Jede Religion, auch die christliche, ist Ausdruck eines
allen Menschen gemeinsamen Ur-Vertrauens auf den Sinn des Lebens. In diesem
Werk geht es darum, das christliche Glaubensbekenntnis für diesen gemeinsamen
Urgrund durchscheinend zu machen.
Der tiefe Bewusstseinswandel, der sich zur Zeit ereignet,
erlaubt es uns nicht mehr, uns Gott als von der Welt getrennt vorzustellen. Er
war es eh nie. Alle Glaubensvorstellungen müssen auf persönlich
nachvollziehbare Gotteserfahrungen zurückgeführt werden können – auf innere
Autorität also.
Kann ein gebildeter und vom wissenschaftlichen Denken
geprägter Mensch heute noch das apostolische Glaubensbekenntnis mit Überzeugung
sprechen? Ich denke ja, wenn man einige weit verbreitete Missverständnisse
geklärt hat. Dieses Werk richtet sich an Menschen, die mehr Fragen als
Antworten haben, es richtet sich an eher Kirchenferne, wie ich es bin und auch
an Christen, die das Credo nicht mehr aus voller Überzeugung sprechen können.
Und es richtet sich an Menschen, deren Glaube neue Formen sucht, um sich
auszudrücken, die im Yoga, im Zen, im Sufismus oder in welcher spirituellen
Richtung auch immer eine neue Heimat gefunden haben. Manche Sucher entdecken
erst durch andere Religionen oder spirituellen Lehren den Wert der von ihnen
zurückgelassenen. Der Wurzelgrund, aus dem der Glaube seine Nahrung zieht,
liegt letztlich tiefer als alle Formen und Glaubenssätze. Die einzige Quelle,
die als absolut gelten darf, ist die eigene mystische Erfahrung. Jeder Mensch
ist ein Mystiker und können mystische Erfahrungen machen.
Das Credo drückt das religiöse Erleben jener Menschen aus,
die es zuerst formulierten. Dieses Erleben muss für uns nachvollziehbar sein.
Zu den Früchten, die Menschen in der Vergangenheit ernteten,
wenn sie das Credo beteten, zählten ein tiefer Herzensfriede, ein Gefühl der
Zugehörigkeit und des Daheimseins und eine feste Verankerung im ewigen Jetzt
des gegebenen Augenblicks.
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