Was heißt das eigentlich?
Dieser Satz kann zweierlei bedeuten. Zum
Ersten: GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN untereinander, also Kirche. Alle, die sich
vom Heiligen Geist leiten lassen, werden im Sprachgebrauch der frühen Kirche
Heilige genannt. Sie bilden eine Gemeinschaft, auch wenn sie in verschiedenen
geschichtlichen Epochen leben oder auf verschiedenen Erdteilen leben.
Zum Zweiten kann dieser Satz die Feier dieser
GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN im Brotbrechen bedeuten, also die christliche
Abendmahlsfeier, die Eucharistie. Darüber hinaus sprechen wir hier unser
Vertrauen aus, dass der Geist Gottes wirksam sei in jedem heiligen Mahl, das
Gemeinschaft ausdrückt und aufbaut.
So geht auch dieser Satz weit über den
christlichen Rahmen hinaus und hat für alle Menschen Bedeutung. Wer diesen
Glaubenssatz betet, verpflichtet sich, auch mit denen sein Brot zu brechen,
denen unsere Gesellschaft keinen Platz am Familientisch gönnt.
Woher wissen wir das?
Wenn uns klar ist, was wir unter dem
Heiligen Geist verstehen - die göttliche Lebenskraft in uns selbst und im
Universum - und was unter Kirche - die Gemeinschaft derer, die sich vom
Heiligen Geist leiten lassen - dann ist leicht einzusehen, dass ein heiliges
Mahl der entsprechende Ausdruck dieser Gemeinschaft ist, ihr heiliges
Sakrament. Jedes gemeinsame Mahl ist Ausdruck für ein Doppeltes: teilnehmen und
teilen. Und es bewirkt, was es darstellt: Gemeinschaft der Tischgenossen
miteinander.
Wir Menschen haben ein tief verwurzeltes
Bedürfnis, Gemeinschaft durch das Teilen von Speise und Trank zu teilen. Dies
ist in allen Kulturen der Welt so.
Warum ist das so wichtig?
Gläubiges Vertrauen auf den Heiligen Geist
beinhaltet schon den Glauben an die Kirche
als die Gemeinschaft aller bewusst vom göttlichen Atem belebten.
Hinzugefügt wird nun der Akt des Teilens. Das Brotbrechen miteinander ist schon
seit Anfang der christlichen Tradition Herzstück des Gemeinschaftslebens. Die
Tradition einer Tischgemeinschaft, die alle einschließt, lässt sich ohne
Unterbrechung auf Jesus von Nazareth selbst zurückführen, der sogar "mit
Sündern" Tischgemeinschaft pflegt. Deshalb stehen Menschen, die soziale
und kulturelle Demarkationslinien mutig überschreiten und unvoreingenommen ihr
Brot mit anderen teilen, in engster Verbindung mit Jesus Christus, selbst wen
sie seinen Namen nie gehört haben. Solange wir noch jemanden von unserer
Tischgemeinschaft ausschließen, ist sie nicht heilig, und wir verschließen uns
der GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN.
Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast
Wo immer Menschen Speise dankbar teilen,
nehmen sie am unerschöpflichen Geheimnis der Eucharistie teil. Eucharistie heiß
ja Danksagung, und Dankbarkeit ist unerschöpflich geheimnisvoll. Nur diese Art
von Kommunion kann den tiefsten menschlichen Hunger stillen.
Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten
Das gemeinsame Speisen stillt nicht nur den
Hunger nach Nahrung. Warum fühlen wir uns einem Restaurant unwohl, in den wir
die einzigen Gäste sind? Es fehlt etwas. Auch wenn die Distanz zu den anderen
Gästen groß ist - und je edler das Restaurant, desto größer die Distanz - ein
Rest von Gemeinschaftserleben ist immer noch dabei.
Ein besonderes Erlebnis ist nicht Nur der
Verzehr, sondern auch die gemeinsame Zubereitung eines Essens. Jeder hat etwas
beigetragen. Schade ist es, dass in vielen Familien der Sinn für dieses
Gemeinschaftserlebnis abhanden gekommen ist und jedes Familienmitglied zu einem
anderen Zeitpunkt alleine etwas vor dem Fernseher oder PC verzehrt -
möglicherweise auch noch ein Fertiggericht.
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