Mittwoch, 27. Januar 2016

"GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN"

Was heißt das eigentlich?

Dieser Satz kann zweierlei bedeuten. Zum Ersten: GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN untereinander, also Kirche. Alle, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen, werden im Sprachgebrauch der frühen Kirche Heilige genannt. Sie bilden eine Gemeinschaft, auch wenn sie in verschiedenen geschichtlichen Epochen leben oder auf verschiedenen Erdteilen leben.
Zum Zweiten kann dieser Satz die Feier dieser GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN im Brotbrechen bedeuten, also die christliche Abendmahlsfeier, die Eucharistie. Darüber hinaus sprechen wir hier unser Vertrauen aus, dass der Geist Gottes wirksam sei in jedem heiligen Mahl, das Gemeinschaft ausdrückt und aufbaut.
So geht auch dieser Satz weit über den christlichen Rahmen hinaus und hat für alle Menschen Bedeutung. Wer diesen Glaubenssatz betet, verpflichtet sich, auch mit denen sein Brot zu brechen, denen unsere Gesellschaft keinen Platz am Familientisch gönnt.

Woher wissen wir das?

Wenn uns klar ist, was wir unter dem Heiligen Geist verstehen - die göttliche Lebenskraft in uns selbst und im Universum - und was unter Kirche - die Gemeinschaft derer, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen - dann ist leicht einzusehen, dass ein heiliges Mahl der entsprechende Ausdruck dieser Gemeinschaft ist, ihr heiliges Sakrament. Jedes gemeinsame Mahl ist Ausdruck für ein Doppeltes: teilnehmen und teilen. Und es bewirkt, was es darstellt: Gemeinschaft der Tischgenossen miteinander.
Wir Menschen haben ein tief verwurzeltes Bedürfnis, Gemeinschaft durch das Teilen von Speise und Trank zu teilen. Dies ist in allen Kulturen der Welt so.

Warum ist das so wichtig?

Gläubiges Vertrauen auf den Heiligen Geist beinhaltet schon den Glauben an die Kirche  als die Gemeinschaft aller bewusst vom göttlichen Atem belebten. Hinzugefügt wird nun der Akt des Teilens. Das Brotbrechen miteinander ist schon seit Anfang der christlichen Tradition Herzstück des Gemeinschaftslebens. Die Tradition einer Tischgemeinschaft, die alle einschließt, lässt sich ohne Unterbrechung auf Jesus von Nazareth selbst zurückführen, der sogar "mit Sündern" Tischgemeinschaft pflegt. Deshalb stehen Menschen, die soziale und kulturelle Demarkationslinien mutig überschreiten und unvoreingenommen ihr Brot mit anderen teilen, in engster Verbindung mit Jesus Christus, selbst wen sie seinen Namen nie gehört haben. Solange wir noch jemanden von unserer Tischgemeinschaft ausschließen, ist sie nicht heilig, und wir verschließen uns der GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Wo immer Menschen Speise dankbar teilen, nehmen sie am unerschöpflichen Geheimnis der Eucharistie teil. Eucharistie heiß ja Danksagung, und Dankbarkeit ist unerschöpflich geheimnisvoll. Nur diese Art von Kommunion kann den tiefsten menschlichen Hunger stillen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Das gemeinsame Speisen stillt nicht nur den Hunger nach Nahrung. Warum fühlen wir uns einem Restaurant unwohl, in den wir die einzigen Gäste sind? Es fehlt etwas. Auch wenn die Distanz zu den anderen Gästen groß ist - und je edler das Restaurant, desto größer die Distanz - ein Rest von Gemeinschaftserleben ist immer noch dabei.

Ein besonderes Erlebnis ist nicht Nur der Verzehr, sondern auch die gemeinsame Zubereitung eines Essens. Jeder hat etwas beigetragen. Schade ist es, dass in vielen Familien der Sinn für dieses Gemeinschaftserlebnis abhanden gekommen ist und jedes Familienmitglied zu einem anderen Zeitpunkt alleine etwas vor dem Fernseher oder PC verzehrt - möglicherweise auch noch ein Fertiggericht.

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