Mittwoch, 27. Januar 2016

"AMEN"

Was heiß das?

Das Wort AMEN ist kein bedeutungsloser Schnörkel, sondern wesentlicher Bestandteil des Glaubensbekenntnisses. Es geht über das deutsche Ja hinaus. Wer AMEN sagt, bejaht nicht nur eine Aussage, sondern verpflichtet sich, danach zu leben.
Die Kernbedeutung dieses Wortes ist Verlässlichkeit. Amen zu sagen heißt, sich auf Gottes Verlässlichkeit zu verlassen: Unser Herz vertrauensvoll auf Gott zu setzen und dementsprechend zu leben. Unser kleines Selbst zurücklassen und uns vertrauend auf etwas Größeres hinbewegen. Diese Hinbewegung hat schon mit "ICH GLAUBE" begonnen, dies heißt genau das gleiche wie "ich verlasse mich". Mit AMEN schließt sich nu der Kreis.
Dies ist nicht nur im Christentum so. Wenn Hindus, Jaina und Buddhisten das OM aussprechen, so drücken sie damit ihre Bereitschaft aus, ihr Leben mit der Ur-Harmonie des Kosmos in Einklang zu bringen. Auch sie verlassen sich dabei auf die innerste Verlässlichkeit des Seins.

Woher wissen wir das?

Im 27. Kapitel des 5. Buch Mose heißt es vierzehn mal: "Und das ganze Volk soll rufen: Amen" (Dtn 27,15-26). In den heiligen Schriften des Ostens ist die ganze Mandukya Upanischade dem Verständnis von OM als dem bedeutendsten aller Mantren gewidmet.
Wir können diese faktische Information durch eigene Erfahrungen ergänzen, z.B. wenn wir das Amen hören, mit dem Johann Sebastian Bach das Credo seiner H-Moll Messe krönt. Im Westen entdecken immer mehr Menschen, dass ein Mantra wie Amen oder der Name Jesu beim Meditieren eine große Hilfe sein kann. In Indien erlebt man das OM als "den Klang Gottes".

Warum ist das so wichtig?

Wir waren bemüht, den Wurzeln des Glaubens so tief nachzuspüren, dass wir von da her auch die christlichen Konfessionen als Teilgruppen einer weltweiten Glaubensgemeinschaft verstehen. Diese Sichtweise ist nicht relativistisch; sie relativiert nicht den Glauben, der in dem einen Wort "Credo" zusammengefasst ist, auf dem alle unsere Erwägungen gründen. Wir nehmen aber die Verschiedenheit der Traditionen relativ zu diesem Glauben ernst.
Zu sagen "Ich glaube" drückt eine so tiefe Überzeugung aus, dass jeder Glaubenssatz zugleich eine freiwillige Verpflichtung zu tatkräftigem Tun einschließt. Gerade das trift auch für das AMEN zu.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast (in Ich-Form zusammengefasst)

Angesichts des Parlaments der Weltreligionen in Chicago 1993 stellte sich mir die Frage, wie kann ich meine eigene christlich-katholische Tradition getreu darstellen und zugleich für die Vertreter anderer Traditionen verständlich sein? Wie kann ich das Herzstück der christlichen Tradition, die Dreieinigkeit Gottes - Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist - den anderen nahe bringen?
Zwei Begriffe schoben sich langsam immer mehr in den Vordergrund meines Denkens - Glaube und Lehre. Glauben haben wir alle, aber unsere Lehren gehen weit auseinander. Unsere Herzen verstehen die innere Haltung des Sich-Verlassens, aber unsere Vernunft ringt mit den so unterschiedlichen Lehren, in denen der Glaube sich ausdrückt; sie scheinen unüberbrückbar. Glaube vereint, Lehren trennen uns. Ich musste mich fragen: Wie stehen Glaube und Lehre eigentlich zueinander? In welchem Verhältnis steht mein eigener Glaube zu den Lehren, die ich gläubig bekenne? Die Antwort war leicht: Die Lehren sind Ausdruck meines Glaubens. So hatte ich den Ansatz für gegenseitiges Verständnis gefunden: Ich würde appellieren müssen an den Glauben, der uns eint, trotz der Lehren, die uns trennen.
Was aber ist dieser uns allen gemeinsamer Glaube, bevor er sich in dieser oder jener Lehre ausdrückt? Wie erleben wir ihn? Hier lade ich meine Leser ein, diese Frage selbst zu beantworten: Wie und in welchem Zusammenhang wird Dir Dein tiefstes Vertrauen auf die Vertrauenswürdigkeit des Lebens bewusst? Meine eigene Antwort begann sich abzuzeichnen, als ich die größte Herausforderung an meinen Glauben ins Auge fasste: Hat überhaupt irgendetwas Sinn? In meinen dunkelsten Stunden bezweifle ich das. Nur mutiges Vertrauen - und das ist ja die Essenz des Ur-Glaubens - kann universellen Zweifel überwinden. Der allen Menschen gemeinsame Glaube ist also das tapfere Vertrauen, das wir beweisen durch unsere nie endende Suche nach letztem Sinn.
Sinnsuche ist die Triebkraft, die alle Menschenherzen bewegt. Das haben wir alle gemeinsam. Mir war nun klar, worüber ich vor dem Parlament der Weltreligionen sprechen müsste: Über unsere Aufgabe, die uns gemeinsame Sinnsuche besser zu verstehen. Sinn hat immer drei Aspekte: Wort, Schweigen und Verstehen. Wenn eines von den dreien fehlt, fehlt auch Sinn. Das müsste ich erklären im Hinblick auf die allgemeinmenschliche Erfahrung der Sinnsuche, und zwar unter den Gesichtspunkten von Wort, Schweigen und Verstehen.
Dass Wort und Sinn zusammengehören, leuchtet ein. Es ist Wort in der weitesten Bedeutung, nicht ein einzelnes Wort, das Sinn vermittelt. Jedes Wort aber, dass wirklich sinnträchtig ist, kommt aus dem Schweigen - aus dem Herzen der Stille; nur so kann es zur Stille des Herzens sprechen. (Alles andere ist nur Geschwätz). Weder Wort noch Schweigen können aber das "Aha!" der Sinnfindung auslösen, wenn Verstehen fehlt. Verstehen ist ein dynamischer Vorgang.
Wenn jede spirituelle Tradition Ausdruck der unstillbaren Sinnsuche des Menschenherzens ist, dann müssen die drei charakteristischen Aspekte von Sinn - Wort, Schweigen und Verstehen - jede Religion auf eigene Art kennzeichnen. Wobei es Unterschiede in der Betonung des einen oder anderen Aspektes gibt. In den uralten ursprünglichen Religionen - z.B. in Australien, Afrika und Amerika - sind die drei noch eng miteinander verwoben in Mythos, Ritual und Gemeinschaftsleben. Als aber Hinduismus, Buddhismus und die Amen-Traditionen des Westens aus der gemeinsamen ur-religiösen Matrix herauswuchsen, begann der Nachdruck immer stärker auf einen oder den anderen Bereich zu fallen, obwohl alle drei - Wort, Schweigen und Verstehen - in keiner Tradition ganz verloren gehen können.
In Judentum, Christentum und Islam spielt das Wort die wichtigste Rolle. Gott wird von uns als anrufend und aufrufend verstanden. Gott spricht zu uns durch alles, was es gibt, und alles ist seinem innersten Wesen nach Wort Gottes. Gott ist Liebe, daher hat Gott in Ewigkeit nichts anderes zu sagen als "Ich liebe Dich". Wie aber Liebende nie müde werden, ihre Liebe durch Geschenke, Blumen und Küsse auszudrücken, so wiederholt Gott "Ich liebe Dich" immer wieder durch alles, was entsteht - und wir werden nicht müde, es immer wieder neu zu hören.
Im Buddhismus nimmt Schweigen die Zentralstellung ein. Offensichtlich wird das in der berühmten wortlosen Predigt des Buddha. Der Buddha hielt einfach eine Blume hoch. Nur ein einziger seiner Jünger verstand, heißt es. Er lächelte, wird uns berichtet. Der Buddha lächelte zurück. So wird die buddhistische Tradition schweigend weitergegeben. So erlebte ich es mit Eido Shimano Roshi. Wenn ich meinte, einen Punkt des Zen-Buddhismus verstanden zu haben, und ihn so genau wie möglich formulierte, um ihn danach zu fragen, lachte er aus volem Hals und sagte: "Absolut richtig - aber wie schade, dass du es in Worte fassen musst".
Im Hinduismus haben weder Wort noch Schweigen letzte Bedeutung, sondern Verstehen. "Yoga ist Verstehen", hatte Swami Venkatesananda gesagt. "Atman ist Brahman" und "Brahman ist Atman" - der offenbare Gott (das Wort) ist der verborgene Gott (Schweigen); und der verborgene Gott ist der offenbare. Klar, das Wort ist das offenbar gewordene Schweigen und Schweigen ist das verborgene Wort. Untrennbar eins und doch unvermischt - das heißt verstehen. Freilich geht es hier um ein Verstehen, das weit über verstandesmäßiges Begreifen hinausgeht, ein Verstehen mit dem Herzen, an dem Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen beteiligt sind.
Wenn wir auf unserer Suche nach Sinn ein Aha-Erlebnis haben, dann sagen wir typischerweise: "Das ist es!" Spielen wir mit diesem Satz. Die christliche Perspektive verrät sich, indem sie das erste Wort betont: "Das ist es!" Begeisterung darüber, das Gott spricht, dass also alles, was es gibt, ein Wort Gottes ist, lässt uns Christen immer wieder neu ausrufen "Das ist es!" Bei Buddhisten ist das anders. Was sie überwältigt, ist, das ein und dasselbe Schweigen in einer solchen Vielzahl von Dingen zu Wort kommt. Für sie ist also das dritte Wort das wichtige: "Das ist es!" Es ist immer das geheimnisvolle Es, das sich in allem ausspricht, was es gibt - das große Schweigen. Die Hindus erinnern uns daran, dass wir eigentlich sagen sollten, "Das ist es!" Darauf kommt es an: Das Wort ist das Schweigen und das Schweigen ist das Wort. Das einzusehen heißt: verstehen. Wir müssen lernen, die Eigenständigkeit und Einzigartigkeit jeder dieser Perspektiven zu respektieren. Sie ergänzen einander. Die Traditionen brauchen die Hilfe, die sie einander bieten können bei der gemeinsamen Suche nach Sinn. Und Spiritualität ist nicht nur ein Suchen nach Sinn, sie ist ebenso Feier von Sinn. Dafür gibt es in allen Traditionen Feiern und Festlichkeiten, in denen die Schönheit der jeweiligen Tradition zum Leuchten kommt.
Auch Andersgläubige sind eben auch gläubig Sinnsuchende. Wort, Schweigen und Verstehen hat bei der Sinnsuche Bedeutung. Aus dieser Sicht ist menschlicher Ur-Glaube zumindest implizit trinitarisch. Es begann mir zu dämmern, dass die "Offenbarung" der Trinität, die ich immer für ausschließlich christlich gehalten hatte, das Herzstück des Glaubens schlechthin war.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Es ist wohl ein besonderer Verdienst von David Steindl-Rast, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Weltreligionen so deutlich zu machen. Dabei wird klar, dass die Gemeinsamkeiten überwiegen: Die Suche nach dem wirklichen Sinn.

