Mittwoch, 27. Januar 2016

"AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN"

Was heißt das eigentlich?


Die Grundaussage ist: Obwohl er wirklich tot war – drei Tage lang -, lebt er. Er war verurteilt hingerichtet und vernichtet. Aber trotzdem gab Gott ihm Recht und schenkte ihm Leben, Kraft und Autorität. Dieser Glaubenssatz verkündet Jesus Christus als lebendige Wirklichkeit, von Gott gerechtfertigt und ermächtigt.

Sein leeres Grab, sein Auferstehungsleib und seine Erscheinungen vor den Jüngern, das sind für viele Menschen Hilfen zum Verständnis, für viele sind es aber auch Hindernisse im Verstehen der wesentlichen Aussage.
Das Glaubensbekenntnis beschränkt sich auf das Wesentliche. Der Totgewesene lebt und herrscht. Und das gilt auch für den Christus in uns.

Jesus Christus lebt wieder, aber doch ganz anders als vorher. AUFERSTANDEN heiß nicht wiederbelebt. Die Berichte von den Erscheinungen Jesu versuchen sein neues Leben irgendwie darzutun. Er bleibt seinen Jüngern erkennbar, er trägt noch die Male seiner Wunden. Aber es ist doch alles anders. Sein Leben ist jetzt „verborgen in Gott“ (Kol 3,3) – und unser eigentliches Leben mit dem Seinen.

AM DRITTEN TAGE ist eine biblische Redewendung und will soviel sagen wie „nach kurzer Zeit“. So ist. z.B. in vielen Kulturen das Gastrecht auf drei Tage beschränkt.

Der Ausdruck VON DEN TOTEN weist zurück auf das Hinabsteigen zu den TOTEN im vorigen Glaubenssatz. Es handelt sich um alle Toten. Die Auferstehung ist also nicht Privatangelegenheit Jesu. Mit AUFERSTANDEN wird im Credo ein Triumph über den Tod schlechthin kundgegeben. Dieses Ereignis hat für das los aller Toten Folgen.

Woher wissen wir das?


Es gibt keine äußeren Beweise für die Auferstehung. Für ein Ereignis, dass sich am Grat zwischen Zeit und Ewigkeit abspielt, kann es nur innere Beweise geben: Zu wissen, wofür Jesus lebte und sein Leben hingab, bedeutet, Gottes Weisheit und Macht darin zu erkennen. Es ist die Autorität der Liebe, um die es hier geht, und wir wissen im Innersten, dass dies die letztgültige Autorität ist. Früher oder später - AM DRITTEN TAG - muss es sich erweisen. Liebe ist stärker als der Tod. Wir wissen das in unserem Herzen, schon bevor das Zeugnis der Jünger von der Auferstehung es uns von außen her bestätigt.
Wie weit die Auferstehungstexte der Evangelien geschichtliche Berichte sein mögen, wie weit Bildersprache für etwas völlig Unbegreifliches, ist diskutabel. Eines wissen wir jedenfalls: Die Jünger erlebten das, was sie Auferstehung nannten, als ein Ereignis, das ihr Leben von Grundauf veränderte. Durch den Tod Jesu zerschmettert und mutlos gemacht, setzen sie sich kurze Zeit später unbeirrt für die Ideale Jesu ein. Ein psychologisch nur schwer erklärbarer Umschwung, es muss also etwas Bedeutendes passiert sein.
Das innere Auferstehungserlebnis der Jünger Jesu ist durch das Lauffeuer ihrer Begeisterung bezeugt und wir wissen davon aus der Geschichte. Was aber war der äußere Anlass, der zum zündenden Funken für diese Begeisterung wurde? Die Antwort kann nur von Historikern gegeben werden, deren Meinungen allerdings weit auseinandergehen. Für die am einen Ende des Spektrums stehenden enthalten die neutestamentlichen Auferstehungsberichte ein gewissen Maß an historisch ernstzunehmenden Daten; für die Gegenpartei sind biblische Texte von vorne herein diskreditiert. Damit präjudizieren sie allerdings, welche Daten in Erwägung gezogen werden.
Es sollten alle relevanten Belege herangezogen werden. Dazu zählt das bereits erwähnte Sindon, das ja auch in den Berichten vom leeren Grab eine wichtige Rolle spielt. Und es kommt das Sudarium (Schweißtuch) von Oviedo hinzu, benannt nach dem spanischen Ort, wo es seit dem frühen Mittelalter aufbewahrt wird. Es stimmt in wichtigen Punkten mit dem Sindon überein. Zwingende Beweise werden sich dafür kaum erbringen lassen.
Wenn wir die gesicherten wissenschaftlichen Befunde mit den Berichten in den Evangelien vergleichen, ergeben sich naheliegende Hinweise darauf, welche äußeren Ereignisse den Auferstehungsglauben der Jünger ausgelöst - nicht bewirkt! - haben könnten. "Nicht bewirkt" deshalb, weil auch das Sehen bestenfalls ein Etwas-glauben bewirken kann, es hier aber um den inneren Mut zum An-Gott Glauben geht. Beim Sehen geht es um äußere Evidenz, beim Glauben um inneres Vertrauen.
Ein weiteres Gebiet verdient die Aufmerksamkeit des Wissenschaft: die sogenannten Regenbogen-Körper. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das in Tibet seit Jahrhunderten beschrieben wurde, auch heute noch vorkommt und gut bezeugt ist. In einem typischen Fall bittet ein Lehrer vor seinem Tod, seine Leiche für einige Zeit ungestört zu lassen. In diesem Zeitraum - etwa ein bis zwei Wochen - schrumpft dann der von einem Tuch bedeckte Leichnam nach und nach zusammen, oder er verschwindet auch ganz, wobei manchmal Haare undNägel zurückbleiben. Häufig erscheint der Vertorbene noch eine Zeitlang seine Jüngern, nicht aber der Öffentlichkeit. Lichterscheinungen wie Regenbogen spielen dabei eine Rolle, daher der Name. Es handelt sich hier offensichtlich um Phänomene, die an die Auferstehungsbericht erinnern und wissenschaftlich überprüft werden müssten.  Immerhin leben wir heute in einer Zeit, in dem wir erheblich mehr Material und Forschungsmethoden zur Verfügung haben als frühere Generationen.
Doch so interessant dies auch alles sein mag - und darüber hinaus intellektuell zwingend - sich damit zu befassen - von letzter Bedeutung für den Glauben ist es nicht. Diese Fragen führen durchaus zu einem besseren geschichtlichen Verständnis der Auferstehungsberichte. Um sie von den Fragen zu unterscheiden, die relevant sind  für das Bekenntnis AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN, empfiehlt sich folgendes Gedankenexperiment:
Stellen wir uns einmal vor, dass ein Wissen um die äußeren Umstände, die den Glauben der Jünger an die Auferstehung und ihre darauf gründende Begeisterung auslösten, uns grundsätzlich versagt wäre. Würde uns das die Möglichkeit nehmen zu leben, wie Jesus lebte, ermächtigt von demselben Geist, der ihm Macht gab? Wenn wir so lebten - aus unserem Christus-Selbst heraus, dann könnte unser eigenes Lebenszeugnis ja als eine Art Beweis für sein Leben gelten - hier und jetzt - seinem Tod zum Trotz.

