Was heißt das eigentlich?
Die Grundaussage ist: Obwohl er wirklich tot war – drei Tage
lang -, lebt er. Er war verurteilt hingerichtet und vernichtet. Aber trotzdem
gab Gott ihm Recht und schenkte ihm Leben, Kraft und Autorität. Dieser
Glaubenssatz verkündet Jesus Christus als lebendige Wirklichkeit, von Gott
gerechtfertigt und ermächtigt.
Sein leeres Grab, sein Auferstehungsleib und seine
Erscheinungen vor den Jüngern, das sind für viele Menschen Hilfen zum
Verständnis, für viele sind es aber auch Hindernisse im Verstehen der
wesentlichen Aussage.
Das Glaubensbekenntnis beschränkt sich auf das Wesentliche.
Der Totgewesene lebt und herrscht. Und das gilt auch für den Christus in uns.
Jesus Christus lebt wieder, aber doch ganz anders als
vorher. AUFERSTANDEN heiß nicht wiederbelebt. Die Berichte von den
Erscheinungen Jesu versuchen sein neues Leben irgendwie darzutun. Er bleibt
seinen Jüngern erkennbar, er trägt noch die Male seiner Wunden. Aber es ist
doch alles anders. Sein Leben ist jetzt „verborgen in Gott“ (Kol 3,3) – und
unser eigentliches Leben mit dem Seinen.
AM DRITTEN TAGE ist eine biblische Redewendung und will
soviel sagen wie „nach kurzer Zeit“. So ist. z.B. in vielen Kulturen das
Gastrecht auf drei Tage beschränkt.
Der Ausdruck VON DEN TOTEN weist zurück auf das Hinabsteigen
zu den TOTEN im vorigen Glaubenssatz. Es handelt sich um alle
Toten. Die Auferstehung ist also nicht Privatangelegenheit Jesu. Mit
AUFERSTANDEN wird im Credo ein Triumph über den Tod schlechthin kundgegeben.
Dieses Ereignis hat für das los aller Toten Folgen.
Woher wissen wir das?
Es gibt keine äußeren Beweise für die
Auferstehung. Für ein Ereignis, dass sich am Grat zwischen Zeit und Ewigkeit
abspielt, kann es nur innere Beweise geben: Zu wissen, wofür Jesus lebte und
sein Leben hingab, bedeutet, Gottes Weisheit und Macht darin zu erkennen. Es ist
die Autorität der Liebe, um die es hier geht, und wir wissen im Innersten, dass
dies die letztgültige Autorität ist. Früher oder später - AM DRITTEN TAG - muss
es sich erweisen. Liebe ist stärker als der Tod. Wir wissen das in unserem
Herzen, schon bevor das Zeugnis der Jünger von der Auferstehung es uns von
außen her bestätigt.
Wie weit die Auferstehungstexte der
Evangelien geschichtliche Berichte sein mögen, wie weit Bildersprache für etwas
völlig Unbegreifliches, ist diskutabel. Eines wissen wir jedenfalls: Die Jünger
erlebten das, was sie Auferstehung nannten, als ein Ereignis, das ihr Leben von
Grundauf veränderte. Durch den Tod Jesu zerschmettert und mutlos gemacht,
setzen sie sich kurze Zeit später unbeirrt für die Ideale Jesu ein. Ein
psychologisch nur schwer erklärbarer Umschwung, es muss also etwas Bedeutendes
passiert sein.
Das innere Auferstehungserlebnis der Jünger
Jesu ist durch das Lauffeuer ihrer Begeisterung bezeugt und wir wissen davon
aus der Geschichte. Was aber war der äußere Anlass, der zum zündenden Funken
für diese Begeisterung wurde? Die Antwort kann nur von Historikern gegeben
werden, deren Meinungen allerdings weit auseinandergehen. Für die am einen Ende
des Spektrums stehenden enthalten die neutestamentlichen Auferstehungsberichte
ein gewissen Maß an historisch ernstzunehmenden Daten; für die Gegenpartei sind
biblische Texte von vorne herein diskreditiert. Damit präjudizieren sie
allerdings, welche Daten in Erwägung gezogen werden.
Es sollten alle relevanten Belege
herangezogen werden. Dazu zählt das bereits erwähnte Sindon, das ja auch in den
Berichten vom leeren Grab eine wichtige Rolle spielt. Und es kommt das Sudarium
(Schweißtuch) von Oviedo hinzu, benannt nach dem spanischen Ort, wo es seit dem
frühen Mittelalter aufbewahrt wird. Es stimmt in wichtigen Punkten mit dem
Sindon überein. Zwingende Beweise werden sich dafür kaum erbringen lassen.
Wenn wir die gesicherten wissenschaftlichen
Befunde mit den Berichten in den Evangelien vergleichen, ergeben sich
naheliegende Hinweise darauf, welche äußeren Ereignisse den
Auferstehungsglauben der Jünger ausgelöst - nicht bewirkt! - haben könnten.
"Nicht bewirkt" deshalb, weil auch das Sehen bestenfalls ein Etwas-glauben bewirken
kann, es hier aber um den inneren Mut zum An-Gott Glauben geht. Beim Sehen geht es um
äußere Evidenz, beim Glauben um inneres Vertrauen.
Ein weiteres Gebiet verdient die
Aufmerksamkeit des Wissenschaft: die sogenannten Regenbogen-Körper. Dabei handelt es
sich um ein Phänomen, das in Tibet seit Jahrhunderten beschrieben wurde, auch
heute noch vorkommt und gut bezeugt ist. In einem typischen Fall bittet ein
Lehrer vor seinem Tod, seine Leiche für einige Zeit ungestört zu lassen. In
diesem Zeitraum - etwa ein bis zwei Wochen - schrumpft dann der von einem Tuch
bedeckte Leichnam nach und nach zusammen, oder er verschwindet auch ganz, wobei
manchmal Haare undNägel zurückbleiben. Häufig erscheint der Vertorbene noch
eine Zeitlang seine Jüngern, nicht aber der Öffentlichkeit. Lichterscheinungen
wie Regenbogen spielen dabei eine Rolle, daher der Name. Es handelt sich hier
offensichtlich um Phänomene, die an die Auferstehungsbericht erinnern und
wissenschaftlich überprüft werden müssten.
Immerhin leben wir heute in einer Zeit, in dem wir erheblich mehr
Material und Forschungsmethoden zur Verfügung haben als frühere Generationen.
Doch so interessant dies auch alles sein mag
- und darüber hinaus intellektuell zwingend - sich damit zu befassen - von
letzter Bedeutung für den Glauben ist es nicht. Diese Fragen führen durchaus zu
einem besseren geschichtlichen Verständnis der Auferstehungsberichte. Um sie
von den Fragen zu unterscheiden, die relevant sind für das Bekenntnis AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN,
empfiehlt sich folgendes Gedankenexperiment:
Stellen wir uns einmal vor, dass ein Wissen
um die äußeren Umstände, die den Glauben der Jünger an die Auferstehung und
ihre darauf gründende Begeisterung auslösten, uns grundsätzlich versagt wäre.
Würde uns das die Möglichkeit nehmen zu leben, wie Jesus lebte, ermächtigt von
demselben Geist, der ihm Macht gab? Wenn wir so lebten - aus unserem
Christus-Selbst heraus, dann könnte unser eigenes Lebenszeugnis ja als eine Art
Beweis für sein Leben gelten - hier und jetzt - seinem Tod zum Trotz.
Warum ist das so wichtig?
Im Credo geht es um den Glauen an Gott. Dahinter steht die Frage: Auf was für einen Gott verlässt sich hier der Glaube?
Wenn Gott Jesus gerechtfertigt hat, dann
auch seine Forderungen. Was bedeutet das für uns? In der Weltordnung, die heute
an der Macht ist, findet sich kein Platz für gerechte Verteilung materieller
und kultureller Güter, für Gewaltfreiheit, für Ehrfurcht vor der Würde jedes
einzelnen Menschen. Für diese Worte aber setzte Jesus sein Leben aufs Spiel.
Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast
Was sind die Konsequenzen der Auferstehung
Jesu Christi in meinem eigenen Leben? Wie - wenn überhaupt - beeinflusst seine
Auferstehung mein Gottesverständnis, meine Beziehung zu Gott? Gehe ich im Leben
lieber den bequemeren Weg, oder wähle ich Gottes - Jesu - Weg, um mir, meinem
wahren Selbst, der Christuswirklichkeit in mir, treu zu bleiben? Nur im
Hinblick auf die Auferstehung kann ich das wagen, nur im Vertrauen darauf ,
dass ein letztes, endgüötiges "Ja!" auch den Tod überwindet.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Neben der Jungfrauengeburt ist die
Auferstehung einer der Stolpersteine des christlichen Glaubens. "So etwas
kann nicht sein!" sagen viele aufgeklärte und moderne Menschen heute.
Allerdings kann dies auch ein sehr einfacher Weg sein, sich die Gottesfrage vom
Hals zu halten.
David Steindl-Rast hat duchaus Recht damit,
wenn er sagt, das die historische Wahrheit über die Auferstehung letztlich
keine wirkliche Relevanz für den Glauben an Gott hat. Wir könnten auch so aus
unserem Christus-Selbst nach Jesu Vorbild leben. Können wir - doch wie
unterscheidet sich das dann von einem rein humanistischen Ansatz ohne Glauben
an und Vertrauen auf eine wie auch immer geartete göttliche Wirklichkeit?
Auch unser Verstand möchte "glauben" und benötigt dafür Futter.
Für die Existenz einer göttlichen Wirklichkeit gibt es keine klaren Beweise.
Doch es gibt eine Reihe von Indizien, die darauf hinweisen. Und Wissen über
etwas setzt sich ja immer aus vielen Details zusammen. Hat man genügend
Indizien gesammelt, bleibt es letztlich eine Frage der Entscheidung, ob man an
eine göttliche Wirklichkeit oder wie auch immer man das für sich persönlich
nenne will, glaubt und sein Vertrauen darauf setzt. Wenn man dies tut, erlebt
man möglicherweise "innere Beweise" für eine göttliche Existenz.
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