Wenn die Religionen sich gegenseitig befruchten, kann daraus vielleicht so etwas wie Multi- oder Transreligiösität entstehen. Immerhin gibt es schon Menschen, die auf diesem Weg unterwegs sind, den Autor dieser Worte inbegriffen. Wobei meine christlichen Wurzeln dabei Priorität haben.

"DAS EWIGE LEBEN"

Was heißt das eigentlich?

Mit diesem Glaubenssatz kommt der dritte und letzte Teil des Credos zum Abschluss. Er hat Schritt für Schritt entfaltet, was es bedeutet, an Gott als den Heiligen Geist zu glauben, an den Lebensspender.
"Ewig" bedeutet nicht endlose Zeit. Unser Sprachgebrauch ist da irreführend. Richtig verstanden ist Ewigkeit nicht nicht immerwährende Zeit, sondern gerade das Gegenteil von Zeit - das Jetzt, das Vergangenheit und Zukunft aufhebt. Wir wissen um die unzerstörbare Lebendigkeit, an der wir Anteil haben - hier und jetzt, nicht später einmal.
Das EWIGE LEBEN kommt nicht nach dem Tod, sondern ist ein Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Diese Sicht leugnet natürlich nicht, was im landläufigen Sinne  mit "Leben nach dem Tod" gemeint ist. Es berichtigt es aber an einem entscheidenden Punkt, weil es das "nach" leugnet. Wir brauchen auf das EWIGE LEBEN nicht bis zu unserer Todesstunde zu warten. Heute schon können wir über die Zeit - und so über den Tod - hinausgehen, in dem Ausmaß, in dem wir im Jetzt leben.
Wer bekennt, ICH GLAUBE AN DAS EWIGE LEBEN, der verlegt das Schwergewicht seines Lebens auf das Jetzt, in dem die Zeit aufgehoben ist. Von dieser Mitte her können wir "in Fülle" leben. Wir brauchen uns nicht länger darüber Sorgen machen, dass unsere Zeit unaufhaltsam abläuft. Die so ablaufende Zeit ist für uns schon jetzt abgeschafft. Gerade deshalb dürfen wir jeden Augenblick als Gabe und Aufgabe voll ausschöpfen.

Woher wissen wir das?

In unseren besten Momenten, wenn wir bis in die tiefsten Schichten unseres Seins wach und lebendig sind, können wir eine Art Zeitlosigkeit erfahren. Minuten oder Stunden können uns wie ein einziger Augenblick erscheinen. Das liefert uns den Erfahrungsinhalt für den Begriff Ewigkeit. Das Jetzt, das nicht vergeht, weil es jenseits aller Zeit steht. Danach sehnt sich das menschliche Herz. Was wir als Ewigkeit erahnen ist jene von Zeit befreite Lebendigkeit, nach der sich alles in uns sehnt - EWIGES LEBEN also. Weil die uns hier und da flüchtig geschenkte Erfahrung davon weit über unsere jetzige Begrenztheit hinausgeht, schreiben wir sie dem göttlichen Leben zu, dem Heiligen Geist.
Je besser wir lernen im Jetzt zu leben, umso lebendiger werden wir.

Warum ist das so wichtig?

Was immer uns im Leben wichtig ist, es ist uns deshalb wichtig, weil es unser Lebensgefühl erhöht. Hier im letzten Glaubenssatz liegt die Betonung auf jenem göttlichen Leben, zu dem wir uns in jedem Satz des Credo gläubig bekennen. Hier klingt alles noch einmal an: Unser Vertrauen auf Gott als Vater, als Quelle und Ursprung allen Lebens; unser Vertrauen auf Gott als Sohn, als Menschenkind, in dem dieses Leben stärker ist als der Tod; unser Vertrauen auf Gott als den Heiligen Geist, die ewig junge Lebenskraft Gottes in uns.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Die Wirklichkeit, die im Credo EWIGES LEBEN heißt ist unserer Erfahrung zugänglich. Sie kann uns hier und jetzt einsichtig werden, nicht erst "im Jenseits". Wenn es uns gelingt, völlig hier zu sein, völlig im Jetzt, dann sind wir schon jenseits des Todes. Denn "alles ist immer Jetzt", wie es T.S. Eliot (1888-1965) sagte. Jederzeit im Jetzt zu leben ist für diese Menschen die große Aufgabe. Wenn aber alles immer jetzt ist, dann bedeutet das Im-Jetzt-leben EWIGES LEBEN.
Im Jetzt leben bedeutet, sich auf ein Liebesspiel einzulassen mit der göttlichen Wirklichkeit, die uns mit jedem Atemzug neu begegnet. Dieses letzte Wort im Credo hält uns das EWIGE LEBEN als größtes Versprechen vor Augen UND ZUGLEICH als höchste Herausforderung für unser Leben hier und jetzt.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Eigentlich weisen uns alle religiösen oder spirituellen Lehrer oder Gurus auf die Wichtigkeit hin, im Hier und Jetzt zu leben. Manchmal sehr umständlich. Doch wie geht das überhaupt? Wie macht man das? Soll man nicht mehr planen, nicht mehr für die Zukunft sorgen? Einige missverstehen das auf diese Weise.
Jemand, der es sehr klar und deutlich auf den Punkt bringt, ist Eckhart Tolle. In seinem Buch "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart" beschreibt er etwas, wozu andere Autoren zehn Bücher benötigen. Eine Zusammenfassung dieses Buches findet sich hier:
https://glueckundfreude.wordpress.com/2012/03/19/eckhart-tolle-jetzt-die-kraft-der-gegenwart-zusammenfasung/


"AUFERSTEHUNG DER TOTEN"

Was heißt das eigentlich?