Warum ist das so wichtig?


Im Credo geht es um den Glauen an Gott. Dahinter steht die Frage: Auf was für einen Gott verlässt sich hier der Glaube?
Wenn Gott Jesus gerechtfertigt hat, dann auch seine Forderungen. Was bedeutet das für uns? In der Weltordnung, die heute an der Macht ist, findet sich kein Platz für gerechte Verteilung materieller und kultureller Güter, für Gewaltfreiheit, für Ehrfurcht vor der Würde jedes einzelnen Menschen. Für diese Worte aber setzte Jesus sein Leben aufs Spiel.

Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast

Was sind die Konsequenzen der Auferstehung Jesu Christi in meinem eigenen Leben? Wie - wenn überhaupt - beeinflusst seine Auferstehung mein Gottesverständnis, meine Beziehung zu Gott? Gehe ich im Leben lieber den bequemeren Weg, oder wähle ich Gottes - Jesu - Weg, um mir, meinem wahren Selbst, der Christuswirklichkeit in mir, treu zu bleiben? Nur im Hinblick auf die Auferstehung kann ich das wagen, nur im Vertrauen darauf , dass ein letztes, endgüötiges "Ja!" auch den Tod überwindet.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Neben der Jungfrauengeburt ist die Auferstehung einer der Stolpersteine des christlichen Glaubens. "So etwas kann nicht sein!" sagen viele aufgeklärte und moderne Menschen heute. Allerdings kann dies auch ein sehr einfacher Weg sein, sich die Gottesfrage vom Hals zu halten.
David Steindl-Rast hat duchaus Recht damit, wenn er sagt, das die historische Wahrheit über die Auferstehung letztlich keine wirkliche Relevanz für den Glauben an Gott hat. Wir könnten auch so aus unserem Christus-Selbst nach Jesu Vorbild leben. Können wir - doch wie unterscheidet sich das dann von einem rein humanistischen Ansatz ohne Glauben an und Vertrauen auf eine wie auch immer geartete göttliche Wirklichkeit?
Auch unser Verstand möchte "glauben" und benötigt dafür Futter. Für die Existenz einer göttlichen Wirklichkeit gibt es keine klaren Beweise. Doch es gibt eine Reihe von Indizien, die darauf hinweisen. Und Wissen über etwas setzt sich ja immer aus vielen Details zusammen. Hat man genügend Indizien gesammelt, bleibt es letztlich eine Frage der Entscheidung, ob man an eine göttliche Wirklichkeit oder wie auch immer man das für sich persönlich nenne will, glaubt und sein Vertrauen darauf setzt. Wenn man dies tut, erlebt man möglicherweise "innere Beweise" für eine göttliche Existenz.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen