Mittwoch, 27. Januar 2016

"SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE"

Was heißt das eigentlich?


Auch Schöpfung / der Schöpfer ist nur ein bildlicher Ausdruck und kann irreführen. Der größte Irrtum wäre, anzunehmen, es handle sich um einen Anstoß von außen. Die schöpferische Kraft im Weltall ist zwar ein Geschenk, wirkt aber als Begabung von innen. Sie ist eins mit dem Selbstverwirklichungsimpuls von allem, was es gibt. Die Triebhaftigkeit jedes Schöpfungsprozesses ist Liebe. Sie bewegt selbst das kleinste Teilchen des Universums von innen her. Alles, was es gibt, gehört untrennbar zusammen.
Gott als unser Schöpfer ist ein Gegenüber, mit dem wir doch im Innersten eins sind.

Himmel und Erde bedeutet: Alles, was es gibt, alles Sichtbare und Unsichtbare. Wir können statt Himmel und Erde auch Bewusstsein und Materie sagen. Oder manifestierte und un-manifestierte Wirklichkeit. Das kommt unserem heutigen Verständnis näher. Erde bedeutet alles, was unseren Sinnen zugänglich ist, was schon verwirklicht ist. Himmel bedeutet alles, was noch „in Gott verborgen“ ist. Oder wir sagen: Das Nichts, aus dem Gott alles erschafft, ist Gott. Damit nähren wir uns dem Buddhismus an.
Wir müssen Bilder finden, die uns helfen, dürfen aber nie vergessen, dass es nur Bilder sind.

Woher wissen wir das?


Um von innen heraus zu verstehen, was SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE bedeutet, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf zwei Wahrnehmungen richten, nämlich auf Gegenwart und Dankbarkeit. Gegenwart nicht als den gegenwärtigen Augenblick, sondern im Sinne eines persönlichen Gegenübers.

Wir erleben die Welt als sinnträchtig, schwanger mit Bedeutung. Jedes Ding sagt etwas aus, in jedem Ding, und sei es noch so klein, spricht uns etwas an. Wir müssen dafür vielleicht ein wenig introspektiv experimentieren, indem wir ein paar stille Minuten mit einem Stein oder einer Blume verbringen. Hinter den Dingen begegnen wir einer Gegenwart, die uns „entgegenwartet“, die uns etwas sagt. Oder schweigend auf unsere Antwort wartet. Diese allgemein menschliche Erfahrung steht hinter dem „Gott sprach…und es ward.“ In allem, was es gibt, spürt unser horchendes Herz den Pulsschlag einer größeren Gegenwart, auf die wir uns gläubig verlassen dürfen. Und je mehr wir uns darauf verlassen, desto mehr erfahren wir diese Verlässlichkeit. Und dies führt uns zu dem Stichwort Dankbarkeit.

Wir erfahren alles, was es gibt, selbst unser eigenes Dasein, als uns geschenkt. Das Es, von dem es uns geschenkt wird, schwingt mit, wenn wir im Credo Gott Schöpfer nennen. Unpersönliche Begriffe wie „Ursprung“ oder Quelle“ vermeiden allerlei Missverständnisse, die das Bild von Gott als dem Schöpfer verursachen kann. Allerdings bekommen sie das persönliche Du nicht in den Blick, das mir überhaupt erst mein Ich-Bewusstsein gibt – und auch das wieder als Geschenk.
Wir wissen also aus ganz persönlicher Erfahrung von einem verlässlichen Gegenüber, dem wir alles verdanken.

Warum ist das so wichtig?


Unsere bewusste Ausrichtung auf das Es, dem wir alles verdanken, was es gibt, macht uns dankbar. Und Dankbarkeit macht schöpferisch. Wenn wir wach werden, für die unzähligen Gelegenheit, uns zu freuen, die wir vorher freudlos als gegeben hinnahmen, dann vervielfältigt sich mit einem Schlag unsere Lebensfreude. Wir kommen in Übung und lernen, jede gegebene Gelegenheit beim Schopf zu packen. So lernen wir, auch mit Gelegenheiten schöpferisch umzugehen, in denen uns etwas begegnet, wofür wir nicht dankbar sein können. Wir fragen uns ganz spontan: „Wozu schenkt mir das jetzt Gelegenheit?“

Wir erleben jeden Augenblick als einen „gegebenen“. Wie wir dazu Stellung beziehen, steht uns frei. Was wir aus diesem Augenblick machen, darin besteht unser Mitwirken am Schöpfungsprozess, der eben noch nicht abgeschlossen ist. Das Wesen göttlicher Schöpfung ist Geschenk, das Wesen menschlicher Schöpfung ist Dankbarkeit. So nehmen wir Teil am göttlichen Leben selbst.

Persönliche Erwägungen von David Steindl-Rast


Schöpfung ist Tun aus Stille und Sammlung. In unserem meditativen Denken wird uns die göttliche Gegenwart auf drei grundlegende Weisen bewusst: einmal als das unergründliche Geheimnis, aus dem alles aufsteigt und in das alles zurücksinkt; dann als die unerschöpfliche Fülle von allem, was es gibt; und schließlich als unermüdliche Dynamik –Sehnen, Verlangen, Wissbegierde, Kreativität, liebende Lebendigkeit. Ein Vorgang, bei dem wir mitspielen, als Tanz, den wir mittanzen.

Persönliche Anmerkungen von Heinz Hilten


Die größte Herausforderung liegt hier darin, Gott/die schöpferische Kraft gleichzeitig als in uns wie auch als (inneres) Gegenüber zu betrachten. Die Schöpfung als Geschenk zu betrachten und gleichzeitig als Ergebnis des in allem steckenden Selbstverwirklichungsimpulses.
Die Schwierigkeit rührt daher, dass wir in unserer westlichen Kultur sehr einem entweder-oder Denken verhaftet sind. Etwas ist entweder richtig oder falsch, innen der außen. Im Osten hat man damit weniger Probleme.

Unser dualer Verstand wird das nie vollständig erfassen können. Doch wir haben ja mittlerweile erkannt, dass wir nicht alles mit dem Verstand erfassen können.

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