Dieser Abschnitt des Glaubensbekenntnisses entfaltet immer noch weiter, was an den Heiligen Geist zu glauben beinhaltet. Leben spielt sich auf all seinen Stufen als Gegenseitigkeit ab, als Wechselwirkung zwischen Du und Ich und Wir. Der Heilige Geist "hält alle Dinge zusammen" (Weish 1,7).
Bisher sahen wir dieses Zusammenhalten unter dem Blickwinkel von Gemeinschaft. Nun kommt noch ein weiterer Blickwinkel hinzu, nämlich die kosmische Bedeutung. Doch kommen wir zuerst auf persönliche Anliegen zu sprechen, die in vielen Menschen wach werden, wenn von AUFERSTEHUNG DER TOTEN die Rede ist.
Auch hier ist "Verbundenheit" im Heiligen Geist, der alles zusammenhält, bedeutsam für tieferes Verständnis. Mein Leib ist ja nicht ein beliebiges Anhängsel an mein Bewusstsein, sondern seine Verkörperung - im Vollsinn dieses Wortes. Er gehört zu mir, so wie die Melodien zu einem Lied gehört. Und doch war jedes Atom dieses Körpers vor nicht langer Zeit Teil eines anderen Lebewesens oder Dinges und in absehbarer Zeit wird es das wieder sein. Selbst jetzt erneuern sich Millionen meiner Körperzellen. Fast alle physischen Bestandteile sollen sich  spätestens ca. alle sieben Jahre auswechseln. Was sich nicht verändert, hat man den "Inneren Leib" genannt oder die Seele. Sie ist meine Identität, die sich in meinem Leib verkörpert, mein ganz eigener und einzigartiger Ausdruck der allgemeinen Lebenskraft, die auch in mir fließt. Und ich bin mit einem unerschöpflichen "Stromnetz" verbunden - dem Heiligen Geist, der das Universum füllt.
Formen entstehen und vergehen wie Seifenblasen. Auf der tiefsten Ebene ist das Leben - als ein Aspekt des Seins - unberührt vom Entstehen und Vergehen seiner Formen.
Jesus atmete den unvergänglichen Lebensatem Gottes und solches Leben kann nichts auslöschen, auch nicht der Tod. Paulus versichert uns, dass dies auch für unser eigentliches Leben gilt: "Ist  der Geist Gottes in euch, so wird Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib wieder lebendig machen; sein Geist wohnt ja in euch" (Röm 8,11).
Weil Leiblichkeit zu unserem geisterfüllten Leben dazugehört, hat sie auch Anteil am unzerstörbaren Leben im Heiligen Geist. Dennoch müssen wir uns das nicht so wie auf den mittelalterlichen Bildern vorstellen, auf denen die wiederbelebten Leiber der Toten aus ihren Gräbern kriechen.  Wir müssen bei diesem Satz des Credo die Grenzen unserer Vorstellungskraft zur Kentiss nehmen und unser Vertrauen auf Lebensdimensionen bekennen, die über das Vorstellbare hinausgehen.
Unser Blickwinkel weiter sich von einer persönlichen zu einer kosmischen Perspektive. Durch unseren Körper sind wir ja untrennbar mit allen anderen Lebewesen und darüber hinaus mit dem ganzen Universum verbunden. Jedes Atom un uns war einmal in einer Super-Nova.
Wir können diesen Satz des Credo auch ändern in AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES. Hiermit ist alles Vergängliche gemeint. Der Gegenpol von Geist heißt in der Sprache der Bibel Fleisch. Fleisch bedeutet hier Vergängliches - im Gegensatz zu Geist, was hier unvergängliches Leben bedeutet. Wer AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES bekennt, der drückt seinen Glauben aus, dass alles Vergängliche doch letztlich am unvergänglichen Leben des Heiligen Geistes Anteil hat, der ja in allem vergänglichen Leben atmet.
Wir dürfen diese Polarität zwischen Geist (spiritus) und Fleisch nicht verwechseln mit der zwischen Geist (mens) und Leib. Die Geist-Fleisch-Polarität stellt dem unzerstörbar lebendigen Geist (spiritus als Lebenshauch Gottes) alles Vergängliche unter dem Bild von verweslichem Fleisch gegenüber.
Dem heutigen Sprachgebrauch entsprechend können wir unter Geist (im biblischen Sinn) alles Lebensbejahende sehen, unter Fleisch alles Lebensverneinende. Für die Bibel kann auch Materielles Geist sein. Sie sieht einen von heiliger Lebendigkeit durchatmeten Leib nicht als Fleisch an, weil er ja am Geist Anteil hat, am Heiligen Geist.
Wenn der lateinische Urtext unseres Credo von der AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES spricht , wo die neuere deutsche Übersetzung AUFERSTEHUNG DER TOTEN sagt, dann sollten wir beachten, dass es in beiden Fällen um mehr geht als um philosophische Spekulationen über "Unsterblichkeit der Seele". Es geht um Leben im Heiligen Geist. Alles, was es gibt, und sein es noch so kurzlebig und flüchtig, wird vom Heiligen Geist - dem Creator Spiritus - hervorgebracht und von Gott mit unvorstellbarer Zartheit und Leidenschaft geliebt.

Woher wissen wir das?

In Augenblicken glühendster Lebendigkeit erkennen wir in uns etwas sehr Beständiges: Wir haben Anteil am Sein. In solchen Augenblicken wird uns klar, dass unser eigenes Sein Anteil hat am Einen, Schönen, Guten und Wahren und daher unzerstörbar ist. Dieses Heilsein umfasst unser ganzes Wesen.
Aus dieser Perspektive können wir etwas über die AUFERSTEHUNG DER TOTEN wissen, obwohl der Inhalt dieses Glaubenssatzes auf den ersten Blick jenseits des Horizontes unserer jetzigen Erfahrung zu liegen scheint. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach Innen lenken, kann uns bewusst werden, dass unser "ich bin" - Descartes zum Trotz - doch nicht vom "Ich denke" abhängt. In den Pausen zwischen unseren Gedanken können wir uns - bei höchster Aufmerksamkeit - unseres Seins bewusst werden und von dieser Warte aus unser Denken beobachten. Unsere innerste Wirklichkeit ist das Sein selbst, der bleibende Grund all der unbeständigen Formen.
Diese innere Erfahrung unzerstörbaren Seins ist grundsätzlich jedem Menschen zugänglich. Unser innerstes Sein ist unverwelklich. Nur können wir uns nicht vorstellen, was das für uns bedeuten wird, wenn unsere zeitgebundene Form sich auflöst. Wenn es um überzeitliche Aussagen geht, dann lässt uns unsere Vorstellungskraft im Stich.
Manchmal überwältigt uns das Bewusstsein dieser Zugehörigkeit ganz überraschend. Z.B. wenn wir sogenannte Gipfel-Erlebnisse haben. Bei solchen Erlebnissen fühlen wir uns nicht nur außerordentlich lebendig, wir können uns dabei auch einer Lebenskraft bewusst werden, die über Vernichtung erhaben ist. In diesen Augenblicken werden uns Werte wie Schönheit, Gutheit oder Wahrheit eindrücklich bewusst.
"Stirb und werde!" sagte Goethe. Wir müssen den jetzigen Augenblick loslassen und so für das Alte sterben, um für das Neue, das uns entgegenkommt, empfänglich zu sein. Unsere vielen kleinen Tode bereiten uns für den letzten, großen vor. Im Vertrauen auf die innere Dynamik der Lebendigkeit - im Glauben an den Heiligen Geist - dürfen wir sicher sein, dass auch im letzten Augenblick unseres Lebens das Loslassen des Alten Voraussetzung sein wird für den Empfang des unvorstellbaren Neuen.

