Mittwoch, 27. Januar 2016

"Ich glaube an Gott, den Vater, DEN ALLMÄCHTIGEN"

Was heißt das eigentlich?


Was allmächtig bedeutet, ist hier klar vom philosophischen Begriff göttlicher Allmacht zu unterscheiden. Das Credo spricht nur der göttlichen Liebe Allmacht zu. Nichts ist allmächtiger als die Liebe. Nur Liebe hat die Macht, selbst die verfahrensten Situationen in Ordnung zu bringen, ihnen einen neuen, tieferen Sinn zu geben.

Woher wissen wir das?


Wäre ein allmächtiger Gott, der all das Leiden in der Welt zulässt, nicht ein grausames Ungeheuer? Erscheint Gottes Liebe nicht aller Macht beraubt? Da müssen wir tiefer einsteigen: Liebe ist immer ein Geschenk und sie setzt Freiheit voraus. Unsere Menschenwürde wurzelt in unserer Freiheit. Diese Freiheit können wir missbrauchen und Leid verursachen.
Liebe gibt unserem Leben Sinn. Wir können durchaus eine leidvolle Existenz ertragen und auch harte Entbehrungen überleben. Doch in einer sinnlosen Existenz geben wir auf und kommen darin um. Sinnlosigkeit ist das größtmögliche Leid.
Wir können jenen, die nicht in der Lage sind, ihrem Leid durch Liebe Sinn zu geben, diesen Zusammenhang kaum erklären. Das wäre ehrfurchtslos und anmaßend. Wir können ihnen nur schweigend zur Seite stehen. Doch wir wissen: Wenn ein Kind leidet, leiden Mutter und Vater noch mehr. Wo immer ein Leid erlitten wird, leidet Gott selbst. Die philosophische Konstruktion eines leidensunfähigen Gottes bricht dabei zusammen.

Warum ist das so wichtig?


Wir dürfen die Allmacht Gottes nicht als höchste Steigerungsstufe der Macht der Mächtigen missverstehen. Das Machtsystem der Welt ist ja eine Hauptursache der Leiden. Nur die Allmacht der Liebe Gottes überwindet das Leid, indem es dem Leben Sinn gibt.
Das bleibt billiger Trost, solange wir dieses Denken nicht in Tun umsetzen. Jesus hat es uns vorgelebt. Und uns gezeigt, dass die Liebe auch in der Niederlage allmächtig bleibt.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Das Wort ALLMÄCHTIG kann leicht irreführen, weil es uns dazu verleitet, die Macht der Mächtigen in der Weltgeschichte zum Maßstab dafür zu nehmen, was wir Macht nennen.
Das entscheidende Merkmal göttlicher Macht ist es, dass sie nicht übermächtigt, sondern ermächtigt. Wir alle haben mehr Macht, als wir meinen. Nämlich die Macht der Liebe.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Viele Menschen lehnen angesichts des Leids in der Welt die Vorstellung einer göttlichen Existenz ab. Einen Gott, der so etwas zulässt, kann es nicht geben. Manche versuchen dabei nur, sich die Gottesfrage vom Hals zu halten.

Doch es gibt auch sehr viele Menschen, die die oben erwähnten Zusammenhänge gar nicht kennen, weil sie ihnen nie erklärt worden sind. Oder will man Ihnen in ihrer Kindheit mit dem allmächtigen und strafenden Gott als Übervater gedroht hat. So etwas nennt man spirituellen Missbrauch.

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