Lebensatem.  An den HEILIGEN GEIST zu glauben heißt, auf unsere innerste Verbundenheit mit dem lebendigen Gott zu vertrauen und entsprechend zu leben.

Woher wissen wir das?

Leben ist nicht etwas, das wir "tun". Es ist vielmehr ein Vorgang, an dem wir teilnehmen durch alles, was wir tun und erleiden - ein Vorgang, der sich in uns abspielt, der aber weit über uns hinausgeht. Es ist etwas, das wir nicht durch Anlysieren verstehen können, sondern nur im Durchleben.  
Wir können uns verschiedener Intensitätsgrade unserer Lebendigkeit bewusst werden. Deine Lieblingsspeise wird deine Lebendigkeit um einige Grade erhöhen, gute Musik ebenfalls. Ebenso kann deine Lebendigkeit durch Krankheit oder Altersbeschwerden hinuntergedrückt werden. Oder du fühlst dich emotional niedergeschlagen und deine Denkschärfe ist geschwächt. Und dennoch kannst du gerade in einer solchen Lage einer unerwarteten Lebensintensität gewahr werden; trotz erschlaffter Vitalität brennt tief in dir die Lebensflamme stetig, still und stark.
Solange wir uns gesund und kräftig fühlen, achten wir meist kaum auf dieses innere Lebensfeuer. Wenn in ihm unsere Sehnsucht nach der letzten Wirklichkeit glüht, wenn es uns wärmt und wach hält und uns Kraft gibt unserer Umwelt in Liebe als Mitwelt zu begegnen, dann nennt die christliche Tradition diese Lebendigkeit den HEILIGEN GEIST. Jeder Mensch kann diese uns unendlich übersteigende und zugleich einbeziehende Lebenskraft in sich erfahren, gleich welchen Namen wir ihr geben.

Warum ist das so wichtig?

Es geht in diesem Glaubenssatz nicht um ein Fürwahrhalten, dass es eine "göttliche Person" gibt, die Heiliger Geist heißt. Es geht vielmehr um ein gläubiges Sich-Verlassen auf das Leben in uns, das letztlich Anteilnahme an der göttlichen Lebendigkeit ist. So dem Leben zu vertrauen heißt: fest damit rechnen, dass jeder Tag und genau das bringen wird, was wir brauchen - wenn es auch nicht das ist, was wir uns wünschen. Daher werden wir unsere Energie nicht an ineren Widerstand verschwenden oder an Wunschträume. So haben wir mehr Energie verfügbar, um mit der gegebenen Lage richtig umzugehen. Wir verlassen uns eben darauf, dass die Lebensquelle uns schon gibt, was für uns gut ist, ob wir es immer gleich erkennen oder nicht.
Was wäre für ein erfülltes Leben wichtiger als solche gläubiges Vertrauen. Je bewusster wir leben, umso klarer erkenne wir, welches Geschenk es ist, überhaupt lebendig zu sein. Diese Einsicht löst mit jedem Atemzug tiefe Dankbarkeit aus und öffnet dadurch unser Herz für immer größere Lebensfreude.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Phänomene wie Zungenreden (ekstatisches Beten in meist unverständlichen Lauten); Heilung durch Handauflegung komen immer wieder vor - nicht nur in charismatischen Kirchengemeinden, auch wenn sie von offizieller Seite mit etwas Skepsis betrachtet werden. Der HEILIGE GEIST ergreift und verändert uns durch tiefe Erfahrungen, und derselbe HEILIGE GEIST verändert auch unsere äußere Welt. Die Forschungsarbeit von Wissenschaftlern, die Schöpferkraft von Technikern, Künstlern Musikern, Dichtern und Schriftstellern, und der Einfallsreichtum von Frauen und Männern, die sich auf unzähligen Gebieten im Dienst an der Menschheit um eine bessere Welt bemühen, sie alle sind von einem und demselben HEILIGEN GEIST inspiriert.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Der HEILIGE GEIST bietet eine gute Vorlage für allerlei Witze. Er wird es nicht übel nehmen.
Im Himmel wird der diesjährige Betriebsausflug geplant. Man weiß aber nicht so recht, wohin man fahren soll. Erste Idee: Betlehem. Maria ist aber dagegen. Mit Betlehem hat sie schlechte Erfahrungen gemacht: Kein Hotelzimmer und so. Nein, kommt nicht in Frage. Nächster Vorschlag: Jerusalem. Das lehnt Jesus aber ab. Ganz schlechte Erfahrungen mit Jerusalem!! Nächster Vorschlag: Rom. Die allgemeine Zustimmung hält sich in Grenzen, nur der Heilige Geist ist begeistert: "Oh toll, Rom! Da war ich noch nie!!!!"
Im Netz finden sich viele davon.
Der HEILIGE GEIST ist kein Privileg des Christentums. Andere spirituelle Traditionen haben ähnliche Vorstellungen. Man muss noch nicht einmal einer Religion oder spirituellen Richtung angehören, um die alles durchströmende Lebenskraft zu erfahren. In unseren besten Momenten, wenn wir Gipfelerlebnisse haben oder völlig im "Flow sind", wie es der amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb, spüren wir etwas uns durchströmen, das größer ist als wir.
Wer jede Form von Religion oder Spiritualität ablehnt, hat meist auch keine Vorstellung von dem, was wir als Lebenskraft oder Heiliger Geist bezeichnen. Der Nachteil: So jemand muss alles selbst machen, er kann nicht aus einer Quelle schöpfen, die größer ist, als er. Obwohl die natürlich auch für ihn da ist, nur weiß er dies nicht. 

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