Warum ist das so wichtig?

Die volle Würdigung unserer Leiblichkeit setzt spirituelle Reife voraus. In der ersten Begeisterung der Entdeckung dessen, was über alles Körperliche und Dinghafte hinausgeht, neigen wir dazu, alles andere als grobstofflich und vergänglich zu verachten. Doch wir können beide Bereiche zwar unterscheiden, aber nicht trennen. Sie sind von ihrem Ursprung her eins. Sie von einander zu trennen hat schwerwiegende Folgen für den Geist und auch für den Leib. Geist, der die Verleiblichung verschmäht, wird impotent. Und wo Leiblichkeit als dem Geist entgegengesetzt verstanden wird, sinkt sie zum bloß Körperlichen herab und wird nicht mehr hochgeschätzt. Das zeigt sich besonders erschreckend an unserer Verletzung der Umwelt, die ja zu unserer Leiblichkeit untrennbar dazugehört.
Die Asketen verschiedener Traditionen haben oft vergessen, dass Askese Training bedeutet, nicht Selbstschädigung. Sie misshandeln den Leib, anstatt ihn als "Tempel des Heiligen Geistes" anzuerkennen. Sie versuchen den Geist zu stärken, indem sie den Leib schwächen, als ob der Leib ein Feind wäre.
Wir beginnen unseren Leib zu missbrauchen, wenn wir ihn nicht als Verleiblichung des Geistes hochhalten. Wobei unsere leiblichen Gelüste oft nicht so leicht im Zaum zu halten sind.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Es geht hier nicht um Tod, sondern um Leben - ewiges Leben. Es geht hier nicht um ein Ereignis "nach dem Tod", sondern um etwas, das hier und jetzt stattfinden kann. Die AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES ist nicht Umkehrung des Tot seins, sondern Überhöhung des Lebendig seins.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Machen Sie jetzt mal ein kleines Experiment: Machen Sie aus dem Substantiv das Sein das Verb sein. Nun sprechen Sie es in der ersten Person aus: ich bin. Vielleicht bekommen Sie nun eine Ahnung, wer sie wirklich sind: Ein unzerstörbarer Teil des Seins, der Existenz, ja ewiges Leben. Nicht ihr Körper, auch nicht Ihre Psyche, sondern Ihr innerster Wesenskern.

Man muss sich das einmal klar machen: Unsere sämtlichen Körperzellen erneuern sich ständig, spätestens alle sieben Jahre sind wir komplett "runderneuert". Warum bekommen wir dann eigentlich Falten und graue Haare? Nun, das ist wohl ein anderes Thema. Viel wichtiger ist an dieser Stelle die Erkenntnis, dass wir einen "Inneren Leib" oder eine Seele haben, eine unzerstörbare Identität. Ich finde, angesichts der Vergänglichkeit aller Dinge und auch unseres eigenen Körpers ist dies eine sehr beruhigende Nachricht.

"VERGEBUNG DER SÜNDEN"

Was heißt das eigentlich?

Der Begriff SÜNDE wird häufig missverstanden. Am besten drückt das Wort "Entfremdung" aus, was damit gemeint ist. Auf dreifache Weise ist Sünde Entfremdung: Sie entfremdet uns von unserem wahren Selbst; sie entfremdet uns von unserer Mitwelt und Umwelt; und sie entfremdet uns von unserem göttlichen Wesenskern. Es ist also mehr ein Zustand etwas, was wir tun. Wenn, was wir tun oder unterlassen, aus Entfremdung entspringt oder Entfremdung verursacht, dann ist es Sünde. Wenn es weder aus Entfremdung entspringt, noch Entfremdung verursacht, dann ist es nicht Sünde, egal was gesellschaftliche Normen davon halten.
Es ist wichtig, zwischen Sünde als Tat oder schuldhafter Unterlassung und Sünde als Zustand zu unterscheiden. Vor allem heißt es dabei, hellhörig zu sein für jene Entfremdungen, die in ganze Systeme eindringen und zu einem Zustand der Vergiftung führen können. Für viele Christen löst das Wort Sünde nur eine einzige Assoziation aus: Sex. Das die unpersönliche Eigendynamik einer entfremdeten und entfremdenden Weltordnung (Ausbeutung als Normalzustand) ein Zustand schwerwiegendster Sünde ist, an dem wir alle mitschuldig sind, fällt nur wenigen ein. Wenn wir unseren Sündenbegriff auf persönliche Überschreitung von Verboten beschränken, übersehen wir leicht Gebote der Stunde, die weit wichtiger sein können.
Der Gegenpol zu Entfremdung ist Zugehörigkeit. VERGEBUNG stellt auf zwei Ebenen Zugehörigkeit wieder her. Jede Verweigerung von Zugehörigkeit verwundet eine Welt, in der alle mit allen verbunden und voneinander abhängig sind. VERGEBUNG heilt diese Wunde. Vergeben ist mehr als Verzeihen. Verzeihen rechnet Schuld nicht an. Vergebung geht darüber hinaus: Sie macht verletzte Gemeinschaft wieder heil. Es ist die höchste Form von Geben. Das Wort "ver-geben" deutet es an.  Wer vergibt, gibt sich selbst, er lässt Verbitterung und Widerwillen los.
Gläubige Entschlossenheit zum Heilen aller Entfremdungen im eigenen Leben und in der Welt ist radikale Offenheit für VERGEBUNG DER SÜNDEN.
Der Glaube an VERGEBUNG DER SÜNDEN bedeutet also zweierlei: Unser Vertrauen, dass Entfremdung überwunden werden kann, und unsere freiwillige Verpflichtung, sie opferwillig zu überwinden.

Woher wissen wir das?

Wir müssen zunächst verstehen, was SÜNDE und VERGEBUNG in der christlichen Tradition bedeuten. Dann müssen wir das in eine Ausdrucksweise übersetzen, die heutigem Lebensgefühl und Sprachgebrauch entspricht: Entfremdung und Heilung.
Jeder reife Mensch kennt das Gefühl der Entfremdung - von sich selbst, von Anderen und vom eigenen Seinsgrund. Dabei handelt es sich um drei Dimensionen derselben Entfremdung. Auch VERGEBUNG ist aus einem Stück, ob wir anderen vergeben oder uns selbst oder Gott - den wir beschuldigen und dabei ganz vergessen, dass Gott nicht jemand anderer ist. Wenn wir unser Ich loslassen und so zu unserem Selbst heimkommen, dann finden wir da Gott - "uns näher als wir uns selbst sind" (Augustinus). Auch in Bezug auf Gott muss Vergebung mit uns selber beginnen; Gott ist ja allvergebende Liebe und ist uns längst zuvorgekommen. Gott kümmert sich um Sünder mit doppelter Liebe, wie eine Mutter um ein Kind, das gefallen ist und sich verletzt hat.

Warum ist das so wichtig?

