Dienstag, 26. Januar 2016

2. Einleitung von Heinz Hilten

Jede Religion, auch die christliche, ist Ausdruck eines allen Menschen gemeinsamen Ur-Vertrauens auf den Sinn des Lebens. In diesem Werk geht es darum, das christliche Glaubensbekenntnis für diesen gemeinsamen Urgrund durchscheinend zu machen.

Der tiefe Bewusstseinswandel, der sich zur Zeit ereignet, erlaubt es uns nicht mehr, uns Gott als von der Welt getrennt vorzustellen. Er war es eh nie. Alle Glaubensvorstellungen müssen auf persönlich nachvollziehbare Gotteserfahrungen zurückgeführt werden können – auf innere Autorität also.

Kann ein gebildeter und vom wissenschaftlichen Denken geprägter Mensch heute noch das apostolische Glaubensbekenntnis mit Überzeugung sprechen? Ich denke ja, wenn man einige weit verbreitete Missverständnisse geklärt hat. Dieses Werk richtet sich an Menschen, die mehr Fragen als Antworten haben, es richtet sich an eher Kirchenferne, wie ich es bin und auch an Christen, die das Credo nicht mehr aus voller Überzeugung sprechen können. Und es richtet sich an Menschen, deren Glaube neue Formen sucht, um sich auszudrücken, die im Yoga, im Zen, im Sufismus oder in welcher spirituellen Richtung auch immer eine neue Heimat gefunden haben. Manche Sucher entdecken erst durch andere Religionen oder spirituellen Lehren den Wert der von ihnen zurückgelassenen. Der Wurzelgrund, aus dem der Glaube seine Nahrung zieht, liegt letztlich tiefer als alle Formen und Glaubenssätze. Die einzige Quelle, die als absolut gelten darf, ist die eigene mystische Erfahrung. Jeder Mensch ist ein Mystiker und können mystische Erfahrungen machen.

Das Credo drückt das religiöse Erleben jener Menschen aus, die es zuerst formulierten. Dieses Erleben muss für uns nachvollziehbar sein.


Zu den Früchten, die Menschen in der Vergangenheit ernteten, wenn sie das Credo beteten, zählten ein tiefer Herzensfriede, ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Daheimseins und eine feste Verankerung im ewigen Jetzt des gegebenen Augenblicks. 

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