Freude hat Heilkraft. Glaube an die VERGEBUNG DER SÜNDEN kann das Herz mit einem solchen Schwall von Freude füllen, dass es überfließt und zur Heilquelle wird, die überall, wo sie hinfließt, Entfremdung heilt und Frieden bringt.
Wer wirklich an VERGEBUNG DER SÜNDEN glaubt, setzt sich voll ein für eine Weltordnung, die der Umwelt und der Menschenwürde gerecht wird, für eine heile Welt, wie das menschliche Herz sie zu allen Zeiten ersehnt.
Unsere heutige Norm baut nicht aus Vergebung auf, sondern auf Bestrafung. Verhalten, das von der Norm abweicht, muss bestraft werden, um den Normalzustand so schnell wie möglich wiederherzustellen. VERGEBUNG packt das Übel an der Wurzel an. Eine vergebende Gesellschaft würde erkennen, dass kriminelles Verhalten oft von Defekten im sozialen System ausgelöst wird. Sie würde statt größerer Strafanstalten bessere Schulen bereitstellen.
Natürlich stellen uns konkrete Situationen immer wieder vor praktische Probleme. Wir dürfen nicht übersimplifizieren, als ob Vergebung einfach die Lösung aller Probleme wäre. Doch sie bietet einen vielversprechenden Ansatz. Eine vergebende Haltung entspringt dem Bewusstsein der Zugehörigkeit - "Wir sind alle im selben Boot" - und damit ist Entfremdung, die Wurzel aller Ungerechtigkeit, schon abgeschnitten. Außerdem verpflichtet sich, wer wirklich vergibt, damit schon zum vollen Einsatz beim Suchen nach einer Lösung, kann sich also nicht mit Legalismus zufriedengeben. "Extremes Recht ist extreme Ungerechtigkeit", das sagte schon Cicero (106-43 v. Chr.). Das Gegenteil ist nicht Gesetzlosigkeit und Chaos, sondern ein Friede, der aus VERGEBUNG aufblüht.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

"Der Mensch", sagt Jean Paul, "ist nie so schön, als wenn er um Verzeihung bittet oder selbst verzeiht". Wenn wir uns aber schuldig fühlen, kommen wir uns hässlich vor. Das begangene Unrecht drückt uns nieder. Wir schleppen eine Last mit uns herum. Wenn wir um Verzeihung bitten oder uns selbst verzeihen, strahlen wir im Lichte von Gottes eigener VERGEBUNG.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Hier ist es ganz wichtig zu klären, was der Begriff Sünde bedeutet. Nicht die "böse Tat" ist die Sünde, sondern die Entfremdung von unserem wahren Wesenskern. Mehr oder weniger "böse" Taten sind dann die Folge.
Wir können uns bemühen, "böse Taten", abhängig davon,was in unserem jeweiligen Kulturkreis darunter verstanden wird, zu vermeiden. Das mag uns mehr oder weniger gut gelingen. Doch keiner von uns ist frei von Sünde im Sinne von Entfremdung. Das geht einfach nicht. Und so tun oder sagen wir schn mal Dinge, die wir eigentlich gar nicht tun oder sagen wollten. Das geht anderen auch so. Sind wir uns dessen bewusst, fällt es uns vielleicht leichter, anderen zu vergeben.

Viel schwerer ist es für viele Menschen, sich selbst zu vergeben und sie entwickeln massive Schuldgefühle. "Vergib uns unsere Schuld" heißt es im Vaterunser. Wer auf eine vergebende, göttliche Kraft, wie auch immer er sie benennt, vertraut, ist hier klar im Vorteil. Das kann so manche Therapiestunde ersparen. Wer diese Kraft für sich ablehnt, muss alles selbst machen. Was man aber durchaus auch als anthropologische Verkümmerung betrachten kann.

"GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN"

Was heißt das eigentlich?

Dieser Satz kann zweierlei bedeuten. Zum Ersten: GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN untereinander, also Kirche. Alle, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen, werden im Sprachgebrauch der frühen Kirche Heilige genannt. Sie bilden eine Gemeinschaft, auch wenn sie in verschiedenen geschichtlichen Epochen leben oder auf verschiedenen Erdteilen leben.
Zum Zweiten kann dieser Satz die Feier dieser GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN im Brotbrechen bedeuten, also die christliche Abendmahlsfeier, die Eucharistie. Darüber hinaus sprechen wir hier unser Vertrauen aus, dass der Geist Gottes wirksam sei in jedem heiligen Mahl, das Gemeinschaft ausdrückt und aufbaut.
So geht auch dieser Satz weit über den christlichen Rahmen hinaus und hat für alle Menschen Bedeutung. Wer diesen Glaubenssatz betet, verpflichtet sich, auch mit denen sein Brot zu brechen, denen unsere Gesellschaft keinen Platz am Familientisch gönnt.

Woher wissen wir das?

Wenn uns klar ist, was wir unter dem Heiligen Geist verstehen - die göttliche Lebenskraft in uns selbst und im Universum - und was unter Kirche - die Gemeinschaft derer, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen - dann ist leicht einzusehen, dass ein heiliges Mahl der entsprechende Ausdruck dieser Gemeinschaft ist, ihr heiliges Sakrament. Jedes gemeinsame Mahl ist Ausdruck für ein Doppeltes: teilnehmen und teilen. Und es bewirkt, was es darstellt: Gemeinschaft der Tischgenossen miteinander.
Wir Menschen haben ein tief verwurzeltes Bedürfnis, Gemeinschaft durch das Teilen von Speise und Trank zu teilen. Dies ist in allen Kulturen der Welt so.

Warum ist das so wichtig?

Gläubiges Vertrauen auf den Heiligen Geist beinhaltet schon den Glauben an die Kirche  als die Gemeinschaft aller bewusst vom göttlichen Atem belebten. Hinzugefügt wird nun der Akt des Teilens. Das Brotbrechen miteinander ist schon seit Anfang der christlichen Tradition Herzstück des Gemeinschaftslebens. Die Tradition einer Tischgemeinschaft, die alle einschließt, lässt sich ohne Unterbrechung auf Jesus von Nazareth selbst zurückführen, der sogar "mit Sündern" Tischgemeinschaft pflegt. Deshalb stehen Menschen, die soziale und kulturelle Demarkationslinien mutig überschreiten und unvoreingenommen ihr Brot mit anderen teilen, in engster Verbindung mit Jesus Christus, selbst wen sie seinen Namen nie gehört haben. Solange wir noch jemanden von unserer Tischgemeinschaft ausschließen, ist sie nicht heilig, und wir verschließen uns der GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Wo immer Menschen Speise dankbar teilen, nehmen sie am unerschöpflichen Geheimnis der Eucharistie teil. Eucharistie heiß ja Danksagung, und Dankbarkeit ist unerschöpflich geheimnisvoll. Nur diese Art von Kommunion kann den tiefsten menschlichen Hunger stillen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Das gemeinsame Speisen stillt nicht nur den Hunger nach Nahrung. Warum fühlen wir uns einem Restaurant unwohl, in den wir die einzigen Gäste sind? Es fehlt etwas. Auch wenn die Distanz zu den anderen Gästen groß ist - und je edler das Restaurant, desto größer die Distanz - ein Rest von Gemeinschaftserleben ist immer noch dabei.

Ein besonderes Erlebnis ist nicht Nur der Verzehr, sondern auch die gemeinsame Zubereitung eines Essens. Jeder hat etwas beigetragen. Schade ist es, dass in vielen Familien der Sinn für dieses Gemeinschaftserlebnis abhanden gekommen ist und jedes Familienmitglied zu einem anderen Zeitpunkt alleine etwas vor dem Fernseher oder PC verzehrt - möglicherweise auch noch ein Fertiggericht.

"DIE HEILIGE KATHOLISCHE KIRCHE"

Was heißt das eigentlich?

Dieser Satz leitet sich aus dem vorhergehenden ab. Was wir jetzt gläubig bekennen, ist schon im Glauben an den Heiligen Geist enthalten. Es handelt sich um eine Erläuterung des schon Gesagten. Wie will nun aber Kirche hier verstanden werden?
DeR Heilige Geist ist Leben in Fülle; und Leben ist nicht Privatsache. Wir können nur in Wechselwirkung mit Gemeinschaft überleben. Dies anzuerkennen und danach zu handeln ist ein entscheidender Schritt. Er besteht darin, jedes einzelne Mitglied unserer Mit- und Umwelt so zu behandeln, dass unsere Zugehörigkeit dadurch gewürdigt wird.
Wo immer der Heilige Geist Leben spendet und sich entfalten darf, da entsteht Gemeinschaft - und so KIRCHE: Gemeinschaft im Heiligen Geist.
"Heilig" bedeutet nicht moralische Vollkommenheit, sondern Transzendenz im Gegensatz zum nur Innerweltlichen. Die in diesem Sinne HEILIGE KIRCHE ist eine Gemeinschaft, die alle Begrenzungen durch Raum und Zeit überschreitet. "Alle die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne und Töchter Gottes" (Röm 8,14). Das heißt, alle, die sich beleben lassen von Gottes Lebensatem, der Natur und Geschichte durchströmt, stellen im weitesten Sinne KIRCHE dar - innerhalb und außerhalb kirchlicher Institutionen.
Dieser Satz im Credo bekennt nicht den Glauben, dass Heiligkeit - göttliches Leben - sich in einer geschichtlichen Institution manifestiert, die sich KIRCHE nennt. Wir müssen es anders ausdrücken: Wo immer göttliches Leben, also Heiligkeit, sich in Gemeinschaft manifestiert, da ist KIRCHE.
Der allumfassende Heilige Geist schafft die allumfassende Gemeinschaft, die allein im vollen Sinn KATHOLISCHE KIRCHE genannt zu werden verdient. KATHOLISCH ist nicht das Markenzeichen einer bestimmten Gruppe von Christen, sondern kennzeichnet die Gemeinschaft aller, die mit dem uns Menschen angeborenen Ur-Glauben dem Leben vertrauen. Auch wenn dieser Glaube manchmal einem Menschen selber nicht bewusst ist, im tiefsten Herzen bleibt er immer lebendig.
Auch wenn die römische Kirche nur sich selbst katholisch nennt - als wahrhaft katholisch darf nur jener Glaube gelten, der "allzeit und überall" gläubigen Menschen gemeinsam war, ist und sein wird, ganz gleich, welcher religiösen Tradition sie angehören. So gesehen ist der christliche Glaube eine Unterart des katholischen (d.h. der ganzen Menschheit gemeinsamen) Glaubens.
Jeder größere Gemeinschaft braucht ein institutionelles Gerüst. Bezüglich einer solchen geschichtlichen Institution kann man dieses oder jenes glauben (d.h. für wahr halten), aber an sie glauben (im vollen Sinn von "glauben") kann man nicht. An eine innerweltliche Einrichtung in diesem Sinne glauben darf man gar nicht. Glauben kann man nur an Gott.

Woher wissen wir das?

Im Heiligen Geist zu leben bedeutet, in Gemeinschaft zu leben. Eine Gemeinschaft, die vom Heiligen Geist inspiriert ist, wird, wie der Geist selbst, HEILIG sein, d.h., sie wird als Begegnung mit dem göttlichen Leben über diese Welt von Raum und Zeit hinausgehen. Sie wird auch im Vollsinn KATHOLISCH sein, also wirklich allumfassend.
Kirche wird sich als Geistgesteuert erweisen in dem Maß, in dem sie uns Freiheit erfahren lässt - sowohl im Halt, den sie uns bietet, als auch in den Wahlmöglichkeiten, die sie uns eröffnet.

Warum ist das so wichtig?

Jede Gemeinschaft, der wir angehören, prägt unser Leben. Es ist von größter Wichtigkeit zu wissen, wie die Gemeinschaft aussehen soll, der wir unsere innerste Treue schenken wollen. Wo sie ihre Aufgaben erfüllen, werden Glaubensgemeinschaft zu Fenstern, durch die wir Kirche sehen. Die christliche Kirche repräsentiert trotz all ihrer Fehler und Verbrechen zu allen Zeiten durch heiligmäßige Menschen, die zu ihr gehören, tatkräftige Liebe in der Welt. Unzufriedenheit mit der Kirche, wie sie ist, kann der heiligen Sehnsucht nach dem, was sie sein sollte, entspringen. Kritik an der geschichtlichen Form der Kirche kann also vom Heiligen Geist inspiriert sein. Die Frage ist, was wir über die Kritik hinaus tun, um mitzuhelfen, die HEILIGE KATHOLISCHE KIRCHE zu verwirklichen. In welcher Gemeinschaft auch immer.

Persönliche Erwägungen von David Steind-Rast

Mein christlicher Glaube ist nicht eine Meinung. Er ist das Erdreich, in dem mein Leben Wurzeln geschlagen hat - eine Grundfeste, die weit tiefer hinabreicht als das Denken. Mein Glaube ist eingebettet in ein Gemeinschaftsleben, in das ich von Kindheit an hineinwuchs, das mit zur Familie wurde und durch das ich Kirche erlebe.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Ganz wichtig: KATHOLISCH ist nicht zu verwechseln mit der Organisation Römisch-Katholische Kirche. Sie ist als eine Untergruppe der HEILIGEN KATHOLISCHEN KIRCHE zu verstehen und steht für eine Menge Verbrechen, die sie in der Vergangenheit begangen hat und z.T. auch heute noch begeht. Doch Vorsicht: Welche von Menschen gelenkte Großorganisation könnte es schaffen, in einer über zweitausendjährigen Geschichte sauber zu bleiben? Außerdem werden ihr meist mehr Verbrechen angedichtet, als sie begangen hat.
David Steindl-Rast wurde in die katholische Kirche hineingeboren und sie wurde ihm zu einer Familie. Schließlich wurde er Benediktiner-Mönch. Nicht allen Menschen wurde die Religion oder spirituelle Tradition, in die sie hineingeboren wurden, zu einer Familie und sie haben sie aus guten Gründen verlassen. Viele Menschen werden heute in keinerlei religiöse Tradition hineingeboren.
Die Unzufriedenheit mit der Kirche oder spirituellen Gemeinschaft, der wir angehören oder vielleicht angehören möchten, wenn  sie den "besser" wäre, entspricht der Sehnsucht danach, wie sie sein sollte. Wie gehen wir damit um. Die Suche nach einer perfekten Gemeinschaft führt ins Nichts - wir werden sie nie finden. Wir sollten also überlegen,was wir innerhalb der Gemeinschaft, in der wir sind, tun können, um den Wind des Heiligen Geistes besser wehen zu lassen.

Manchmal kann es auch besser sein, eine zu einengende Gemeinschaft zu verlassen. Irgendwo finden wir immer ein paar "Gläubige", gleich welcher Richtung. Und es kann gut sein, eine Zeit lang in Glaubensfragen alleine zu sein. Schließlich haben wir heute, anders als in früheren Zeiten, einen nahezu unbegrenzten Zugang zu Informationen, auch über spirituelle Fragen.

"ICH GLAUBE AN DEN HEILIGEN GEIST"

Was heißt das eigentlich?

Die Wiederholung des feierlichen ICH GLAUBE zeigt an, dass hier der dritte Abschnitt des Glaubensbekenntnisses beginnt. Es weist keineswegs auf etwas Drittes hin, an das wir glauben. Der Glaube, den wir im Credo beginnen ist immer ein Sich-verlassen auf ein einziges Ziel hin: auf Gott.
Wir können aber unsere Beziehung zu dem einen Gott auf drei ganz verschiedene Weisen erleben: (1) Wir können uns bewusst werden, dass wir in unserem ganzen Wesen auf einen nie erreichbaren Horizont hin offen sind, nämlich auf Gott. (2) Wir entdecken ohne Ende mehr und mehr von dem Geheimnis, das wir selber sind, das ist letztlich die Christuswirklichkeit in uns. (3) Und wir erleben in uns, dass unser begrenztes Leben an einer unbegrenzten Lebendigkeit Anteil hat, die reines Geschenk ist. Im Hinblick auf diese dritte Beziehung zur göttlichen Wirklichkeit sprechen wir von Gott als dem HEILIGEN GEIST.
Der Heilige Geist ist der göttliche Lebensatem in uns. Geist und Fleisch stehen einander im biblischen Sprachgebrauch als Pole gegenüber. Fleisch ist unvermeidlich dem Tod verfallen, wenn es nicht mehr vom Lebensatem lebendig erhalten wird. Geist ist dieser Lebensatem.  An den HEILIGEN GEIST zu glauben heißt, auf unsere innerste Verbundenheit mit dem lebendigen Gott zu vertrauen und entsprechend zu leben.

Woher wissen wir das?

Leben ist nicht etwas, das wir "tun". Es ist vielmehr ein Vorgang, an dem wir teilnehmen durch alles, was wir tun und erleiden - ein Vorgang, der sich in uns abspielt, der aber weit über uns hinausgeht. Es ist etwas, das wir nicht durch Anlysieren verstehen können, sondern nur im Durchleben.  
Wir können uns verschiedener Intensitätsgrade unserer Lebendigkeit bewusst werden. Deine Lieblingsspeise wird deine Lebendigkeit um einige Grade erhöhen, gute Musik ebenfalls. Ebenso kann deine Lebendigkeit durch Krankheit oder Altersbeschwerden hinuntergedrückt werden. Oder du fühlst dich emotional niedergeschlagen und deine Denkschärfe ist geschwächt. Und dennoch kannst du gerade in einer solchen Lage einer unerwarteten Lebensintensität gewahr werden; trotz erschlaffter Vitalität brennt tief in dir die Lebensflamme stetig, still und stark.
Solange wir uns gesund und kräftig fühlen, achten wir meist kaum auf dieses innere Lebensfeuer. Wenn in ihm unsere Sehnsucht nach der letzten Wirklichkeit glüht, wenn es uns wärmt und wach hält und uns Kraft gibt unserer Umwelt in Liebe als Mitwelt zu begegnen, dann nennt die christliche Tradition diese Lebendigkeit den HEILIGEN GEIST. Jeder Mensch kann diese uns unendlich übersteigende und zugleich einbeziehende Lebenskraft in sich erfahren, gleich welchen Namen wir ihr geben.

Warum ist das so wichtig?

Es geht in diesem Glaubenssatz nicht um ein Fürwahrhalten, dass es eine "göttliche Person" gibt, die Heiliger Geist heißt. Es geht vielmehr um ein gläubiges Sich-Verlassen auf das Leben in uns, das letztlich Anteilnahme an der göttlichen Lebendigkeit ist. So dem Leben zu vertrauen heißt: fest damit rechnen, dass jeder Tag und genau das bringen wird, was wir brauchen - wenn es auch nicht das ist, was wir uns wünschen. Daher werden wir unsere Energie nicht an ineren Widerstand verschwenden oder an Wunschträume. So haben wir mehr Energie verfügbar, um mit der gegebenen Lage richtig umzugehen. Wir verlassen uns eben darauf, dass die Lebensquelle uns schon gibt, was für uns gut ist, ob wir es immer gleich erkennen oder nicht.
Was wäre für ein erfülltes Leben wichtiger als solche gläubiges Vertrauen. Je bewusster wir leben, umso klarer erkenne wir, welches Geschenk es ist, überhaupt lebendig zu sein. Diese Einsicht löst mit jedem Atemzug tiefe Dankbarkeit aus und öffnet dadurch unser Herz für immer größere Lebensfreude.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Phänomene wie Zungenreden (ekstatisches Beten in meist unverständlichen Lauten); Heilung durch Handauflegung komen immer wieder vor - nicht nur in charismatischen Kirchengemeinden, auch wenn sie von offizieller Seite mit etwas Skepsis betrachtet werden. Der HEILIGE GEIST ergreift und verändert uns durch tiefe Erfahrungen, und derselbe HEILIGE GEIST verändert auch unsere äußere Welt. Die Forschungsarbeit von Wissenschaftlern, die Schöpferkraft von Technikern, Künstlern Musikern, Dichtern und Schriftstellern, und der Einfallsreichtum von Frauen und Männern, die sich auf unzähligen Gebieten im Dienst an der Menschheit um eine bessere Welt bemühen, sie alle sind von einem und demselben HEILIGEN GEIST inspiriert.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Der HEILIGE GEIST bietet eine gute Vorlage für allerlei Witze. Er wird es nicht übel nehmen.
Im Himmel wird der diesjährige Betriebsausflug geplant. Man weiß aber nicht so recht, wohin man fahren soll. Erste Idee: Betlehem. Maria ist aber dagegen. Mit Betlehem hat sie schlechte Erfahrungen gemacht: Kein Hotelzimmer und so. Nein, kommt nicht in Frage. Nächster Vorschlag: Jerusalem. Das lehnt Jesus aber ab. Ganz schlechte Erfahrungen mit Jerusalem!! Nächster Vorschlag: Rom. Die allgemeine Zustimmung hält sich in Grenzen, nur der Heilige Geist ist begeistert: "Oh toll, Rom! Da war ich noch nie!!!!"
Im Netz finden sich viele davon.
Der HEILIGE GEIST ist kein Privileg des Christentums. Andere spirituelle Traditionen haben ähnliche Vorstellungen. Man muss noch nicht einmal einer Religion oder spirituellen Richtung angehören, um die alles durchströmende Lebenskraft zu erfahren. In unseren besten Momenten, wenn wir Gipfelerlebnisse haben oder völlig im "Flow sind", wie es der amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschrieb, spüren wir etwas uns durchströmen, das größer ist als wir.
Wer jede Form von Religion oder Spiritualität ablehnt, hat meist auch keine Vorstellung von dem, was wir als Lebenskraft oder Heiliger Geist bezeichnen. Der Nachteil: So jemand muss alles selbst machen, er kann nicht aus einer Quelle schöpfen, die größer ist, als er. Obwohl die natürlich auch für ihn da ist, nur weiß er dies nicht. 

"VON DORT WIRD ER KOMMEN ZU RICHTEN DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN"

Was heißt das eigentlich?

Das "DORT" in diesem Glaubenssatz bezeichnet keinen Ort. Es ist das positive Spiegelbild der negativen Reihe von Tod, Begräbnis und Abstieg in das Totenreich. Dort wurde die Erniedrigung entfaltet, später die Erhöhung in der Auferstehung. Zunächst verurteilt menschliche Macht, später rechtfertigt Gott. Die hier angesprochene Übertragung von Rechtsgewalt ist der Höhepunkt im Auferstehungsglauben.
Zum Begriff RICHTEN existieren weit verbreitete Missverständnisse des göttlichen Weltgerichts. Der Mythos wird missverstanden, als ob er Geschichte wäre - Zukunftsgeschichte. Die Wiederkunft Jesu Christi wird zum geschichtlichen Ereignis am Ende der Zeit, wenn er als Weltrichter kommen wird.
Gerechtigkeit lässt sich nicht immer und auf Dauer unterdrücken. So verstanden, richtet der Auferstandene gar nicht im landläufigen Sinn, er wird vielmehr seinen Widersachern zu Gericht. In dem Sinne wie ein fachmännisch geschreinerter Stuhl den eines Pfuschers richtet. Das hohe Maß der Lebendigkeit Jesu Christi "richtet" die halbherzig und lau dahin lebenden.
Solches Richten ist nicht Rache sondern Gnade. So richten ist nicht strafen, es stellt eher den rechten Stand der Dinge wieder her. Gerechtigkeit ist kein Aburteilen mehr, sondern verwandelt sich in eine Richtschnur. Es geht um die Aufrichtung einer Weltordnung nach dem Richtmaß von Weisheit und Barmherzigkeit. Statt Gier, Hass und Wahn herrschen Teilen, Zugehörigkeitsbewusstsein und Verstehen - Haltungen, die der Kreativität und Tatkraft der Liebe entsprechen.
Was bedeutet LEBENDE und TOTE in diesem Zusammenhang? Was unterscheidet die wahrhaft LEBENDEN von den spirituell TOTEN? Menschen, die wie Jesus alles auf die göttliche Gerechtigkeit der Liebe setzen, sind im Vollsinn LEBENDE; die anderen sind im Vergleich dazu die TOTEN.

Woher wissen wir das?

Wenn dieser Glaubenssatz sich auf ein zukünftiges Ereignis bezöge, wäre er unbeweisbar. Wir müssten abwarten, ob er sich je bewahrheiten würde. Es geht hier aber um eine in der Gegenwart zugängliche Einsicht in Gerechtigkeit und Gericht. "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu." (Volksmund über Gerechtigkeit). "Alle Schuld rächt sich auf Erden" (Goethe über Gerechtigkeit). Beides ist jedem reifen Menschen intuitiv einsichtig.
Gerechtigkeit kann nicht durch äußere Gesetze aufgezwungen werden. Sie ist das innere Gesetz echter Ordnung. Sie muss von innen wirken. Wie der Sauerteig, der die ganze Teigmasse gären lässt und von innen her zum Aufgehen bringt. Gerechtigkeit ist ein Aspekt der Wirklichkeit. Selbst wenn wir selber ungerecht handeln, wissen wir, was gerecht ist. Selbst unsere Wut, die sich gegen das auflehnt, was uns als Gottes Ungerechtigkeit erscheint, hat ihre Wurzel in der unzerstörbaren Überzeugung, dass Gerechtigkeit vor dem Gericht des Seins Recht behalten muss.

Weshalb ist das so wichtig?

Das mythische Bild von Jesus Christus als Weltenrichter kann uns helfen, unseren Alltag und unser Leben in Ordnung zu bringen.
Ordnung ist nie statisch, sie lässt immer neue Muster entstehen. Doch das innerste Gesetz wahrer Ordnung heißt Liebe. Die ganze Natur lebt danach. Auch die Entwicklung zweier Liebender zu einer Familie folgt diesem Prozess einer inneren Gesetzmäßigkeit.
Unser Gerechtigkeitssinn entstammt diesem Grundprinzip der Liebe. Der vietnamesische Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh sagt: "Gerechtigkeit ist nicht auf Rechtsansprüche gegründet, sondern auf dankbare Liebe".
Natürlich bleibt die praktische Verwirklichung von Gerechtigkeit im Einzelnen immer fragwürdig, weil die Komplexität des Lebens sie erschwert. Wir brauchen nur an Entscheidungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft oder Umwelt zu denken. Wir mögen sie aus einer bestimmten Perspektive für ungerecht halten. Und doch sind wir alle an diesen Entscheidungen irgendwie mitbeteiligt.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Wer würde sich nicht spontan einen donnernden Weltenrichter wünschen, wenn mal wieder ein Staatsoberhaupt und seine Wirtschaftsberater mit Hilfe von Propagandalügen einen Angriffskrieg vom Zaun brechen? Und doch ist es so, dass Gottes Geduld mehr erreicht durch "liebenswürdig zurückhaltende Geschicklichkeit", als durch ein Gericht, dass Gerechtigkeit erzwingt.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Das Bild des Weltenrichters nutzt so mancher "strenggläubige Christ" gerne als Drohkulisse. Für sich und gerne auch für andere. Es ist erschreckend, was solche Missverständnisse anrichten können und wie viel spiritueller Missbrauch damit getrieben wurde und immer noch getrieben wird. Ich befürchte, dass auch die Erklärungen von David Steindl-Rast an solchen Menschen nicht viel ändern werden. Was nicht in eigene Weltbild oder Religionsverständnis passt, wird gerne ignoriert oder als Irrtum abgetan. In der Einteilung LEBENDE und TOTE gehören sie wohl eher zu den spirituell TOTEN.

Sehr wichtig ist hier der Hinweis auf das innere Gesetz der Liebe. Wir erkennen immer wieder, dass Gerechtigkeit sich trotz aller Gesetze und Gerichte nicht erzwingen lässt. Manchmal erreichen wir mit "Gottes Geduld" mehr. Bisher ist jedes Unrechtssystem irgendwann in sich zusammengebrochen. Doch dies braucht nunmal Zeit.

"ER SITZT ZUR RECHTEN GOTTES; DES ALLMÄCHTIGEN VATERS"

Was heißt das eigentlich?

Die Inthronisierung Jesu Christi ist ein weiteres dichterisches Bild. Seine Rechtfertigung durch die Auferstehung und seine Erhöhung durch die Himmelfahrt gipfelt hier in seiner Bevollmächtigung.
Jesus Christus besitzt höchste Autorität. Freilich immer im Sinne der einzig wirklichen Autorität, der Allmacht der Liebe. Alle, die sich vom göttlichen Licht leiten lassen, dürfen auf diese höchste Autorität vertrauen. Gerade auch jene,die sich für eine gerechte Gesellschaftsordnung einsetzen und dafür Verfolgung erleiden.

Woher wissen wir das?

Dieser Glaubenssatz enthält keine "zusätzlichen Informationen". Das Credo stellt seinen Inhalt hier mal wieder mytho-poetisch dar. Ein gewisses Maß an Sensibilität für Poesie gehört zur Allgemeinbildung und lässt uns vieles vom Besten,was das Leben zu bieten hat, würdigen und genießen. Von Gothe und Schiller bis zur Bhagavad Gita und zum letzen Liebesbrief. Jedes Kind wird mit Augen, Ohren und Herz eiens Dichters geboren und braucht ein Mindestmaß an Förderung dieser Fähigkeiten. Nur mit einem gesunden Sinn für dichterische Sprache können wir verstehen, was das Credo uns sagen will.
So ist die Allmacht Gottes eben nicht die eines autoritären Machthabers, sondern die eines liebenden Vaters. Die göttliche Liebe ist allmächtig, weil alle, die wie Jesus Christuns grauenvolles Unrecht, Leiden und selbst den Tod liebend erleiden, all diesem Widersinn Sinn geben können. Und Sinn ist das Einzige, worauf es letztlich ankommt. Die Macht der Ungerechtigkeit mag weit reichen, sie kann aber niemals die Autorität de Liebe außer Kraft setzen.

Warum ist das so wichtig?

Die Bilderreihe "Auferstehung, Himmelfahrt, Thronbesteigung und Richtergewalt" wendet sich Schritt für Schritt, von Jesus ausgehend, uns selbst zu. In ihr kristallisiert sich immer klarer heraus, was die Auferstehung Jesu Christi für uns bedeutet.
Wir verpflichten uns für Frieden, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Menschenwürde und für alles, wofür Jesus einstandm selber einzustehen und auch Gleichgültigkeit in tatkräftige Hilfsbereitschaft umzuwandeln.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast

Selbst für den verachtetesten, verworfensten, vergessensten Menschen gilt: Der Mensch geht unendlich über den Menschen hinaus, in jedem Menschen ist die Christuswirklichkeit, das heißt nichts anderes als Gottes Gegenwart. Jesus Christuns ist durchaus als Archetypus des Menschen zu verstehen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten

Die Fähigkeit, mytho-poetische oder einfach dichterische Sprache zu lesen und zu verstehen, was sie uns sagen will, ist bei vielen modernen Menschen verkümmert. Kein Wunder, in meiner Schulzeit haben wir zwar Gedichte auswendig gelernt, doch wirklich in der Tiefe zu verstehen,was sie uns sagen wollen, wurde nicht vermittelt. Ohne diese Kulturtechnik aber lässt sich das Credo - und auch die Bibel - nicht lesen.
Daher ist der erklärende Ansatz, den David Steindl-Rast hier hat, heute sehr wertvoll. Viele Christen können heute das Credo, bzw. Teile davon, nicht mehr beten. Liegt dies vielleicht auch daran, dass sie den tieferen Sinn nicht verstehen und auch nie verstanden haben?
Ganz wichtig ist hier der erneute Hinweis darauf, was die Allmacht Gottes bedeutet. Viele Menschen wenden sich von Gott ab, weil sie sich im Fall  eines tiefen Leids, das sie oder andere trifft, fragen: "Wie konnte Gott dies zulassen?"
Die Sache mit der Christuswirklichkeit in jedem Menschen ist sicher schwer zu verstehen, wenn man sich Menschen wie Hitler, Stalin, Pol Pot und viele andere Masenmörder der Weltgeschichte vor Augen hält. Doch letztlich ist sie auch in ihnen. Natürlich gehören sie dennoch nach juristischen Kriterien verurteilt.

Für den praktischen Umgang mit unangenehmen Zeitgenossen oder auch Menschen, die uns oder anderen Leid angetan haben, bedeutet dies: Wir können das Verhalten eines Menschen durchaus veurteilen und dennoch seinen Wesenskern, die Christuswirklichkeit (oder auch Buddhanatur) in ihm achten.  Wenn wir dies wirklich tun, ändert sich eventuell auch etwas im äußeren Verhalten dieses Menschen.